Strom im Eigenheim

Prosumer-Technologien stehen noch am Anfang

11. Oktober 2022, 12:01 Uhr | Lukas Steiglechner
Smart Home mit PV-Anlage, E-Auto und Batterie
© Petovarga / 123rf

Mit Prosumer-Technologien wie Photovoltaik-Anlagen können Ein- und Zweifamilienhäuser einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten. Eine Studie des Energieversorgers Lichtblick hat den aktuellen Stand der Technologien untersucht und ihr Potenzial aufgezeigt.

Aufgrund der weiterhin steigenden Energiepreise sehen sich viele VerbraucherInnen wohl auch über das laufende Jahr hinaus hohen Heiz- und Stromkosten für ihre Wohnräume gegenüber. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Energie zu sparen. Vor allem BesitzerInnen von Ein- und Zweifamilienhäusern können auf Prosumer-Technologien zurückgreifen. Dieses Kofferwort setzt sich zusammen aus „Producer“ und „Consumer“ und kombiniert somit Energieverbraucher und -produzent. Doch wo steht die zunehmende Verschmelzung vor allem in Hinblick auf Photovoltaik-Anlagen? Um das gezielt zu hinterfragen, hat das Energieversorgungsunternehmen Lichtblick den „Prosumer-Report 2022“ erstellt. Dieser basiert wiederum auf einer Marktanalyse von EuPD Research.

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Lichtblick, Prosumer-Report 2022
Mit 1,71 Millionen aktiven Prosumern wird das Pro-sumer-Potenzial von 10,8 Millionen solarfähigen Ein- und Zweifamilienhäusern bislang erst zu rund 16 Prozent ausgeschöpft. Das zeigt: Die dezentrale Energiewende steht erst am Anfang.
© „Prosumer-Report 2022“ / LichtBlick

Vor allem die steigenden Energiepreise befeuern laut den Autoren die wirtschaftliche Attraktivität entsprechender Technologien für EigenheimbesitzerInnen. Und die Voraussetzungen sind hierzulande in vielen Fällen schon gegeben. Denn laut der Studie von Lichtblick sind derzeit von 15,7 Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland etwa 10,8 Millionen Gebäude bereits für den wirtschaftlichen Betrieb einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach geeignet. Sie bilden somit das Prosumer-Potenzial. Und um dieses noch besser aufzuzeigen, haben die Studienautoren einen Prosumer-Index entwickelt. Dieser dokumentiert den Technologieausbau der sieben identifizierten Schlüsseltechnologien für Prosumer:

Die Studie setzt den aktuellen Index jedoch nur bei 9,5 von 100 Punkten fest. Denn Einsatz dieser Schlüsseltechnologien steht also oft noch am Anfang.

Strom im Eigenheim – erzeugen, speichern, weiterverwenden

Um ein aktiver Prosumer zu werden, müssen EigenheimbesitzerInnen über eine Photovoltaik-Anlage verfügen, mit der sie Strom erzeugen können. Derzeit verfügen aber nur 16 Prozent der potenziellen Prosumer über ein solches System. Allerdings werden von Jahr zu Jahr mehr PV-Anlagen auf deutschen Dächern installiert. Im Jahr 2021 wurden beispielsweise 208.000 Anlagen (bis 20 Kilowattpeak) auf Ein- und Zweifamilienhäusern befestigt. Eine durchschnittliche Anlage erzeugt etwa 8.750 Kilowattstunden Strom im Jahr.

Mit diesem ersten Schritt werden Verbraucher zu Prosumern. Doch um ihren Stromverbrauch noch effizienter zu gestalten, können sie auch einen Heimspeicher für ihre erzeugte Energie einsetzen. So kann der tagsüber produzierte Strom im Speicher zwischengelagert werden, um ihn abends oder nachts zu nutzen. Die Investition in einen Speicher lohnt sich allerdings in der Regel erst bei leistungsstärkeren PV-Anlagen (mehr Informationen zum Thema Energiespeicher finden Sie ab Seite 22). Bis Ende 2021 waren rund 467.000 Heimspeicher im Einsatz. Folglich verwendet bereits rund jeder Vierte aktive Prosumer einen Speicher in Kombination mit seiner Photovoltaik-Anlage.

Da Prosumer eigenen Strom erzeugen, steigt auch der Anreiz, mit diesem die Wärmeversorgung im Eigenheim abzusichern. Wärmepumpen bieten dafür eine geeignete Möglichkeit. Die Heiztechnologie nutzt natürliche Quellen aus der Umgebung – in der Regel Luft, Erde oder Grundwasser – und nutzt deren Energie für die Erwärmung von Heizungs- und Warmwasser. Wird die Wärmepumpe mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben, entsteht eine nachhaltige Heizungsart. Und weil der Staat diese Technologie fördert und aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Energiemarkt gewinnen Wärmepumpen immer weiter an Beliebtheit. Allein im Jahr 2021 wurden bereits 154.000 neue Wärmepumpen installiert, 90 Prozent davon in Ein- und Zweifamilienhäusern.

E-Mobilität und Ladestationen

Steigende Benzinpreise treiben zudem den Wandel hin zu Elektromobilität voran. Im Jahr 2021 wurden rund 356.000 reine Elektrofahrzeuge neu zugelassen – fast zehnmal so viele wie 2018. Von den aktiven Prosumern nutzen etwa 205.000 ein E-Mobil. Doch ein Fahrzeug allein kann noch keinen Mehrwert in einem Prosumer-Haushalt schaffen. Erst in Kombination mit einer zugehörigen Ladestation – einer sogenannten Wallbox – kann diese Technologie ihr Potenzial erschließen, vor allem in Verbindung mit einer PV-Anlage. Diese Kombination verlaubt es BesitzerInnen, Fahrzeuge künftig mit dem selbst erzeugten Strom aus nachhaltiger Quelle aufzuladen.

Von den aktiven Prosumern besitzen etwa 262.000 eine Wallbox. Rund ein Zehntel verwendet zudem derzeit neben der PV-Anlage sowohl ein E-Fahrzeug als auch eine Wallbox. Eine wichtige Zukunftstechnologie in diesem Bereich ist darüber hinaus das bidirektionale Laden. Entsprechend ausgerüstete E-Fahrzeuge können nicht nur Strom beziehen, sondern diesen auch abgeben. Die mobilen Stromspeicher könnten somit künftig in der Lage sein, Netzschwankungen auszugleichen. Aktuell besteht jedoch noch kein gesetzlicher Rahmen für dieses Konzept, das bidirektionale Laden ist daher noch nicht allzu weit verbreitet.

Intelligente Zähler und Energiemanagement

Um die wachsende Zahl an dezentralen Stromerzeugern jedoch verwalten zu können, ist eine zunehmende Digitalisierung des Stromnetzes erforderlich. Dabei kommen intelligente Stromzähler zum Einsatz, sogenannte Smart Meter. Diese Geräte sind zusätzlich mit einer Kommunikationseinheit ausgerüstet und können Erzeugungs- und Verbrauchsdaten in Echtzeit erfassen und weiterleiten. 334.000 Smart Meter wurden bereits von den aktiven Prosumern verbaut. Laut politischen Vorgaben sollen bis 2032 jedoch in allen Haushalten Smart Meter im Einsatz sein.

Gleichzeitig wird das Management der zahlreichen Energiequellen und -verbraucher in Haushalten immer komplexer. Von der PV-Anlage über den Heimspeicher und die elektrisch betriebene Heizung bis hin zu Verbrauchspunkten im Haus und schließlich auch dem Stromnetz: ein Home Energy Management System (HEMS) kann unter anderem zum Einsatz kommen, um die Effizienz zu steigern und die Energieflüsse zu verwalten. Eine solche Steuerungs- und Kommunikationseinheit soll die Prozesse im Haus lernen und so die vernetzten Komponenten und Energieflüsse automatisch aufeinander abstimmen. In Kombination mit einem Smart Meter kann so beispielsweise auch der Bezug von Netzstrom optimiert werden. So ist möglich, dass der Privathaushalt nur dann auf Netzstrom zurückgreift, wenn dieser im Rahmen eines variablen Stromtarifs besonders günstig ist.

Derzeit nutzen 255.000 aktive Prosumer ein HEMS. Mit künftig attraktiveren Geschäftsmodellen für die dezentrale Energieerzeugung könnten auch diese Systeme an Bedeutung gewinnen, um die Prosumer-Haushalte künftig digital und intelligent zu vernetzen.

Potenzial für die Energiewende

Noch sind entsprechende Technologien aber nicht weit verbreitet. Dabei könnten sie einen signifikanten Beitrag zur Energiewende in den Sektoren Energie und Mobilität leisten. Laut dem Report von Lichtblick lag der Energiebedarf der 10,8 Millionen potenziellen Prosumer-Häuser im Jahr 2021 bei 336 Milliarden Kilowattstunden. Würden diese Gebäude alle auf elektrische Heizungsarten und E-Mobilität umsteigen sowie die Prosumer-Technologien voll ausschöpfen, würde sich der Energiebedarf auf 119 Milliarden Kilowattstunden reduzieren. Zudem könnten diese Häuser laut Lichtblick wiederum etwa 96 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen und somit etwa vier Fünftel ihres Energiebedarfs selbst abdecken. Die Menge des produzierten Prosumer-Stroms entspräche etwa der Kapazität von zehn mittleren Atom- oder Kohlekraftwerken. Voraussetzung hierfür ist jedoch, die rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen entsprechende Technologien attraktiver werden und BesitzerInnen von Ein- und Zweifamilienhäusern ihre Potenziale voll ausschöpfen können.


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