Marktüberblick Wärmepumpen

Die neue Standardheizung

19. September 2022, 11:00 Uhr | Lukas Steiglechner
Luftwärmepumpe
© Kangestudio / 123rf

Mit steigenden Gaspreisen und einer unsicheren Versorgung braucht es neue Heizungstechnologien. Die Wärmepumpe soll die Gasheizung deshalb künftig als Standardheizung ersetzen. Doch welche Arten von Wärmepumpen gibt es? Und wie steht es in der aktuellen Lage um die Fördermöglichkeiten?

Absatzzahlen Wärmepumpen, BWP
Die Absatzzahlen von Heizwärmepumpen haben sich laut dem BWP Bundesverband Wärmepumpe in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. So wurden im Jahr 2021 fast dreimal so viele Heizwärmepumpen abgesetzt als noch sechs Jahre zuvor. Doch lässt sich auch erkennen, dass der starke Zuwachs hauptsächlich der Gruppe der Luft-Wasser-Wärmepumpen geschuldet ist.
© BWP Bundesverband Wärmepumpe e.V.

Neue Heizungstechnologien erfahren derzeit starken Zuspruch. Die Beliebtheit von Wärmepumpen hat sich bereits in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Laut dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP) ist der Wärmepumpen-absatz 2021 in Deutschland um 28 Prozent zum Vorjahr gewachsen. Dabei wurden etwa 154.000  Heizungswärmepumpen abgesetzt. Das Wachstum der Technologie ist unter anderem auf die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) zurückzuführen, die den Kauf und den Wechsel zu Wärmepumpen unterstützt. Doch auch der Krieg in der Ukraine beschleunigt diese Entwicklung, denn durch die geopolitischen Anspannungen gestaltet sich die Gasversorgung aus Russland als zunehmend unsicher. Damit gehen auch eine neue Gasumlage von 2,4 Cent pro Kilowattstunde einher sowie ein Förderungsstopp für neue Gasheizungen. Als Folge verliert die Gasheizung ihren Stellenwert als Standardheizung.

Mit einer Ende Juni ausgerufenen Alarmstufe in der Gasversorgung wurde angekündigt, dass ab dem Jahr 2024 neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden sollen. Damit sollen Wärmepumpen die neue Standardheizung werden. Laut dem Statistischen Bundesamt war die Wärmepumpe im Jahr 2021 sogar bereits die primäre Heizungstechnologie in Neubauten. Dort nahm sie einen Anteil von 50,6 Prozent ein. Vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern findet die Technologie Einzug.

Doch der Wechsel für den gesamten Gebäudesektor könnte sich als schwierig erweisen. Denn mit einer solchen weitreichenden und strukturellen Veränderung müssen auch etliche Hürden genommen werden. In erster Linie hängt der Wechsel von der Lieferkette ab. Zunächst braucht es ausreichend Geräte, um überhaupt den Bedarf für die Pläne zu decken. Anschließend sind ausreichend Handwerksbetriebe notwendig, die in der Lage sind, all diese Wärmepumpen zu installieren. Hierbei kann sich vor allem die Überlastung der Handwerksbetriebe sowie der generelle Fachkräftemangel als größtes Hindernis bemerkbar machen. Doch darf auch die eigentliche Installation einer Wärmepumpe in ihrer Komplexität nicht unterschätzt werden. Denn: Je nach Art der Wärmepumpe können bestimmte Genehmigungen der örtliche Wasserbehörde notwendig sein und eventuell auch von der Bergbaubehörde. Daher ist bei der Anschaffung einer Wärmepumpe auch die Prüfung des Gebäudes und der Umgebung wichtig, um die effizienteste Lösung zu finden. Bei Heizungswärmepumpen kristallisieren sich drei relevante Technologien heraus: die Luft-Wasser-Wärmepumpe, die Sole-Wasser-Wärmepumpe und die Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Die Benennung der Technologie erfolgt immer nach dem gleichen Schema. Der erste Teil bezeichnet die Wärmequelle und der zweite Teil steht für die Wärmesenke.

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Drei Heiztechnologien im Überblick

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe bildet dabei die kostengünstigste Lösung. Denn für sie müssen keine Bauarbeiten für die Wärmeerschließung vollzogen werden. Sie zieht über einen Wärmetauscher die Wärme aus der Umgebungsluft und gibt sie dann weiter in den Heizungswasserkreislauf. Dadurch entstehen geringere Anschaffungs- und Installationskosten. Allerdings arbeitet diese Art der Wärmepumpe bei kalten Außentemperaturen ineffizienter und braucht teilweise sogar einen zusätzlichen Wärmeerzeuger, was wiederum zu höheren Stromkosten führt. Dabei zeigt die Luft-Wasser-Wärmepumpe einen geringeren Wirkungsgrad als die beiden anderen Technologien. Laut der Untersuchung „WPsmart im Bestand“ des Fraunhofer-ISE erreichen Luft-Wasser-Wärmepumpen durchschnittlich eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,1. Die JAZ gibt das Verhältnis von Wärme und elektrischer Energie über ein gesamtes Jahr mit einem realen Heizsystem wieder. Laut der Verbraucherzentrale sollte die JAZ mindestens 3,0 betragen, damit die Heizung wirtschaftlich und klimafreundlich laufen kann.

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe ist eine sogenannte erdgekoppelte Wärmepumpe. Daher wird oft von einer Erdwärmepumpe gesprochen. Sole ist eine frostsichere Flüssigkeit, die in den Heizleitungen fließt, die im Erdboden versenkt wurden. Dies kann entweder horizontal mit Kollektoren oder vertikal als Sonde umgesetzt werden. Die Kollektoren werden im Erdboden in einer Tiefe von 1,5 Metern verlegt. Dort entziehen sie dem Erdboden die Wärme. Die Sonden werden hingegen nicht auf einer größeren Fläche versenkt, sondern tiefer im Boden. Im Durchschnitt wird auf 100 Meter Tiefe gebohrt, um die Sonden zu platzieren. Dabei sollten sie einen Mindestabstand von sechs bis zehn Meter zueinander haben, um sich nicht negativ zu beeinflussen. In der Regel müssen solche Wärmepumpen nie von einer zusätzlichen Wärmequelle unterstützt werden. Die Sole-Wasser-Wärmepumpen sind allerdings teurer in der Anschaffung als beispielsweise die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Zum einen wegen der Kosten für die Kollektoren beziehungsweise die Sonden; zum anderen aber wegen der Kosten für die Grab- oder Bohrarbeiten. Allerdings verfügen Erdwärmepumpen über eine JAZ von durchschnittlich 4,1. Damit arbeiten sie effizienter als andere und ermöglichen geringere Kosten im Betrieb.

Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe bezieht ihre Wärme aus dem Grundwasser. Dieses bietet selbst im Winter die nötigen Temperaturen, dass diese Art der Wärmepumpe auf zusätzliche Wärmequellen verzichten kann. Dabei werden zwei Brunnen gebohrt: ein Förderbrunnen, mit dem das Wasser als Wärmequelle gewonnen wird, und ein Schluckbrunnen, in den das Wasser wieder in den Boden zurückgeleitet wird. Die Tiefe der Brunnen ist von den jeweiligen örtlichen Begebenheiten abhängig. Denn für eine solche Wärmepumpe braucht es ausreichende Wasserreserven. Örtliche Behörden können darüber Auskunft geben. Auch die Wasserzusammensetzung kann hier eine wichtige Rolle spielen, damit die Brunnen nicht verstopfen. Daher braucht es auch entsprechende Genehmigungen von Behörden, um eine solche Wärmepumpe installieren zu dürfen. Aufgrund der Brunnen ist die Wasser-Wasser-Wärmepumpe teurer in der Anschaffung und Installation. Allerdings gilt sie auch als die effizienteste Heizungsart unter den Wärmepumpen. Besonders bei höheren Heizungsleistungen stellt diese eine geeignete Lösung dar.

Weitere Wärmepumpen im Fokus

Luft-Wasser-, Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen sind nicht die einzigen Formen der Wärmepumpe. Diese drei haben sich lediglich als die gängigsten Heiztechnologie in Wohngebäuden hervorgetan. Doch es gibt noch weitere Technologien mit anderen Einsatzmöglichkeiten.

Die Luft-Luft-Wärmepumpe eignet sich für Passivhäuser. Diese Gebäude mit sehr niedrigem Energiebedarf verfügen über eine sehr gute Dämmung und können daher in der Regel auf Heizkessel oder Heizkörper verzichten. Stattdessen ist hierbei eine Lüftungsanlage verbaut. Die Luft-Luft-Wärmepumpe gibt dabei seine Wärme wieder direkt an die Luft ab.

Die Hochtemperatur-Wärmepumpe ist in der Regel keine geeignete Lösung für den Wohnbereich. Sie findet sich eher im Gewerbe und der Industrie wieder. Sie bringen nämlich das Heizungswasser beziehungsweise das Warmwasser auf eine Vorlauftemperatur von 60 bis 100 Grad Celsius. Wasser jedoch dauerhaft auf über 55 Grad zu erhitzen, ist im Wohnbereich nicht sinnvoll. Vor allem weil ein solche Wärmepumpe hierfür zu viel Strom verwenden müsste. Der Preis von Hochtemperatur-Wärmepumpen liegt deshalb auch wesentlich höher als bei anderen Arten.

Die Warmwasser-Wärmepumpe ist nicht zum Heizen gedacht. Stattdessen handelt es sich hierbei in der Regel um eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit niedriger Leistung, die direkt an Speicher für Warmwasser angeschlossen wird. Dadurch soll sich im Sommer der Heizkessel ausschalten lassen. Für das Beheizen der Räume wird diese Wasserpumpe mit einem Gas- oder Ölkessel kombiniert.

 

Gestutzte Förderung

Da Wärmepumpen aufgrund ihrer klimaneutralen Heizweise und ihrer Unabhängigkeit von Gas die Vision der aktuellen Bundesregierung erfüllen, gibt es auch staatliche Fördermittel, mit denen der Kauf und die Installation der Technologie erleichtert werden soll. Die wichtigsten Förderungen hierfür sind die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Alternativ gibt es auch Förderungen der einzelnen Bundesländer, Kommunen und Energieversorgern.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Ende Juli 2022 eine Reform der BEG angekündigt, welche zum 15. August 2022 vollständig in Kraft trat. Im Rahmen dieser Reform wurden die Zuständigkeiten der Förderungen neu definiert. So ist in Zukunft das BAFA für die Zuschüsse von Einzelmaßnahmen zuständig. Die KfW hingegen gibt solche direkten Zuschüsse künftig nur an Kommunen. Stattdessen können Eigentümer bei der KfW zinsverbilligte Kredite sowie einen Tilgungszuschuss für systemische Maßnahmen beantragen. Systemische Maßnahmen umfassen energieeffiziente Sanierung, mit der ein bestimmter Effizienzhausstandard erreicht werden will. Je nach Effizienzhausstandard kann die Sanierung zu unterschiedlich hohen Prozentsätzen gefördert werden. Die maximal förderfähigen Kosten belaufen sich dabei auf 150.000 Euro pro Wohneinheit.

Ein zentraler Aspekt der Förder-Reform war die Senkung von Fördersätzen zur Sanierung von Gebäuden und damit auch die Förderung von Wärmepumpen. Begründet wurde die Senkung mit der Einhaltung der Schuldenbremse. So wolle der Staat keine neuen Schulden aufnehmen, aber trotzdem mehr Personen eine Förderung ermöglichen. Im Falle der Wärmepumpen hat das zur Folge, dass die Förderung bei Einzelmaßnahmen künftig nur noch bis zu 40 Prozent der Kosten übernehmen kann statt der bisherigen 50 Prozent. Damit verringert sich die maximale Unterstützung von 30.000 Euro auf 24.000 Euro. Dabei beläuft sich die Grundförderung einer Wärmepumpe auf 25 Prozent mit einem Bonus von zehn Prozent für einen Heizungsaustausch und einem Bonus von fünf Prozent, wenn es sich bei der Wärmequelle der Wärmepumpe um Wasser, dem Erdreich oder Abwasser handelt.

Die Maßnahmen der Bundesregierung stoßen allerdings auf breite Kritik. Denn aufgrund der zügig eingeführten Änderungen müssen viele Sanierungspläne eingestellt oder umgeplant werden. Benjamin Weismann, Geschäftsführer des GIH-Bundesverbands, einer bundesweiten Interessenvertretung für Energieberater, merkt an: „Die zukünftigen Fördermittel sind leider nun so unattraktiv, dass viele ihre erforderlichen Sanierungsmaßnahmen nicht mehr angehen werden“. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband äußert Kritik: „Tausende Sanierungsprojekte könnten nach langer Planung verworfen oder unter enormem Mehraufwand reorganisiert werden müssen“. Doch nicht nur die Planung der einzelnen Sanierungsprojekte muss überdacht oder sogar verworfen werden. Sozial orientierte Wohnungsunternehmen leiden ebenso, wie Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, feststellt. Denn „neben dem Vertrauensverlust und der Planungsunsicherheit macht der Wegfall der Zuschussförderung und die Reduzierung der Tilgungszuschüsse die BEG-Förderung für Wohnungsunternehmen unattraktiv“. Gedaschko schlussfolgert daraus, „dass Klimaschutzinvestitionen unterbleiben müssen oder nur über höhere Mieten refinanziert werden können“. Damit sei wiederum dem Wechsel hin zur Wärmepumpe kein Gefallen getan.

COP oder JAZ – Was ist aussagekräftiger?

Auf der Suche nach einer passenden Wärmepumpe tauchen immer wieder die Abkürzungen COP und JAZ auf. Diese sollen beide etwas über die Effizienz einer Wärmepumpe aussagen, doch mit unterschiedlichem Ansatz. Der Coefficient of Performance (COP) beschreibt bei einer Wärmepumpe das Verhältnis von erzeugter Wärmeleistung zur eingesetzten elektrischen Leistung. Ein Beispiel: Bei einem COP von 3,5 erzeugt eine Wärmepumpe mit 1 Kilowatt elektrischer Leistung 3,5 Kilowatt Wärmeleistung.

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt hingegen das Verhältnis der über das Jahr abgegebenen Wärme zur aufgenommenen Antriebsenergie. Sie gibt also Auskunft darüber, wie effizient die Wärmepumpe arbeitet. Doch während beim COP Laborwerte gezeigt werden, wird die JAZ aus realen Bedingungen ermittelt. Das hat allerdings den Nachteil, dass dabei viele verschiedene Faktoren Einfluss nehmen können; von Außentemperatur bis hin zur Qualität der Installation. Daher sollten beide Werte im Verhältnis betrachtet werden, um sich ein möglichst klares Bild zu machen.

 


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