Wohlbefinden & Wohnen

Wohnkomfort als Schlüssel zur Energiewende im Gebäudebestand

25. Juli 2016, 11:58 Uhr |

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Gute Planung als Grundlage

Till Reine, Velux
Fünf Fragen zum Healthy Homes Barometer an Till Reine, Leiter Public Affairs, Velux Deutschland
© Velux Deutschland

Wie ist Velux auf die Idee gekommen, jährlich ein Healthy Homes Barometer durchzuführen?
Reine: Velux hat innerhalb von zehn Jahren über 20 Demo-Häuser in ganz Europa gebaut und getestet. Mit unseren “ModelHome 2020”-Wohnexperimenten haben wir gezeigt, dass gute Wohnbedingungen mit höchsten Ansprüchen an Energieeffizienz einhergehen: Die Häuser genügen bereits heute den voraussichtlichen Energiestandards von 2020 und bieten den Bewohnern gleichzeitig höchste Wohnqualität, indem sie die natürlichen Elemente Licht und Luft in den Mittelpunkt stellen. Die wissenschaftliche Begleitung der in den Modellhäusern lebenden Testfamilien analysierte sowohl das Nutzerverhalten als auch das Wohn- und Energiekonzept. Um die daraus erhaltenen Ergebnisse verallgemeinern zu können, startete Velux das europaweite Healthy Homes Barometer.

Die Vision sind energieeffiziente, komfortable und gesunde Wohngebäude – ist das auch im Bestand umsetzbar?
Reine: Ja, und das sogar kosteneffizient. Unter dem Namen “RenovActive” führt Velux derzeit in Brüssel ein ganzheitliches Sanierungsprojekt im sozialen Wohnungsbau durch, das den Ansprüchen von Bewohnern, Klimaschutz, Energieeffizienz und vor allem auch der Bezahlbarkeit gerecht wird. Es wurde mit den Budgetvorgaben des sozialen Wohnungsbaus durchgeführt. Seit der Eröffnung vor wenigen Tagen ist die Doppelhaushälfte nun ein Jahr lang der Öffentlichkeit zugänglich, bevor eine Testfamilie einzieht. Mit dem Projekt zeigen wir die finanzielle und technische Skalierbarkeit von Sanierungen, die Energieeffizienz und Wohnqualität verbinden.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Healthy Homes Barometers 2016? Was hat Sie überrascht?
Reine: Unsere Umfrage hat ergeben, dass die Menschen in Deutschland bei vielen untersuchten Wohnfaktoren vom allgemeinen Wohlbefinden über die Tageslichtsituation bis zum Raumklima subjektiv sehr zufrieden sind. Gleichzeitig sehen sie noch Luft nach oben und sind bereit, in Verbesserungen zu investieren. Überrascht hat mich, dass nur etwas mehr als jeder Dritte (35 Prozent) sich Gedanken über einen zu hohen Energieverbrauch seines Zuhauses macht und nur 45 Prozent der Befragten Wert auf die Reduzierung der Umweltauswirkungen seines Hauses oder seiner Wohnung legt. Das zeigt uns, dass wir andere Ansätze finden müssen, um einer breiten Masse die Notwendigkeit von Gebäudesanierungen nahezubringen.

Wie kann gutes Wohnen in Zukunft gesichert werden?
Reine: Um das von der Bundesregierung ausgerufene Mammutprojekt eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 zu schaffen, ist es klar, dass die Eigentümer und Bewohner von Gebäuden einen Beitrag leisten müssen. Die Ergebnisse des Healthy Homes Barometers zeigen jedoch, dass die Aussicht, durch eine Sanierung Energie einzusparen, für die meisten Menschen als Motivationsfaktor nicht ausreicht. Deshalb glauben wir, dass das in der Studie belegte Bedürfnis nach mehr Wohnkomfort und -qualität die nötigen Anreize setzt, um Menschen für Sanierungen und damit auch für energieeffiziente Häuser zu begeistern

Was möchten Sie Politikern mit auf den Weg geben, die für die Gebäude der Zukunft die Rahmenbedingungen setzen?
Reine: Der Schlüssel zur Energiewende im Gebäudebestand ist ein ganzheitliches Verständnis von komfortablen, gesunden und energieeffizienten Gebäuden. Wir brauchen hier eine gute, verantwortungsvolle Balance anstatt einer einseitigen Überdrehung ausschließlich der energetischen Anforderungen. In der Bau- und Förderpolitik müssen daher auch Programme zum Erhalt der Wohnqualität und Wohngesundheit implementiert werden. Zudem werden Konzepte für eine umfassende und qualifizierte Gebäudeberatung mit Blick auf Energie-, Tageslicht- und Belüftungskonzept gebraucht. Denn nur Häuser, die gut geplant sind mit Blick auf eine Balance aus Energie, Umwelt und Komfort, sind ökologisch nachhaltig, und nachhaltig wertvoll.


  1. Wohnkomfort als Schlüssel zur Energiewende im Gebäudebestand
  2. Das Gebäude als ganzheitliches System betrachten
  3. Gute Planung als Grundlage

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