Interview mit Samsung

„Wir glauben an den Ansatz offener Systeme“

9. Mai 2022, 11:40 Uhr | Interview: Diana Künstler
TV/AV und Home Appliances, Samsung
© Samsung Electronics

Vor zwei Jahren hat Samsung mit der engeren Verzahnung der Geschäftsbereiche TV/AV und Home Appliances zu einer gemeinsamen CE Division begonnen. Jetzt werden die Bereiche weiter integriert und enger mit dem Bereich Display Solutions verbunden. Über die Effekte für Endkunden und Fachhandel.

  • Wie hat sich die Consumer-Electronics-Sparte von Samsung entwickelt?
  • Welche CE-Lösungen von Samsung sind besonders gefragt?
  • Was gab den Ausschlag für die Verzahnung der Units?
  • Wie unterstützt Samsung seine Partner?
  • Wie sieht Samsungs „Power of 3+1“-Strategie für Home Appliances aus?
  • Wie fügen sich die Smart-Home-Lösungen in das bestehende Portfolio?
  • Wie will sich Samsung von Mitbewerbern in der Smart-Home-Branche absetzen?
  • Was sind die größten Treiber und Hürden im Smart-Home-Umfeld hierzulande?

Smarthouse Pro: Wie hat sich die CE-Unit Samsungs in den letzten zwei Jahren in Deutschland entwickelt?

Leif-Erik Lindner: Ende 2021 erfolgte in Deutschland die Neuausrichtung unserer CE-Struktur. Dies geschah entlang einer globalen Umstrukturierung, bei der die Abteilungen Visual Display, Digital Appliances, Health & Medical Equipment, Mobile Experience und Netzwerke unter einer gemeinsamen Device Experience (DX) Einheit gebündelt wurden. Wir haben den Consumer-Electronics-Bereich in Deutschland stärker integriert und die Bereiche Hausgeräte, TV/Audio und Display Solutions eng miteinander verzahnt. Wir wollen damit eine ganzheitliche Kundenerfahrung über alle vernetzten Produktgruppen hinweg schaffen. Mit der engeren Integration der Bereiche können wir Synergieeffekte durch die gemeinschaftliche Händlerbetreuung und übergreifende Marketingunterstützung schaffen, von denen auch der Fachhandel und somit die Endkunden profitieren.

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Leif-Erik Lindner, Samsung
Leif-Erik Lindner, Vice President Consumer Electronics, Samsung Electronics: „Die noch engere Verzahnung der Geschäftsbereiche spiegelt die immer stärkere Vernetzung der Lebenswelten unserer Kunden wider. [...] Man entscheidet sich oft nicht nur für ein einzelnes Gerät, sondern auch für ein Ökosystem, für übergreifende Funktionen, für hohe Sicherheitsstandards.“
© Samsung Electronics

Smarthouse Pro: Und welche Produkte werden aktuell von deutschen Konsumenten besonders nachgefragt?

Lindner: Viele Kunden erwarten heute, dass ihre neuen Geräte smart sind – ob Hausgeräte, Fernseher oder Monitore. Für diese Anforderung verfügen wir über ein breites Produktangebot. Samsung bietet nicht nur eine breite Palette vernetzter Geräte, mit Smart Things haben wir zudem auch eine sichere Plattform für die nahtlose Steuerung des smarten Zuhauses über kompatible Produkte – auch die vieler anderer Hersteller – hinweg. In diesem Jahr soll es in immer mehr Geräten eine integrierte Smart-Hub-Funktion geben, zum Beispiel in Smart TVs, Kühlschränken und Smart Monitoren. Damit können diese Geräte zur Steuerzentrale im vernetzten Heim werden, so dass separate Smart Hubs nicht zwingend erforderlich sind. Je mehr Geräte diese Fähigkeit besitzen, desto niedrigschwelliger können sich Menschen das vernetzte Zuhause ihrer Träume schaffen. Es ist diese Art von Lösungen, die wir produktübergreifend anbieten und vermitteln wollen. Das bietet Fachhändlern zusätzliche Zugänge zu Kunden und somit mehr Möglichkeiten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Smarthouse Pro: Was gab denn den Ausschlag dafür, die CE-Bereiche nun noch mehr miteinander zu verzahnen und zudem mit dem Bereich Display Solutions zu verschmelzen?

Lindner: Die noch engere Verzahnung der Geschäftsbereiche spiegelt die immer stärkere Vernetzung der Lebenswelten unserer Kunden wider. Damit einher gehen auch neue Entscheidungskriterien für eine Produktanschaffung: Man entscheidet sich oft nicht nur für ein einzelnes Gerät, sondern auch für ein Ökosystem, für übergreifende Funktionen, für hohe Sicherheitsstandards. Wir haben für diese Anforderungen ein ganzheitliches Produktportfolio vom Homeoffice-Monitor bis zur smarten Waschmaschine und mit SmartThings eine passende Plattform, die diese sinnvoll miteinander verbinden kann. Diese ganzheitliche Sicht kann auch für die Beratung durch den Fachhandel künftig relevanter werden. Display Solutions mit zum Beispiel seinen Gaming-Monitoren als Teil des vernetzten Ökosystems gehören hier klar dazu. Das machen wir durch die stärkere Integration auch für unsere Partner erlebbar.

Smarthouse Pro: Und wie unterstützt Samsung seine Partner darüber hinaus beim Verkauf entsprechender Produkte?

Lindner: Wir bieten unseren Partner ein breites Portfolio an Möglichkeiten, mit denen wir sie konkret beim Verkauf unterstützen. Da sind zum Beispiel unsere Händlertrainings, die den Verkäufern direkten Zugang zu wichtigen Informationen bieten und ihnen zentrale Verkaufsargumente an die Hand geben oder die Schulungen im Rahmen von Messen und Events, wo der Handel unsere vernetzten Geräte und Smart-Home-Anwendungen direkt ausprobieren kann. Durch den Einsatz von Promotoren bieten wir unseren Partnern die Möglichkeit zur Umsetzung aufmerksamkeitsstarker Aktionen und entlasten gleichzeitig das Personal vor Ort.

Nedzad Gutic, Samsung Electronics
Nedzad Gutic, Director Home Appliances, Samsung Electronics: „Wir sind davon überzeugt, dass in der Kompatibilität und Interoperabilität einer möglichst breiten Produktpalette ein weiterer zentraler Schlüssel zu mehr Akzeptanz für das Thema Smart Home liegen kann.“
© Samsung Electronics

Smarthouse Pro: Im Hausgeräte-Segment verfolgt Samsung die „Power of 3+1“-Strategie. Wie sieht diese genau aus?

Nedzad Gutic: Unter der „Power of 3+1“-Strategie ist Samsung im letzten Jahr neben den Warengruppen Waschen, Kühlen und Einbau auch in den Markt für Bodenpflege erfolgreich eingetreten und wir konnten unsere Rolle als ernstzunehmender Vollsortimenter weiter stärken. Dieses Samsung-Jahr steht unter dem Motto „Power of Growth“. Wir wollen in allen Segmenten weiter wachsen, mit dem Ziel, langfristig in die Top 3 der Hausgeräte-Hersteller in Deutschland vorzustoßen. Dabei setzen wir auf unseren Dreiklang aus Innovation, Design und Nachhaltigkeit. Damit wollen wir den Nerv einer jungen, zahlungskräftigen und innovationsaffinen Zielgruppe treffen, die wir auch dem Handel zuführen.

Der Fachhandel spielt für uns eine bedeutende Rolle und auch 2022 möchten wir unsere Partnerschaften weiter stärken und ausbauen, damit wir gemeinsam weiter wachsen können. Mit smarten und designorientierten Produkten wollen wir den Handel sowie die Konsumenten überzeugen. Groß angelegte, ganzjährige Marketingaktivitäten mit einem starken digitalen Fokus und spannende Aktivitäten am POS sollen uns dabei zusätzlich unterstützen, unsere Markenbekanntheit zu fördern und den Bedarf bei der neuen jungen Zielgruppe zu wecken.

Smarthouse Pro: Ist vor diesem Hintergrund auch eine engere Verzahnung mit der Smart Home Division geplant? Oder anders gefragt: Wie fügen sich Samsungs Smart-Home-Lösungen in das bestehende Portfolio?

Gutic: Zur erfolgreichen Einführung und Weiterentwicklung der stärker integrierten Consumer Electronics Division in Deutschland hat mein Kollege Leif-Erik Lindner ja bereits einen guten Überblick gegeben. Für unsere Smart-Home-Lösungen bedeutet das, dass sie perfekt in unser bestehendes Portfolio integriert sind. So können wir unseren Kunden ein passendes und aufeinander abgestimmtes Produktportfolio mit einem übergreifenden Nutzungserlebnis bieten, das viele unterschiedliche Bereiche im digital vernetzten Alltag abdecken kann.

Die Samsung Smart Things-App bildet gemeinsam mit dem Smart Things Hub das Herzstück des Smart-Home-Systems von Samsung. Die App erfüllt eine zentrale Bedienfunktion und ermöglicht die Steuerung, Koordination und Überwachung der integrierten Smart-Home-Geräte. Damit haben wir eine Smart-Home-Plattform entwickelt, die für nahezu jedes Smart-Home-Szenario eine Anwendungsmöglichkeit bietet und obendrein auch noch offen für verschiedene Anbieter ist.

Smarthouse Pro: Der Markt ist aber umkämpft. Wie will sich Samsung von Mitbewerbern in der Smart-Home-Branche absetzen?

Gutic: Samsung arbeitet bereits seit über zehn Jahren auf unterschiedlichen Ebenen daran, das Thema Smart Home den Endverbrauchern näher zu bringen. Mit unseren Smart TVs, smarten Monitoren und vernetzten Hausgeräten schaffen wir neue und einfache Einstiegspunkte für Millionen von Haushalten, Smart Home in ihren eigenen Wänden zu realisieren. Darüber hinaus glauben wir an den Ansatz offener Systeme, die eine herstellerübergreifende Steuerung von smarten Hausgeräten ermöglichen – und treiben dessen Entwicklung weltweit und in Deutschland unserseits auch proaktiv voran. Unter anderem haben wir im September 2021 mit Bosch eine weitreichende Kooperation bekannt gegeben, um genau diese Punkte zu adressieren: Auf diese Weise können Nutzer der Smart Things-App auch bestimmte smarte Geräte von Home Connect – darunter von Marken wie Bosch, Siemens und Neff – steuern, während Nutzer von Home Connect Plus auf kompatible Hausgeräte von Samsung zugreifen können. Darüber hinaus hat Samsung auf der CES 2022 die Gründung der HCA (Home Connectivity Alliance) gemeinsam mit Arçelik, The Electrolux Group, Haier und GE Appliances im Smart-Home-Bereich angekündigt, mit dem Ziel die Interoperabilität und Sicherheit intelligenter Technologien über Herstellergrenzen hinweg noch weiter zu verbessern.

Smarthouse Pro: Was sind zudem derzeit die größten Treiber aber auch Hemmschuhe im Smart-Home-Umfeld hierzulande?

Gutic: Treiber sind zum einen der technische Fortschritt und das Angebot: Immer mehr Hausgeräte sind Smart-Home-fähig. Das gilt vielfach auch schon für Einstiegsmodelle. Hinzu kommt – und angesichts der aktuellen Entwicklung wird sich dieser Trend sicher noch weiter verstärken – eine wachsende Sensibilität im Hinblick auf den Energieverbrauch im gesamte Haushalt. Hier lassen sich mit intelligenten Smart-Home-Lösungen durchaus Einspareffekte erzielen. So können zum Beispiel die an unsere Plattform angeschlossenen Geräte so gesteuert werden, dass ein angepasster Energieverbrauch erzielt werden kann.

Viele Hersteller bieten bis heute proprietäre Lösungen an, um einzelne Geräte zu managen. Doch Smart Home lebt aus unserer Sicht von einer möglichst einfachen, Geräte-übergreifenden Vernetzung und Steuerung aller Devices in einem Haushalt. Wir sind daher davon überzeugt, dass in der Kompatibilität und Interoperabilität einer möglichst breiten Produktpalette ein weiterer zentraler Schlüssel zu mehr Akzeptanz für das Thema liegen kann. Daher auch die erwähnte Kooperation mit Bosch.


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