Start-up Tink

Wer eine App installieren kann, kann auch Smart Home

Marius Lissautzki, Tink
Im Gespräch mit Co-Founder Marius Lissautzki über einen spannenden Markt mit hohem Mitgestaltungspotenzial.
© Tink

Ein vernetztes Zuhause lebt nicht nur von der intelligenten Hardware allein. Das haben die Gründer der IoT-Commerce-Plattform Tink bereits früh erkannt und bieten ebenso die dazugehörigen Dienstleistungen wie Beratung, Installation, Versicherungen und Mietmodelle an.

2016 gründeten Julian Hueck und Marius Lissautzki ihre Plattform für den Verkauf von Connected-Home-Produkten und -Services. Bereits zwei Jahre später wurde Tink zu einem der fünf am schnellsten wachsenden Start-ups in Europa gekürt.

Smarthouse Pro: Was gab den Ausschlag zur Gründung von Tink?

Marius Lissautzki: Unsere Grundmotivation war, dass wir fest davon überzeugt waren, dass das Zuhause in der Zukunft vernetzt sein wird. Es ist erstaunlich, wenn man sieht, wie hoch technologisiert und vernetzt das Auto geworden ist, wie feingranular die Klimaanlage hier in 0,5-Grad-Schritten per App geregelt werden kann. Und dann kommt man nach Hause, wo man an jeder Heizung zwischen 1 und 5 justieren muss – das ist völliger Wahnsinn. Auch klimatechnisch gesehen. Wer denkt schon immer daran, wenn man das Fenster aufmacht, die Heizung herunterzudrehen? Deswegen haben wir gesagt, es kann eigentlich nur die Zukunft sein, dass das Zuhause sinnvoll vernetzt wird. Also keine Techie-Spielereien, sondern sinnvolle Vernetzung, um das Zuhause wirklich komfortabler zukunftsfest zu machen und auch umweltorientiert zu gestalten. Hier wollen wir die Potenziale heben.

Relevante Anbieter

Marius Lissautzki, Tink
Lissautzi: „Apple, Amazon und Google haben erkannt, dass derzeit der Wettbewerb um das Betriebssystem für das Zuhause stattfindet.“  
© Tink

Smarthouse Pro: Gesetzt den Fall, man will als NutzerIn das Zuhause wirklich sinnvoll, umfänglich und mit Blick auf komfortable Nutzung vernetzen, steht man dann nicht vor der Problematik, sich für ein Ökosystem entscheiden und damit beschränken zu müssen?

Lissautzki: Ja und nein. Zum einen kennen viele gar nicht die Use Cases dahinter. Das war auch einer der Gründe, weshalb wir gesagt haben, es braucht ein Tink. Denn die Anwendungsfälle sind so einfach, klar und überzeugend, dass es nicht nur die Techies sind, die man dafür gewinnen sollte. Wenn man eine gute Beratungsplattform hat, die darüber aufklärt (Was sind die Ökosysteme? Wie funktioniert das? Wie installiere ich das?), dann kann man jeden „Normalo“, der einigermaßen digitalaffin ist, für das Thema gewinnen. Wer eine App installieren kann, der kann auch sein Zuhause smart gestalten.

Zum anderen gibt es derzeit drei große Anbieter am Markt, deren unterschiedliche Ökosysteme es ermöglichen, dass man über eine Softwareplattform – sowohl per Sprache als auch per App – die unterschiedlichsten Geräte steuern kann. Auch markenübergreifend. Das sind nun mal die Key Player, um die man derzeit nicht herumkommt: Apple, Amazon und Google. Sie haben erkannt, dass der Wettbewerb um das Betriebssystem für das Zuhause stattfindet. Und da müssen wir mitspielen.

Smarthouse Pro: Dabei ist Apple ja auch gerade dabei, Produktgrenzen zu öffnen. Dienste, die bisher nur auf Apple-Geräten verfügbar waren, sollen auch für NutzerInnen von Technik anderer Anbieter zugänglich gemacht werden. Das betrifft unter anderem Hersteller von Hausgeräten, die Sprachassistentin Siri integrieren können. Findet hier ein Mindshift statt?

Lissautzki: Apple hat mit seiner Art „Closed Shop“ schon immer eine Sonderrolle gespielt, weil der US-Hersteller sehr gerne seine Software mit der Hardware verbindet und das auch als USP beziehungsweise Alleinstellungsmerkmal anpreist. Deswegen geht Apple auch sehr sensibel damit um, seine Software für andere Hardware zugänglich zu machen.

Aber die Entwicklung zeigt, wie auch bei Apple ein Umdenken stattfindet. Dass sie einfach merken „Okay, wenn wir jetzt das Betriebssystem für Zuhause sein wollen, dann müssen wir uns ein bisschen öffnen“. Denn wenn die Tochter vielleicht ein Android Phone besitzt und der Vater gerne Musik per JBL-Speaker hört, ist man nicht wettbewerbs-fähig, wenn man nicht kompatibel ist für das gesamte Zuhause – für alle Bewohner des Zuhauses.

Fünf Jahre Tink – und was noch folgt
Tink ist eine IoT-Commerce-Plattform, die mittlerweile mehr als 80 Produktpartner – darunter Sonos, Apple oder Google – mit an Bord hat. 2016 gegründet, konnte Tink bereits mehr als 700.000 Kunden für seine Smart-Home-Plattform gewinnen und erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 66 Millionen Euro. Für 2021 sind mehr als 100 Millionen Euro Umsatz geplant. Die Investoren hinter Tink sind Rocket
Internet, Cadence Growth Capital, ProSiebenSat.1 und der schwedische Energieversorger Vattenfall. Das Start-up mit Sitz in Berlin konzentriert sich nicht nur auf die Vermarktung der vernetzten Hardware, sondern vor allem auch auf die dazugehörigen Dienstleistungen wie Beratung, Installation, Versicherungen und Mietmodelle. Momentan ist das Unternehmen in Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande und den USA aktiv; plant jedoch, in den nächsten 24 Monaten weitere Märkte zu erschließen. Neben dem B2C-Bereich bei Tink hat sich über Anfragen von Industrieunternehmen ebenfalls ein B2B2C-Geschäft entwickelt, bei dem die Tink-Plattform als White-Label-Lösung bereitgestellt wird. In diesem Segment arbeitet Tink beispielsweise mit dem Energieversorger Vattenfall und der Generali Versicherungsgruppe zusammen. Industriepartnerschaften solcher Art sollen zukünftig erheblich erweitert werden. Ein weiteres Ziel von Tink ist es, sich als die führende europäische Smart-Home-Plattform zu etablieren und bis 2023 in allen Kernmärkten Europas präsent zu sein. Weiterhin will das Start-up sein Angebot um relevante Dienstleistungen erweitern. Hierzu gehören insbesondere Energieverträge, Versicherungslösungen und Assistenz-Services.

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  2. Ein Smart Home lebt von der Kombination aus Soft- und Hardware
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