Nachhaltigkeit von Elektronikprodukten

Verbraucherschützer fordern Recht auf Reparatur


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Deutsche Industrie zeigt sich offen für die Vorschläge

Verbraucherschützern und auch der neuen Ampel-Koalition reichen die geltenden Vorgaben daher nicht aus. SPD, Grüne und FDP wollen ein Recht auf Reparatur auch für kleinere Geräte wie Handys und Laptops auf EU-Ebene durchsetzen. Außerdem soll die Gewährleistungsfrist länger werden, in der Verbraucher ihr defektes Gerät einschicken und kostenlos reparieren lassen können. Laut Koalitionsvertrag sollen die Hersteller auch Reparaturanleitungen veröffentlichen, so dass man defekte Bauteile wie Handyakkus selbst tauschen kann.

„Viel zu oft wird doch ein Produkt nicht repariert, sondern einfach durch ein neues ersetzt“, sagte Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) zu ihrem Amtsantritt der „Süddeutschen Zeitung“. Einfachste Reparaturen scheiterten daran, dass Geräte verklebt oder mit Spezialschrauben versehen seien. „Das zu ändern ist sozial und auch ökologisch ein Gewinn.“

Die Verbraucherzentralen fordern aber nicht nur, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für eine Reform stark macht, sondern auch dass sie selbst aktiv wird. Die Mehrwertsteuer auf bestimmte Reparaturen solle gesenkt werden, damit sie sich eher lohnen, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Außerdem solle ein sogenannter Reparaturindex eingeführt werden, mit dem schon auf der Verpackung auf einen Blick erkennbar ist, wie gut sich ein Produkt reparieren lässt. Ohne Informationen über Reparaturkosten und Haltbarkeit könnten sich Verbraucher schwer für die nachhaltige Option entscheiden, argumentieren die Verbraucherschützer.

Laut einer Kantar-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands erwarten die Verbraucher nicht nur, dass ein Gerät lange hält, sondern auch, dass Ersatzteile langfristig verfügbar sind, dass die Reparaturkosten verhältnismäßig sind und dass die Reparatur technisch einfach zu machen ist.

Die deutsche Industrie zeigt sich offen für einen Reparaturindex und auch für ein Recht auf Reparatur. Es müsse aber an die jeweiligen Produkte angepasst sein, erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BDI, Holger Lösch. Bei großen Haushaltsgeräten könne es ökologisch sinnvoller sein, neue, energieeffiziente Produkte zu kaufen, als alte zu reparieren. Wichtig sei eine EU-weite Regelung und das Vermeiden nationaler Sonderregeln.

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Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI), dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH