Lars, but not Least: Amazon Astro

Smarter Roboter mit Tendenz zum Suizid


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Treppenwitz der Datenschutzgeschichte

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Astro kann Einbrecher verfolgen - oder Familienmitglieder, die er dafür hält
© Amazon

Die Neuzugänge dürften durch ihre erweiterten Features und Möglichkeiten eher noch mehr Daten sammeln als die von Datenschützern immer wieder von Datenschützern kritisierten aktuellen Modelle. Immerhin kann Astro etwa im „Sentry“-Modus automatisch durch das Haus patrouillieren und mit beständig aktivierten Mikrofonen, Kameras samt Periskop-Funktion und Sensoren nach verdächtigen Ereignissen suchen. Kommt er auf seinen Kontrollrunden an nicht erkannten Personen vorbei, verfolgt er diese, nimmt ihre Aktivitäten mit Kamera und Mikrofon auf und speichert sie in der Cloud. Ein optimales Gerät also, um die eigene Familie zu überwachen und Amazon dabei noch wertvolle Informationen zur gesamten Hausgemeinschaft zu liefern – natürlich nur zur Verbesserung seiner Services. Das macht selbst die damit befassten Entwickler skeptisch, wie geleakte Dokumente und Stimmen von mit der Entwicklung des Roboters involvierten Insidern gegenüber Vice zeigen. „Meiner Meinung nach ist es ein Alptraum für die Privatsphäre, ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft und dafür, wie wir mit Geräten wie Vesta [interner Codename des Astro] unsere Privatsphäre gegen Bequemlichkeit eintauschen“, erklärt einer von ihnen ganz unverhohlen.

Hinzu kommt außerdem noch die Sorge vor externem Missbrauch, indem sich etwa Hacker Zugang zu den Daten verschaffen oder gar die Geräte übernehmen. Damit könnten sie einen tiefen Einblick in die privateste Zone ihrer Opfer werfen und das für Spionage, Erpressung oder sonstige kriminelle Aktivitäten nutzen. Immerhin war ähnliches bereits bei den Ring-Sicherheitskameras geschehen, über die sich neben Hackern auch Amazon-Mitarbeiter virtuellen Zutritt zu Privaträumen verschafft hatten. Darüber hinaus könnten sich auch Strafverfolgungsbehörden Zugang zu den Geräten und den von ihnen aufgezeichneten Daten verschaffen, wie bei Ring ebenfalls schon geschehen. Auch diese Sorgen werden durch die Insider-Berichte weiter verstärkt. Ihnen zufolge ist Astro „ein Desaster, das noch nicht reif für die Veröffentlichung ist“. Dass der Roboter demzufolge nicht einmal die Familienmitglieder zuverlässig erkennt und deshalb auch sie gerne mal als vermeintliche Einbrecher verfolgt und ausspioniert, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei.

Die wird dafür, zumindest im Fall Astro, von weiteren Erkenntnissen der bei Vice zitierten Entwickler geliefert. Mehrere Stimmen berichten, dass die Prototypen einen Hang zur Selbstzerstörung hatten und sich beispielsweise die Ausfahrmechanik der Kamera immer wieder verklemmte. Für Amazon hat das den praktischen Nebennutzen, dass eine Rücksendung nahezu unmöglich wird. Und während ihr Arbeitgeber noch darauf verweist, wie komplex die Navigationsberechnungen des Blechgesellen seien, damit Astro beispielsweise keine Treppen herunterfalle, berichten mehrere der Entwickler, dass genau das regelmäßige passiere. Ihren Ausführungen zufolge stürzen sich die Testgeräte regelmäßig in die Tiefe. Im Sinne des Datenschutzes kann man somit nur hoffen, dass bei der Bruchlandung dann auch gleich die Speicherchips zerstört werden, oder sich der Roboter in seiner - offensichtlich durch die verstörenden Einblicke in die Tiefen des alltäglichen Familienlebens ausgelösten - Depression (Marvin lässt grüßen) gleich final in den Pool stürzt. Domo Arigato, Mr Roboto.

Zuerst erschienen auf ict-channel.com.

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