Nachhaltigkeit

Schalter und Steckdosen aus Ozeanplastik

16. August 2022, 10:30 Uhr | Sabine Narloch
Nachhaltigkeit Ozeanplastik Steckdosen
© whitcomberd-123rf

Schneider Electric präsentiert neue Schalter und Steckdosen. Das Besondere daran: Sie sind aus wiederverwerteten Fischernetzen hergestellt.

Im Meer zurückgelassene Fischernetze sind ein großes Thema, wenn es um Plastikmüll in den Weltmeeren geht. Im Rahmen des Projekts „Geisternetze Ostfriesland“ bargen Anfang Mai TaucherInnen von Ghost Diving Germany allein an einem Tag etwa 50 Kilogramm herrenlose Netze. Laut einer Greenpeace-Studie von November 2019 ist davon auszugehen, dass jährlich 640.000 Tonnen an Fischerausrüstung in den Ozeanen landen.

Doch so wie es aussieht, lässt sich auch dieser Plastikmüll durchaus in eine Kreislaufwirtschaft überführen. So ist mit den neuen „Ocean Plastic“-Modellen von Merten by Schneider Electric eine Produktreihe entstanden, für deren Herstellung Meeresplastik beziehungsweise Fischernetze verwendet werden. „Um ein konsistent hochwertiges Produkt herzustellen, muss der ursprüngliche Werkstoff hohe Anforderungen erfüllen und vor allem homogen sein“, erläutert Gerold Göldner, Head of Marketing Sustainability bei Schneider Electric.

Polyamid als homogene Basis

„Im Meer finden sich – leider – Plastikabfälle aller Arten“, so Göldner weiter. Deshalb können man nicht einfach jeden Müll sammeln, zermahlen und daraus Steckdosen herstellen. „Die herrenlosen Fischernetze, so genannte Geisternetze, bestehen ausschließlich aus Polyamid; das ist eine homogene Basis, mit der man arbeiten kann.“ Das Herstellungsprinzip ähnelt grundsätzlich erstmal dem  von herkömmlichen Steckdosen und Schaltern, für deren Abdeckungen ein Kunststoffgranulat in Form gepresst wird. Laut Göldner könne das eben auch recyceltes Ozeanplastik sein. Farblich weist der im wahrsten Sinne des Wortes aus der Natur gefischte Ausgangsstoff jedoch durchaus Unterschiede auf. So sind die Fischernetze meist in blauer oder grüner Farbe. Zudem verfärben sich die Netze nach einer gewissen Zeit im Wasser. Damit am Ende trotzdem ein homogenes Produkt entsteht, wird das Granulat einheitlich gefärbt. „Aufgrund der ursprünglichen Werkstoffe kann es zu kleinen Unterschieden in der Farbe kommen. Jedoch werden alle Produkte der Serie mit einem mattschwarzen Lacküberzug versehen, sodass der Kunde in jedem Fall ein einheitliches Erscheinungsbild bekommt“, erklärt Göldner. Funktional seien die Produkte der Ozeanplastik-Serie identisch mit anderen Produkten von Merten. So sei die Serie VDE-zertifiziert und erfülle somit die generellen Standards der Branche. Dabei werde ohnehin keine Rücksicht genommen, aus welchem Material die Produkte seien.

Anbieterkompass Anbieter zum Thema

zum Anbieterkompass
Nachhaltigkeit Ozeanplastik Steckdosen
Die Serie „Merten Ocean Plastic“ besteht zu 50 Prozent aus recycelten Fischernetzen und ist VDE-zertifiziert.
© Schneider Electric

„Die Prüfwerte sind physikalische Werte, die der Hersteller gewährleisten muss – etwa Schlagfestigkeit, Alterungsbeständigkeit, UV-Prüfung, Spannungsfestigkeit oder Kurzschlusssicherheit“, erklärt er weiter. Gelauncht werden soll die Serie in Deutschland und Österreich zur Light + Building, die Anfang Oktober stattfinden wird. Eine mögliche Zielgruppe für die Ozeanplastik-Serie sind laut Schneider Electric Eigenheimbesitzer mit Nachhaltigkeitsanspruch.

Der Weg vom Fischernetz zu Schalter und Steckdose

Gerold Göldner, Head of Marketing Sustainability bei Schneider Electric, erläutert:

„Es gab bereits Vorläufer bei der norwegischen Schneider Electric-Tochter Elko, aber die Entwicklung der Ocean Plastic Schalter und Steckdosen für die deutsche und österreichische Elektroinstallation begann vor etwa einem Jahr. Das Ausgangsmaterial ist Akulon RePurposed, ein Polyamid-Granulat, das wir von einem niederländischen Unternehmen beziehen. Der darin verwendete Kunststoff besteht zu 50 Prozent aus recycelten Geisternetzen, die lokale Partner in Indien aus dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean bergen, und zu 50 Prozent aus industriellem Kunststoffabfall wie Polyamid, PA6. Diese Kombination ist nötig für eine stabile, gleichbleibende Materialqualität. In der Produktion wird der Rohstoff zur Verstärkung noch mit Glasfaser angereichert.

Auf den vorhandenen Fertigungswerkzeugen konnte Polyamid nicht verarbeitet werden, weswegen wir neue Fertigungswerkzeuge entworfen und gebaut haben. Aufgrund dieses Aufwandes bestehen von den 41 Artikeln der Serie die elf am häufigsten verwendeten Teile aus Ocean Plastic. Das sind zum Beispiel die Steckdose und die Variante mit erhöhtem Berührungsschutz/Shutter, die Wippe normal oder beleuchtet, die Serienwippe oder der Einfach-, Zweifach- und Dreifachrahmen. Damit können über drei Viertel der Elektroinstallationen im Eigenheim abgedeckt werden. Die restlichen Produkte stellen wir aus industriellen Kunststoffabfällen aus Polycarbonat her. Weil dieses Granulat auf den Standardmaschinen laufen kann, waren dafür keine neuen Werkzeuge nötig, sodass auch für den Rest des Sortiments die Umsetzung wirtschaftlich machbar war.“

 


Verwandte Artikel

Schneider Electric GmbH, Schneider Electric GmbH