Schwerpunkte

Start-up Pionize

In fünf Minuten zum smarten Heim

08. September 2021, 09:14 Uhr   |  Diana Künstler

In fünf Minuten zum smarten Heim
© SHP/jozefmicic/123rf

Das Motto von Pionize lautet „Smart Home simplified“.

Wer sein Zuhause smarter gestalten möchte, der wird schnell feststellen: Die Recherche für das passende System kostet Zeit und Nerven. Die Plattform des Passauer Start-ups Pionize soll hier Abhilfe schaffen und neben dem Finden und Kaufen der passenden Komponenten auch deren Steuerung ermöglichen.

Rund acht Stunden dauert es im Schnitt, bis Nutzer ihr individuelles Smart-Home-System recherchiert haben. Das ist eine Erkenntnis der zahlreichen marktbegleitenden Interviews mit potenziellen Kunden, die das Start-up Pionize regelmäßig durchführt. Eine weitere: Da jeder Hersteller für seine eigenen Geräte beziehungsweise Marken eine eigene App mit eigenen Kommunikationsstandards aufsetzt, läuft der Nutzer am Ende Gefahr, sein smartes Zuhause mit rund 15 verschiedenen Anwendungen auf dem Handy steuern zu müssen. Und mitunter sind die Geräte nicht einmal interoperabel. Die Lösung der vier Passauer Studenten trifft daher genau diese „Pain Points“ jedes Smart-Home-Willigen oder jener, die es werden wollen. Denn mit ihrer Hilfe soll man in der Lage sein, innerhalb weniger Minuten und mit minimalem Aufwand sein individuelles Smart-Home-System aus einer Hand zusammenstellen zu können. 

3 in 1: Finden, kaufen, steuern

Pionize Plattform
© Pionize

Nachdem man fünf Fragen beantwortet hat, schlägt die Pionize-Plattform ein an die Bedürfnisse angepasstes Smart-Home-System vor. Zudem lässt sich das so konfigurierte smarte Zuhause auch herstellerunabhängig über die Pionize Web-App steuern.

Für den Nutzer läuft das Ganze getreu dem Start-up-Motto „Smart Home simplified“ in drei einfachen Schritten ab. Benötigt wird lediglich die Pionize-App, die für iOS und Android zur Verfügung steht. „Schritt 1 ist ein interaktiver Konfigurator, den wir gerade entwickeln“, erklärt Alexander Lerach, zuständig für das Produktmanagement und UI/UX Design bei Pionize. „Das Schöne an diesem Konfigurator ist, dass er auf Einfachheit getrimmt ist. Er ist vollkommen automatisiert, sodass es keinen teuren Smart-Home-Berater, kein Fachwissen mehr braucht. Und alles ist auf ein verständliches Niveau für den Nutzer heruntergebrochen.“ Anhand fünf kurzer Fragen empfiehlt der Konfigurator innerhalb von ein paar Minuten ein auf den Kunden zugeschnittenes Smart-Home-System, das herstellerunabhängig und damit auch nicht an eine Marke gebunden ist. „Wir picken im Prinzip mit unserer Algorithmus-Software die besten Produkte von vielen Herstellern heraus. Also die beste Sicherheitsüberwachungskamera oder das beste Thermostat – und alles zusammen in einem System, das auf den Kunden als Person, auf seine Wohnung, auf sein Budget und auf sein Sicherheitsverständnis abgestimmt ist“, führt Maximilian Hauke, zuständig für Marketing, Vertrieb und PR bei Pionize, weiter aus.

Pionize Team
© Pionize

Die „vier Passauer Jungs“ von Pionize (v.l.n.r.): Maximilian Hauke (Marketing, Vertrieb & PR), Mirabror Mirzokhidov (Backend-Entwicklung), Alexander Lerach (Produktmanagement, UI/UX Design) und Tymofii Melnyk (Frontend-Entwicklung).

Im zweiten Schritt erfolgt der Kauf der Produkte, wobei sich Pionize in der Rolle des Ratgebers und Vermittlers sieht: „Wir verkaufen die Produkte nicht selbst. Wir empfehlen sie nur. Und unsere Nutzer können die Produkte dann bei einem unserer Partner, darunter zum Beispiel Conrad Electronics, bestellen“, so Lerach. Der letzte und dritte Schritt umfasst schließlich die Steuerung mittels der Smart-Control-Funktion der App. Das gekaufte System soll sich über diese herstellerunabhängig verwalten und steuern lassen. Für Kunden des Start-ups ist angedacht, dass diese Steuerungsmöglichkeit zunächst zeitlich begrenzt kostenfrei zur Verfügung steht. Zahlende Nutzer können darüber hinaus – je nach Bedarf – Erweiterungen und Features individuell zuschalten, wie zum Beispiel ein Energie-Tracking.

Was die monatlichen Beitragskosten für die Pionize-Lösung generell angeht, gibt es noch keine konkreten Zahlen. Hier befinden sich die Jungunternehmer derzeit in der Eruierungsphase. „Wir sind gerade noch an einer Marktstudie mit der Uni Passau dran, um den perfekten Mindestbetrag zu finden“, verrät Maximilian Hauke. „Das Ganze soll gegen einen kleinen monatlichen Betrag erfolgen, welcher an die Anzahl der zu steuernden Geräte geknüpft sein wird. Also je größer das Smart Home wird, desto mehr kostet es auch.“ Orientieren wolle man sich an einem Grundbetrag unter fünf Euro.

Start-up und Studium
Pionize ist ein Smart-Home-Start-up, das 2019 von zwei Informatik- und zwei BWL-Studenten der Uni Passau gegründet worden ist. Die „vier Passauer Jungs“, wie sie sich gerne bezeichnen, studieren also noch parallel zum Start-up-Geschäft. Das bedeutet auch Abstriche im Privatleben: „Während andere feiern, sind wir im Büro“, sagt Maximilian Hauke, zuständig für Marketing, Vertrieb und PR bei Pionize. „Wenn die Uni vorbei ist, gehe ich abends ins Büro und schreibe zum Teil bis spät in die Nacht an Pionize. Das ist sehr stressig; wie ein Fulltime-Job.“ Doch rückblickend bereue er nichts, „denn die Erfahrung, die wir gemacht haben, die Leute, die wir kennengelernt haben – die haben das alles wettgemacht“.  Auf der anderen Seite musste man sich vieles – mitunter hart – erarbeiten. Denn als Studenten „hatten wir auch keine praktische Arbeitserfahrung in unseren Bereichen“, gibt Alexander Lerach zu bedenken. Er betreut das Produktmanagement und das UI/UX Design. Die habe sich über die letzten zwei Jahre nach und nach ergeben, indem man verschiedene Kurse belegt hat. Als vorteilig hat sich dabei auch die Nähe zur Universität Passau herausgestellt. Zahlreiche marktbegleitende Interviews mit potenziellen Zielgruppen des Start-ups wurden auf diese Weise bereits realisiert und auch regelmäßig fortgeführt, um die Lösung noch besser an den sich ständig ändernden Bedürfnissen der Nutzer ausrichten zu können. „Wir kennen fast jeden Professor auf dem Campus persönlich“, sagt Maximilian Hauke, „und die helfen uns bereitwillig“. Zudem ist Pionize derzeit im Gründerzentrum Passau „Inn.kubator“ vertreten. „Das heißt, wir profitieren hier auch von einem kompletten Netzwerk innerhalb der niederbayerischen Wirtschaft und können jederzeit Anfragen senden.“ Einmal im Monat gibt es zudem ein Mentoren-gespräch mit einem professionellen Berater. Hauke: „Darüber hinaus sind wir mit anderen Start-ups, aber auch anderen Gründern – wie zum Beispiel Max Wittrock von „Mymuesli“ – vernetzt.“ Letzterer hatte die Gründer von Pionize im Rahmen eines Wochenendkurses im Übrigen erst auf die Idee gebracht, ein Start-up auf den Weg zu bringen. „Die Idee ist nicht eben so gekommen. Das ist eigentlich ein sehr langer Prozess gewesen“, erinnert sich Maximilian Hauke. „Wir haben – bevor wir mit Pionize angefangen haben – einen Onlineshop für Energiesparprodukte betrieben. Smart Home hatten wir da noch gar nicht auf dem Schirm.“ Das habe sich mit der Zeit geändert, als man erkannte, dass Smart-Home-Produkte zum Energiesparen ebenfalls von Relevanz sind – bei gleichzeitigem Komfortgewinn. „Und als wir uns in das Thema reingearbeitet haben, ist uns erst einmal aufgefallen, wie unglaublich kompliziert alles ist. Wir waren da selbst heillos überfordert, was uns schließlich zu der Frage geführt hat: Wie kann man das vereinfachen?“ Die Antwort: ein Smart-Home-Berater. Aber da sich den eben nicht jeder leisten könne, musste eine Alternative her. „Und so kamen wir auf die Idee und das war der Ursprungsgedanke: Wir wollen den Smart-Home-Berater digitalisieren und jedem zugänglich machen.“

 

Seite 1 von 3

1. In fünf Minuten zum smarten Heim
2. Hersteller-unabhängig, benutzerfreundlich, sicher
3. Roadmap und Finanzierung

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Smarthouse Pro