Interview mit Gigaset

Home ­Security gesamtheitlich gedacht

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Je nach Anwenderszenarium werden an Smart-Home-Systemen unterschiedliche Anforderungen an ihre Sicherheit gestellt. Neben übergreifenden Maßgaben erfordert ihr Einsatz Sicherheitsbewusstsein bei Herstellern und auch Anwendern. Smarthouse Pro im Gespräch mit Gigaset.

Smarthouse Pro: Was macht aus Ihrer Sicht grundsätzlich ein sicheres Alarmsystem im Smart-Home-Bereich aus?
Dörr: Es sollte nicht zu verspielt sein und eindeutige Use Cases beschreiben. Sprich, der Kunde weiss ganz genau, was er damit machen kann und möchte und sieht dieses Szenario entsprechend bedient. Meiner Meinung nach fehlt das in vielen Bereichen. Wir glauben auch, dass die Sicherung des Smart Homes, also der Security-Aspekt, der erste Schritt ist und der Zugang zu einer Wohnung, einem Objekt oder einem Haus kontrolliert und geschützt sein muss. Menschen neigen dazu, in ein modernes smartes Home sehr viele Gadgets hineinzutragen, die in einem Einbruchsfall aber natürlich auch sehr komfortabel wieder herausgetragen werden könnten. Egal, ob man über Smart Speaker spricht oder irgendwelche smarten Saugroboter. Diese sehr teuren Objekte sind ein Traum für potenzielle Einbrecher, weil sie als Rucksackware wunderbar in der Landschaft herumstehen. Deswegen beginnt Sicherheit mit der äußeren Hülle, also mit der Umrahmung und dem Schutz des Hauses an sich.

Smarthouse Pro: Viele Anwender legen nicht das nötige Sicherheitsbewusstsein an den Tag, wenn sie Smart-Home-Systeme installieren. Wie kann der Anbieter entgegenwirken?
Dörr: Es gibt viele Anwendungen, bei denen Menschen aus dem Komfortgedanken heraus sehr schnell bereit sind, Sicherheit über Bord zu werfen. Smart bedeutet für mich mehrwertstiftend. Also, wo unterstützt und erleichtert es mir wirklich den Alltag und hilft mir? Wir nehmen Kunden an die Hand und machen aktiv Aufklärungsarbeit. Das fängt bei Themen an, wie einem besonders sicheren Passwort oder einer einfachen Benutzeroberfläche und nicht mit zu vielen Einstellungsmöglichkeiten. Auf der komplexeren Ebene der Struktur und Architektur der Software glauben wir an die Trennung zwischen Hardware und Software. Wir haben uns für einen cloudbasierten Ansatz entschieden. Die Sensoren beherbergen keine komplexen Daten, speichern keine Daten und sind damit auch kein Ziel für mögliche Angriffe, die quasi über die Hardware gekackt werden könnten. Die Intelligenz des Systems, also Anwendungen bzw. Ereignisse im Zuhause und das Datenmanagement werden in der Cloud in getrennten Protokollen verarbeitet. Die Server stehen übrigens auch in Deutschland und unterliegen damit höchsten Sicherheitsstandards auch mit Blick auf die Datenschutzverordnung. Damit ist ein ganz anderes Sicherheitslevel gegeben.

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Ungeschützte Smart-Home-Geräte können laut Raphael Dörr, SVP Corporate Communications & Investor Relations bei Gigaset, im Einbruchsfall eine komfortable Rucksackware darstellen.
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Smarthouse Pro: Welche Sicherheit bieten verbreitete Funkprotokolle im Vergleich zum DECT-Standard?
Dörr: Es ist immer ein Rüsten und Wettrüsten. Der DECT-Standard ist eine Funkschnittstelle, die benutzt wird, um weltweit alle Schnurlostelefone miteinander zu verbinden und in erster Linie Sprachpakete transportiert. Er ist extrem hackbeständig und gleichzeitig extrem stabil. Diese Schnittstelle arbeitet in einem eigenen dezidierten Frequenzband, das relativ niedertourig unterwegs ist. Es verschickt also relativ große Datenblöcke, die auch schwer zu decodieren wären, weil Sprache an sich ein größeres Trägermedium ist. Anders ist das bei vielen WLAN-Funksignalen, die extrem überfüllt sind, oder modernen Funktechnologien wie Bluetooth, Zigbee oder NFC, die aufgrund ihrer Popularität und Verbreitung auf eine schnelle und einfache Kopplung ausgelegt sind und ein ganz anderes Interesse wecken gehackt zu werden. Je mehr man mit möglichst Vielem kompatibel sein möchte, desto mehr muss man sich auf eine einfache, weniger komplexe Sprache einschießen. Dadurch wird auch der Code reduziert und macht sich dann wieder anfällig für potenzielle Angriffe. Jeder, der sich ein bisschen mit Technik auskennt, weiß wie anfällig diese Schnittstellen für potenzielle Hack- oder Scrambler-Angriffe sind. Der DECT-Standard ist immer ein bisschen unter dem Radar unterwegs. Ich vermute einfach psychologisch gesehen, weil er gefühlt schon „alt“ ist und deswegen keinen groß interessiert. In Wirklichkeit ist er aber top aktuell, da er energiesparend ist und mit DECT-ULE in den letzten zwanzig Jahren immer weiterentwickelt wurde. Das gibt auch die Möglichkeit über große Distanzen, ohne zusätzliche Bridges, ohne Verlängerungen, ohne einen Abriss der Signale, mit einer proprietären Funktechnologie im Haus aktiv zu sein.


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