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Smart-Home-Sicherheit

Heimnetzwerke im Visier

07. Mai 2021, 07:30 Uhr   |  Autor: Nick Viney / Redaktion: Diana Künstler

Heimnetzwerke im Visier
© foodandmore - 123RF

Von der Sicherheitskamera, über intelligente Türklingeln bis hin zum Thermostat kann heute so ziemlich alles im Smart Home vernetzt werden, um für mehr Sicherheit in den eigenen vier Wänden zu sorgen. Aber was, wenn genau das Gegenteil passiert?

Man stelle sich, man kommt nach Hause und die Heizung ist voll aufgedreht, die kabellosen Lautsprecher spielen laute Musik und jemand spricht durch ihre Überwachungskamera. Dann wird schnell klar: Ein Hacker hat sich Zugang zu den angeschlossenen Geräten in ihrem Haus verschafft. Solche Vorfälle werden in Zukunft immer häufiger vorkommen. Der technologische Fortschritt verändert auch die deutschen Haushalte. Laut einer Bitkom-Studie zum Thema Smart Home 2020 nutzen bereits 37 Prozent der Deutschen Smart-Home-Anwendungen in ihrem Haushalt. Da immer mehr Menschen aufgrund der Coronavirus-Pandemie auch von zu Hause arbeiten, werden über Haushaltsnetzwerke mehr sensible Daten übertragen als je zuvor: sei es beim Heimunterricht über Videokonferenzanwendungen oder bei der Nutzung von kollaborativen Arbeitstools wie Trello.

Diese intensive Nutzung bietet mehr Möglichkeiten für Cyberkriminelle, die Heimnetzwerke als einfache Ziele ins Visier zu nehmen. Sie versuchen, die Schwachstellen in Smart-Home-Geräten oder die durch Covid-19 verursachte Verunsicherung der Menschen auszunutzen. Viele Sicherheitsvorfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen, wenn Benutzer auf bösartige Links geklickt oder gefährliche Software installiert haben, weil sie dachten, sie seien sicher. Haushalte müssen daher Maßnahmen ergreifen, um ihre Sicherheit zu verbessern. Sie können zum Beispiel ihre Anmeldeauthentifizierung verstärken, sichere Leitungen zu Arbeitsservern einführen oder ihr Heimnetzwerk segmentieren, um Angriffe einzudämmen und zu verhindern.

Leider wurden viele Deutsche bereits Ziel solcher Machenschaften. Daher sorgen sich laut Bitkom 62 Prozent der Befragten, bei der Nutzung von Smart-Home-Anwendungen, um die Sicherheit und den Schutz ihrer Daten. Aus diesem Grund zählen die Angst vor Hacker-Angriffen und Missbrauch der persönlichen Daten, neben dem Preis und der komplizierten Bedienung, zu den häufigsten Gründen, warum die Befragten bisher keine Smart-Home-Anwendungen nutzen.  

Passwörter, SSID, 2-Faktor-Authentifizierung: Schon einfache Maßnahmen fruchten

Doch es gibt Entwarnung, denn einige einfache Schritte helfen schon, um die Sicherheit eines Smart Home zu verbessern. Eine der schnellsten Möglichkeiten, um sicherer zu bleiben, ist der sorgfältige Umgang mit Benutzernamen und Passwörtern. Das mag leicht sein, wenn es um Laptops und Smartphones geht, aber bei Smart-Home-Geräten wissen viele nicht, dass die Standard-Anmeldedaten geändert werden müssen. Geschieht dies nicht, haben Hacker leichtes Spiel. Die meisten böswilligen Akteure können ein Standardpasswort erraten, was es ihnen ermöglicht, in ein Netzwerk einzudringen und ein Smart-Home-Gerät mit einem Botnet – einer Sammlung von mit dem Internet verbundenen Geräten, die von Cyberkriminellen kontrolliert werden – zu verbinden. Untersuchungen über die Anfälligkeit von Smart-Home-Geräten sind besorgniserregend. Von den 16 Smart-Home-Geräten, die in einem kürzlich durchgeführten Test in Geschäften gekauft wurden, konnten die Passwörter von 14 Geräten innerhalb einer halben Stunde geknackt und mit einem Botnetz verbunden werden, wie eine Studie des Implementation Security and Side-Channel Attacks Lab ergab.

Ein ähnlicher Ansatz für Benutzernamen und Kennwörter sollte für Heim-WLAN-Netzwerke gewählt werden. Auch diese sind ohne Änderung der ursprünglichen Einstellungen anfällig für Angriffe. Die meisten Router werden mit einem Standardnamen ausgeliefert. Dieser ist, wenn er nicht geändert wird, für Hacker ein Hinweis darauf, dass jemand mit der Sicherheit nachlässig ist. Durch Ändern des Service Set Identifier (SSID) und die Verwendung eines langen, komplexen Passworts wird die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verringert. Es ist eine schnelle Anpassung, die aber verhindern kann, dass ein Haushalt in einen großflächigen Angriff verwickelt wird. Im Jahr 2018 wurden rund eine halbe Million Router in 50 Ländern mit Schadsoftware infiziert, die sensible Daten ausspionierte und einige Router außer Betrieb setzte. Wo es möglich ist, sollte auch die Gerätesicherheit verstärkt werden, indem eine zweistufige Verifizierung verwendet wird. Bei diesem Verfahren sind zwei Authentifizierungsmethoden erforderlich, um Zugang zu einem Gerät zu erhalten.

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1. Heimnetzwerke im Visier
2. Das Netzwerk sichern

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