Sicherheit von Smart-Home-Geräten

Hacker im Eigenheim

29. März 2022, 6:49 Uhr | Autorin: Christine Schönig / Redaktion: Diana Künstler
Igor Stevanovic, 123rf, hacker
© Igor Stevanovic / 123rf

IoT-Geräte stellen eine große Angriffsfläche für Hacker dar. Auch private Smart-Home-Geräte können für deren Benutzer gefährlich werden. Jedes Gerät im Netz stellt eine Gefahr dar. Christine Schönig von Check Point Software gibt Ratschläge, wie die Devices besser geschützt werden können.

In der zunehmend vernetzten Welt ist es schwierig, ein Haus zu finden, in dem es keine intelligenten Geräte gibt. Allein in Deutschland nutzten im Jahr 2020 bereits 3,3 Millionen Menschen smarte Haushaltsgeräte1 – Tendenz steigend. Intelligente Heizungsthermostate, Lautsprecher, Türklingeln, Kameras oder Rauchmelder sind Mode, besonders unter den technikaffinen Mietern und Eigentümern, die das Smart Home für sich entdeckt haben.
Doch während diese Geräte den Verbrauchern viel Komfort bieten, vervielfachen sie gleichzeitig die Anzahl der Zugangspunkte, die Hacker nutzen können, um private und persönliche Daten zu stehlen. Eine Untersuchung von Which2 hat ergeben, dass Haushalte mit intelligenten Geräten im Durchschnitt innerhalb einer einzigen Woche 12.000 Hacker-Angriffen oder unbekannten Scanning-Angriffen aus der ganzen Welt ausgesetzt sind, was das Ausmaß des Problems verdeutlicht. Man braucht nur die Nachrichten einzuschalten, um Horrorgeschichten von intelligenten Geräten zu hören, die private Gespräche abhören, bis hin zu Hackern, die Kamera-Geräte benutzen, um sich Zugang zu Live-Videos aus unseren Häusern zu verschaffen. Als ob das nicht genug wäre, können diese Eindringlinge noch einen Schritt weiter gehen und das Homeoffice nutzen, um auf unsere oft ungeschützten Arbeitsgeräte überzuspringen, die mit demselben gefährdeten WLAN verbunden sind, und sich Zugang zum Unternehmensnetzwerk verschaffen. Indem sie unsere Smart-Home-Geräte als Einfallstor nutzen, können diese Eindringlinge ein Chaos hinterlassen, das nicht nur die persönliche Privatsphäre beeinträchtigt, sondern auch zu einer möglichen unternehmensweiten Datenverletzung führen kann.

Tipps für die Sicherheit der Smart-Home-Geräte

  1. Software aktualisieren: Um das Zuhause und seine Daten zu schützen, müssen NutzerInnen immer am Ball bleiben und ihre Geräte bei Bedarf aktualisieren. Denn die Art und Weise, wie Angreifer versuchen, Geräte anzugreifen, ändert sich ständig. Daher ist es wichtig, die neueste Form des Schutzes gegen diese Bedrohungen zu besitzen.
  2. Eigenständiges WLAN-Netzwerk für Geräte einrichten: Die meisten Router ermöglichen es, ein separates Netzwerk für die Smart-Home-Geräte einzurichten, wodurch Hacker beim Versuch, auf die Geräte zuzugreifen, mehr Hindernisse überwinden müssen. NutzerInnen können auch eine Gasteinstellung für ihr WLAN einrichten, die Freunden und Familienangehörigen den Internet-Zugang ermöglicht, ohne das zusätzliche Risiko, die Anmeldedaten für das primäre Netzwerk aufschreiben oder virtuell weitergeben zu müssen.
  3. Passwörter verbessern: NutzerInnen sollten bei der Erstellung sicherer Passwörter für ihre Geräte darauf achten, dass sie zufällig sind und nicht auf die Person zugeschnitten werden, der das Gerät gehört. Der Grund dafür ist, dass diese Informationen für Hacker sehr leicht zugänglich sind und keinen optimalen Schutz für Ihr Zuhause bieten. Wer der Meinung ist, dass es schwieriger ist, sich komplexe Passwörter zu merken, sollte einen Passwortmanager verwenden, um seine Geräte zu schützen.
  4. Doppelte Authentifizierung: Durch die Einrichtung einer zusätzlichen Form der Authentifizierung, der so genannten Zwei-Faktor-Authentifizierung, können Hacker vom Zugriff auf Geräte abgehalten werden. Dies mag für den Verbraucher zwar eine kleine Unannehmlichkeit darstellen, ist aber nichts im Vergleich zu dem Aufruhr, den ein Hacker verursachen kann, sobald er Zugang zu den Smart-Home-Geräten erlangt hat.
  5. Verschlüsselung: Wer sicherstellen möchte, dass sein Router die höchste Verschlüsselungsstufe verwendet, kann seine Daten vor unerwünschten Bedrohungen schützen. Vergessen werden sollten auch nicht die internen WLAN-Extender oder Powerline-Heimnetzwerke, die ebenfalls über eine Einstellung verfügen, die eine Verschlüsselung im Heimnetzwerk erlaubt. Dies wiederum bietet nicht nur dem Router, sondern auch den intelligenten Geräten zusätzlichen Schutz.
  6. Standardpasswort für den Router ändern: Die meisten Router besitzen bei der Erst-Installation ein einfaches Standardpasswort, das von Hackern leicht zu erraten ist. Es gibt im Internet sogar Listen mit den gängigsten Passwörtern, also sollten NutzerInnen auf Nummer sicher gehen und ändern Sie diese so schnell wie möglich.
  7. Arbeitsgeräte schützen: Da immer mehr von uns von zu Hause arbeiten, ist es wichtig, dass die Arbeitsgeräte mindestens genauso geschützt sind wie die privaten Geräte, wenn NutzerInnen auf das heimische WLAN angewiesen sind. Man kann dies erreichen, indem man sicherstellt, dass die Geräte mit der neuesten Anti-Malware-Technologie ausgestattet sind. Indem man diese sicher hält, lässt sich die Bedrohung für die intelligenten Geräte verringern.
Christine Schönig, Check Point Software
Die Autorin, Christine Schönig, ist Regional Director Security Engineering CER, Office of the CTO bei Check Point Software Technologies.
© Check Point Software Technologies


Als Verbraucher sind wir uns der Vorsichtsmaßnahmen bewusst, die wir ergreifen müssen, um Einbrecher davon abzuhalten, in unsere Häuser einzudringen und unser Hab und Gut zu stehlen. Oftmals übersehen wir jedoch die versteckten Gefahren, die von unseren Smart-Home-Geräten ausgehen, die es böswilligen Hackern mit finsteren Absichten ermöglichen, unsere privatesten Gespräche in unseren eigenen vier Wänden zu beobachten und zu belauschen. Mit jedem Jahr, das vergeht, sehen daher unsere Sicherheitsforscher einen konstanten Trend, dass Hacker immer aggressiver werden. Infolgedessen ist jedes Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, eine große Gefahr für Privatsphäre und Unternehmen. Alle Besitzer dieser Geräte sollten zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um die Daten zu schützen, denn es braucht nur ein einziges übersehenes Gerät, damit ein Hacker unermesslichen Schaden anrichten kann.

1 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2021/PD21_27_p002.html
2 https://www.which.co.uk/news/2021/07/how-the-smart-home-could-be-at-risk-from-hackers/


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