Pflegegerechte Bäder

„Flaschenhals des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems“

Pflegegerechtes Bad Ambient Assisted Living AAL
© Dagmar Lautsch-Wunderlich

Das Thema pflegegerechtes Bad steckt noch in den Kinderschuhen; doch aufgrund der stetig alternden Gesellschaft wird es an Bedeutung gewinnen. In diesem Zuge rücken auch smarte Lösungen in den Fokus. Allerdings ist auch hier noch viel Luft nach oben, wie eine aktuelle Studie feststellt.

Die Zahl der pflegebedürftigen Personen nimmt in Deutschland im Zuge des demografischen Wandels zu: Lag die Zahl laut Statistischem Bundesamt im Dezember 1999 noch bei 2,02 Millionen, hatte sie sich bis Dezember 2019 mit 4,13 Millionen mehr als verdoppelt. Und 80 Prozent der Personen werden in häuslicher Umgebung versorgt. Während in den meisten Räumen einer Wohnung ausreichend Platz ist für ein bis zwei Pflegebedürftige, sieht die Angelegenheit im Bad schon anders aus: „Das häusliche Badezimmer ist der Flaschenhals des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems“, so das Fazit von Sibylle Meyer vom Institut für Sozial- und Technikforschung (SIBIS). Meyer war neben Partnern wir dem Zentralverband Sanitär Heizung Klime (ZVSHK) an der Erstellung der Studie „Optimierung der Ausführung und Finanzierung von pflegegerechten Bädern“ beteiligt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der virtuell durchgeführten Messe „Altenpflege 2021“ im Juli vorgestellt.

Die Initiatoren haben dabei untersuchen lassen, welche Mindestanforderungen besonders für Kleinstbäder unter fünf Quadratmetern in Schlauchform aus Sicht der Pflegenden notwendig sind. Diese Art von Badezimmer findet sich in vielen Bestandsgebäuden. Werden die in diesen Wohnungen lebenden Menschen zum Pflegefall und können beispielsweise nicht mehr ohne Rollator laufen, dann wird ein solches Schlauchbad für sie schnell unbegehbar. Laut Studienautoren wurden im Jahr 2020 wiederum rund 1,2 Millionen Bäder umgebaut. Um aber aus Badezimmern pflegegerechte Räume zu machen, steht der Platzbedarf an oberster Stelle. Und auch schwellenlose Zugänge oder Haltemöglichkeiten, beispielsweise in der Dusche, sind unabdingbar. Bislang vernachlässigte Aspekte sind laut der Studie darüber hinaus eine stabile Temperatursteuerung, eine angemessene Beleuchtung sowie eine effektive Be- und Entlüftung – also Bereiche, in denen smarte Lösungen ins Spiel kommen. Gerade einprogrammierte Szenarien können dazu beitragen, den gegebenenfalls eingeschränkten Alltag im Bad angenehmer zu machen: So kann sich beispielsweise das Bad am Morgen selbstständig aufwärmen. Geht beim Betreten wiederum automatisch das Licht an, wären gute Sichtverhältnisse gewährleistet und eventuell auf dem Boden liegende Gegenstände lassen sich leichter erkennen. Be- und Entlüftung wiederum können mit einer Feuchteautomatik ausgestattet sein. So wäre auch bei einem gegebenenfalls längeren Duschvorgang ausreichend Luftaustausch im Badezimmer gewährleistet.

Und weitere vernetzte Lösungen können auch als medizinisches Frühwarnsystem dienen: Beispiel smarte Waage. Birgid Eberhardt von der Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg (GSW) erläuterte gegenüber Smarthouse Pro den Nutzen: „Lange bewährt hat sich zum Beispiel, dass an Herzinsuffizienz Erkrankte regelmäßig auf die Waage steigen, die Werte an ein telemedizinisches Zentrum übermitteln und bei Gewichtsanstieg, der auf eine zunehmende Wassereinlagerung hindeuten kann, schnell einen Termin beim Kardiologen bekommen“.


  1. „Flaschenhals des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems“
  2. Wichtig: ausreichend Steckdosen

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