Interview mit Signify

„Es geht darum, die Torte gemeinsam zu vergrößern“


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Mehr LED & Nachhaltigkeit

Smarthouse Pro: Zum Punkt Nachhaltigkeit hatten sie die Strategie „Brighter Lives, Better World“ ins Leben gerufen, die nach dem Fünfjahresplan in diesem Jahr enden soll. Gibt es neuere Programme, die gestartet werden, oder eine Erweiterung des bestehenden Programms?
van der Horst:  Wir haben jetzt ein neues Fünfjahresprogramm mit Zielen, die wir bis 2025 erreichen wollen. Einer unserer Schwerpunkte ist tatsächlich, dass wir noch mehr Lösungen mit LED-Licht auf den Markt bringen wollen. Wir sind jetzt bei über 80 Prozent unserer Produkte, die wir anbieten und haben auch mehr als 2,5 Milliarden LED-Leuchten und -Leuchtmittel in den Markt gebracht. Es geht aber auch darum, dass wir andere Lösungen suchen, wie wir Nachhaltigkeit im Unternehmen umsetzen können. Wir haben seit dem letzten Jahr vorangetrieben, unsere Verpackungen für Konsumenten wie auch für den B2B-Bereich plastikfrei zu machen. Wir arbeiten auch an einer Leuchte, die aus zerschredderten CDs gefertigt wird und an neuen Technologien mit 3D-Druckern, mit denen wir eine LED-Leuchte in Farbe oder Aussehen gestalten können. So können wir auch die Lieferwege verkürzen. Das sind die Wege, wo wir hinmöchten, um Produkte nachhaltiger auf den Markt zu bringen und sie nachhaltig zu recyceln.

Smarthouse Pro: Auch die digitalen Bereiche wurden bei Signify wie geplant ausgebaut. Wie geht es hier in Zukunft weiter?
van der Horst: Die digitalen Bereiche werden kontinuierlich ausgebaut. Im Consumer-Bereich haben wir zum Beispiel mit unserem „Hue“-System ein super System für das Smart Home. Wir haben vor einem Jahr auch ein neues Unternehmen gekauft: die Firma „Wiz“. Damit bieten wir den Konsumenten, neben dem Zigbee-basierten „Hue“, eine WiFi-Lösung. Die WiFi-Produkte mit „Wiz“ sind eine optimale Lösung für Konsumenten, die von LED auf integriertes, steuerbares Licht umsteigen möchten. Das sind zwei unterschiedliche Systeme, die aber nicht miteinander im Wettbewerb stehen. Wir möchten Anbieter für die wichtigsten Technologien sein, von denen wir erwarten, dass sie später einen Platz im Ökosystem haben. Am Ende geht es darum, dass wir dazu beitragen, die richtige Lösung für unsere Kunden und Konsumenten anzubieten. Die Vernetzung im B2B-Bereich ist zwar auch da, aber hier geht es langsamer voran. Wir sind aber im B2C-Bereich auch viel früher mit „Hue“ gestartet. Das war am Anfang nicht einfach und wir haben sehr viele Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

Smarthouse Pro: Welche Fehler waren das zum Beispiel?
van der Horst: Im Jahr 2012 hat sich unser Produktangebot an eine sehr technisch versierte und interessierte Zielgruppe gewandt. Das ist okay, wenn man diese Marktposition beibehalten möchte. Aber nicht, wenn man das Thema vernetztes Licht, Smart Home für den Konsumenten vorantreiben möchte. Durch die Änderung im Nutzungsverhalten der Konsumenten und der Weiterentwicklung von Technologien spricht unser Produktportfolio heute eine breite Zielgruppe an. Mit jedem Schritt in diese Richtung haben wir unsere Learnings gemacht und gelernt, wobei wir Unterstützung von unseren Partnern benötigen, um nicht nur eine Lichtlösung, sondern am Ende eine Smart-Home-Lösung anzubieten. Da hat auch die Zusammenarbeit mit den großen Voice-Control-Herstellern wie Google, Amazon oder Apple einen recht großen Beitrag geleistet. Das Wichtigste, was wir gelernt haben, ist, dass wir den Konsumenten die Möglichkeit bieten müssen, Licht so zu steuern, wie sie es möchten. Ob das über Voice Control, einen normalen Wandschalter, eine App, ein Sensor oder irgendeine Intelligenz ist, die dahintersteht. Die Freiheit müssen wir den Konsumenten bieten.

Smarthouse Pro: Gibt es in Zusammenhang mit Ihrer Partnerstrategie bereits weitere Projekte und Konzepte, um die individuellen Consumer-Bedürfnisse noch stärker zu adressieren?
van der Horst: Ja. Es wird, das kann ich schon verraten, auf der IFA dieses Jahres eine sehr interessante neue Anwendung geben, die die Nutzung von Licht weiter verbessern wird. Wir arbeiten jetzt auch an tiefergehenden Integrationen. Die Frage ist, was können wir alles tun, damit es einen Mehrwert hat und die Erfahrung über den Endkonsumenten geschätzt wird. Hier arbeiten wir mit sehr vielen Software-Lösungen und Partnerprodukten zusammen. Im letzten Jahr haben wir im Bereich Entertainment und Ambiente viele Neuigkeiten auf den Markt gebracht – beide werden auch weiterhin Fokusbereiche bleiben.

Smarthouse Pro: Was könnte hingegen die größte Hürde bei der Zusammenarbeit der verschiedenen Smart-Home-Anbietern sein?
van der Horst: Die größte Hürde ist immer die technische. Um die Produkte gut miteinander kommunizieren zu lassen, kostet es viel Intelligenz, viel Arbeit und viele Checks, um zu sehen, ob alle Funktionalitäten auch wirklich miteinander übereinstimmen. Dafür gibt es auch die Zusammenarbeit der CHIP. Da sind wir als führender Lichthersteller einer von fünf Organisationen, die versuchen, die Richtung für Smart Home weiter zu beschleunigen. Dort geht es darum, wie wir einfacher miteinander zusammenarbeiten und wie die Produkte einfacher miteinander kommunizieren können. Es geht im Moment nicht darum, die Torte anders zu verteilen. Es geht darum, die Torte zu vergrößern und um die Frage wie wir eine gemeinsame Sprache sprechen können, damit wir einfacher miteinander reden können – unabhängig davon, welche Technologie dahintersteckt. Das können wir nur gemeinsam machen. Dafür brauchen wir alle Smart-Home-Anbieter.


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