Allterco

Ein Start-up im besten Entwicklungsalter

15. März 2022, 13:22 Uhr | Autorin: Diana Künstler
Allterco Shelly Relais
© Allterco Europe

Heimvernetzungslösungen nutzerzentriert für, aber auch mit der Community entwickeln: So lautet das Credo der Shelly-Produkte made in Sofia des Herstellers Allterco Europe. Mit einem Standort in Deutschland und weiteren Maßnahmen soll nun der Fußabdruck in Europa erweitert werden.

Mit einer halben Million Haushalten und Geschäftseinheiten in Deutschland, in denen Alltercos Flaggschiff-Produktlinie „Shelly“ zum Einsatz kommt, hatte der Hersteller bereits einen beachtlichen Fußabdruck im deutschen Markt, bevor er überhaupt über einen Standort hierzulande verfügte. Das Unternehmen macht bereits deutlich mehr als ein Drittel des Umsatzes im deutschsprachigen Raum. Und dieser Gewichtung will man nun Rechnung tragen: Fast fünf Jahre nach dem Börsengang in Bulgarien hat sich Allterco am 22. November 2021 an der Frankfurter Börse listen lassen und zeitgleich die Beschleunigung der Expansion in Europa angekündigt. Angetrieben durch Wolfgang Kirsch als CEO wurde zudem ein Standort in München eröffnet.

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Zum Wachstum verdammt

Wolfgang Kirsch von Allterco Europe
Wolfgang Kirsch ist CEO der neu gegründeten Allterco Europe. Allterco sei ein Start-up in der Pubertät, sagt Kirsch, das nun klare Strukturen brauche, um dem Wachstum standhalten zu können. Und die Rolle als Wachstumstreiber sei ihm auf den Leib geschneidert. Denn vor seiner Zeit bei Allterco ist Kirsch 25 Jahre lang bei MediaMarktSaturn und anschließend beratend, unter anderem für McKinsey, tätig gewesen.
© Allterco Europe

Dass gerade Kirsch die Rolle des Managers zukommt, der Alltercos Wachstum in geregelte Bahnen lenken soll, kommt nicht von ungefähr. Der Branchenkenner war zuvor 25 Jahre lang für den Elektronik-Händler MediaMarktSaturn tätig und hat in dieser Zeit einige Hochs und Tiefs miterlebt. Angefangen hatte Kirsch dort im Einkauf, bis er in die internationale Expansion gewechselt ist. Zuletzt war er dann als Chief Operating Officer tätig. „Ich bin es von der Zeit zum einen gewohnt, international zu arbeiten, zum anderen auch Organisationen in Ländern zu gründen und zu organisieren.“ Wie bewältigt man Wachstum? Wie schafft man neue Strukturen? Wie geht man damit um? Mit diesen Fragen der Umstrukturierung kenne er sich aus. Zwar ist das Smart Home-Unternehmen mit 30 Millionen Euro Umsatz vergleichsweise klein, durch die 22-Milliarden-Brille eines etablierten Retailers wie MediaMarktSaturn gesehen, „aber aus Start-up-Sicht ist das groß – auch auf lange Sicht gesehen“, ist Kirsch überzeugt. Allterco ist laut dem CEO ein Start-up, das sich gerade in der Pubertät befindet. „Allerdings auch eines, das kerngesund ist. 30 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2021, an der Börse in Sofia gelistet, seit kurzer Zeit auch in Frankfurt, eine Börsenkapitalisierung von circa 200 Millionen Euro – das sind hervorragende Eckdaten.“ Diese gute Cash-Ausgangsposition unterscheide das Unternehmen auch von vielen anderen Start-ups, die statt Umsatz nur Kosten generieren würden. Allterco hingegen laufe profitabel und solide.

„Je mehr Geld Amazon, Google und Apple für Smart Home ausgeben, um das Thema massenmarktfähig zu machen, desto besser für uns: Denn wir sind das Bindeglied dazwischen.“

Erklärtes Ziel ist es nun, von einem bulgarischen Start-up, das sehr erfolgreich in Teilen von Europa ist, zu einem global erfolgreichen Unternehmen zu werden. Konkret will man 2022 um 50 Prozent wachsen. Und in den kommenden Jahren soll es ähnlich weitergehen. „Denn natürlich sind wir zum Wachstum verdammt“, sagt Kirsch. Um das zu stemmen, braucht es aber zusätzliche Expertise, die passende Strategie für einen breiteren Marktzugang sowie Abläufe und Strukturen. „Trotzdem wollen wir uns natürlich ein Höchstmaß an Flexibilität erhalten und nicht alles mit Prozessen erdrücken, wie das in großen Konzernen der Fall ist“, gibt Kirsch zu bedenken. „Das ist eine spannende Aufgabe. Und dafür haben wir auch in München die Allterco Europe gegründet.“

Über viele Kanäle zum Kunden

Derzeit können über die Website des Herstellers die Produkte direkt aus Sofia bezogen werden. Noch gibt es diese nur auf Englisch; eine neue – auf Deutsch und anderen Sprachen – ist in der Mache. „Direct to Consumer ist einfach State of the art“, unterstreicht Wolfgang Kirsch. „Ich kann heute nicht mehr eine Webseite haben, die einfach nur schicke Bilder zeigt, ohne dass der Kunde kaufen kann. Das ist nicht zeitgemäß.“ Nichtsdestotrotz soll es keinen Kanalkonflikt geben, weshalb weitere Vertriebswege angedacht sind. Die Plug-and-Play-Produkte beispielsweise sind in jedem Handelsgeschäft vorstellbar. Das müsse nicht mal ein Fachgeschäft sein. Heute gibt es die Produkte bereits bei Amazon, Conrad, Bauhaus und anderen Vertriebspartnern. Mit weiteren – unter anderem verschiedenen Baumärkten – sei man in Gesprächen.

Die Shelly-Produkte generell sind derzeit über Amazon auf den Marketplaces von Allterco-Vertriebspartnern erhältlich. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir mit Amazon in Zukunft auch direkt zusammenarbeiten“, fügt Kirsch an. „Ich weiß, dass das ein schwierig zu kontrollierender Kanal ist, aber halt auch einer, der für Sichtbarkeit sorgt und eine breite Zielgruppe anspricht – und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.“

Den klassischen Elektriker will Allterco über den Elektrogroßhandel bedienen. Aber auch da müsse die Preisstruktur natürlich so aufgebaut sein, dass jeder vom Verkauf des Produktes profitiere. Demnach sei man mit Blick auf die Professional Line hierzulande bereits mit den ersten Großhändlern im Gespräch, die Elektriker beliefern. Besonders einer habe großes Interesse signalisiert, „der auch viele Schulungen anbietet, die wir dann mit ihm gemeinsam für die Elektriker machen“, sagt Kirsch. Im Grunde gehe es darum, ihnen dabei zu helfen, das Thema Smart Home für sich zu entdecken. „Die legen ihre Strippen, machen das vermutlich sehr professionell bereits in der dritten Generation und sind damit auch komplett ausgebucht“, führt der Allterco-CEO aus. „Jetzt kommt aber eine neue Herausforderung – und entweder lassen sie diese an sich vorbeiziehen oder sie machen diesen Sprung mit und beschäftigen sich mit der neuen Technologie.“ Entscheidend sei auch, dass der Elektriker verstehe, dass er nicht mehr ein einzelnes Produkt verkauft, sondern eine Lösung. „Das ist ein ganz anderer Angang, als sich über Einzelprodukte zu definieren“, betont Wolfgang Kirsch.

 


  1. Ein Start-up im besten Entwicklungsalter
  2. Von der spitzen zur breiten Zielgruppe
  3. Ein Markt am Trigger-Punkt

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