Smart Kitchen

Ein Gruß aus der vernetzten Küche

15. Dezember 2021, 9:30 Uhr | Autorin: Diana Künstler
vernetzte Küche, Smart Kitchen
© andreypopov / 123rf

Saugroboter, intelligente Leuchten und Thermostate sind Musterbeispiele beliebter Smart Home-Anwendungen. Entsprechende Lösungen im Küchenumfeld tun sich hingegen seltener hervor. Dabei gibt es auch hier mittlerweile mehr als nur Gadgets, die nice to have sind.

Ob Homeschooling oder Homeoffice: Viele von uns haben in den letzten Monaten zunehmend mehr Zeit in den heimischen vier Wänden verbracht. Das hat auch Einfluss auf unsere alltäglichen Verhaltensweisen. Schenkt man einer repräsentativen Verbraucherstudie des Marktforschungsinstituts Innofact Glauben, hat die Corona-Pandemie zum Beispiel das Koch- und Ernährungsverhalten der Deutschen verändert. Demnach sind die Frische von Produkten, eine gesunde Ernährung und natürliche Zutaten die wichtigsten Ernährungstrends – zurückzuführen auf einen gestiegenen Bedarf, das Mittag- und Abendessen frisch und einfach zuzubereiten und gesunde Ernährungslösungen zu finden. Die Studie, die im Auftrag des Deutschen Tiefkühlinstituts (dti) durchgeführt worden ist, kommt wiederum zu dem Ergebnis, dass in der Pandemie häufiger mit frischen Lebensmitteln selbst gekocht wird. Das bestätigten 41 Prozent der Befragten. Fast ein Drittel hat allerdings auch häufiger Essen zum Abholen bestellt. Und gut ein Viertel hat öfter auf Lieferdienste zurückgegriffen.

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Gabriele Garella, Haier
Gabriele Garella, Marketing Director Kitchen Appliances bei Haier (Headquarter Haier Europe, Italien): „Eine intelligente Küche ist eine Küche, die alle Arten von Nutzern optimal unterstützt. Hier stehen Komfort und Anwendernutzen stets im Mittelpunkt.“
© Haier

Doch die Küche ist nicht nur ein Ort der Essenszubereitung. Ihr kommt darüber hinaus als Herzstück des Zuhauses eine besondere Bedeutung zu, denn sie ist auch ein Ort des sozialen Austausches: ein Platz zum Essen und Trinken, aber auch zum Reden und Planen der Zukunft. Hersteller intelligenter Heimlösungen erkennen zunehmend diese zentrale Rolle der Küche, weshalb ihnen sehr daran gelegen ist, diese Aktivitäten zu unterstützen. „Die smarte Küche ist der Ort für genussorientierte Individualisten mit Spaß an technischen Neuerungen. Die Verbindung von Komfort, Raffinesse und einem hohen Sicherheitslevel steht für kreatives Kochen und unkompliziertes Lebensraum-Management“, unterstreicht Christian Claes, Category Management Küchenplus/Konzeptmanagment Küchenplus bei der EK Servicegroup, einer der größten Mehrbranchen-Verbundgruppen Europas.

Facetten einer intelligenten Küche

So gibt es neben regulierbaren Heizungs- und Klimaanlagen, die für alle Räume im Haus gelten, einige Fortschritte insbesondere bei Küchengeräten, die Zeit und Aufwand sparen und den Benutzerkomfort maximieren sollen. Der Tech-Guide der gfu zum Thema „Die smarte Küche“ beleuchtet unterschiedliche Aspekte einer vernetzten Küche gemäß verschiedener Anwendungsfelder, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll. Dazu zählen:

  • Kochen und Backen
  • Kühlen und Gefrieren
  • Geschirrspülen
  • Intelligente Kleingeräte
  • Smartes Zubehör
  • Kundendienst
  • Smart Home-Integration

So kann ein smarter Herd oder Backofen Aufgaben übernehmen, die sonst die Aufmerksamkeit des Nutzers erfordern würden. Beispiel Dunstabzug: Ein vernetzter Abzug schaltet sich automatisch ein und regelt die Lüftung nach Bedarf. Besonders smarte Modelle verfügen zudem über einen Sensor, der nicht sichtbar im Luftkanal platziert ist und die Dunstentwicklung misst. Bei zunehmendem Wasserdampf und Gerüchen hebt er die Leistung des Gebläses an und senkt sie am Ende des Kochvorgangs wieder ab. Ein automatischer Nachlauf sorgt dafür, dass sich auch letzte Schwaden verziehen.

Dunstabzug integriert, Miele
Mit der Einbaugeräte-Generation „7000“ hat Miele bereits Backofen, Dampfgarer und Co. vorgestellt, die per Touchdisplay bedienbar sind. Im März 2021 hat das Unternehmen die Serie um ein Induktionskochfeld erweitert: 23 Assistenzprogramme stehen zur Verfügung und unterstützen, wenn man einmal nicht genau weiß, welche Temperatur für welche Speise ideal ist. Im Display erscheinen dann kurze Anleitungen und die richtige Temperatureinstellung. Auch ist das Induktionskochfeld per WLAN vernetzungsfähig und kann in die Miele App integriert werden. Zudem kommuniziert das Kochfeld via „Con@ctivity“-Funktion mit einer Miele-Dunstabzugshaube; abhängig vom Geschehen auf dem Kochfeld wird die Saugleistung automatisch angepasst.
© Miele

Noch komfortabler ist Essenszubereitung via „Backofen mit Autopilot“, wie es die gfu bezeichnet – quasi der digitale Rezeptassistent für den ambitionierten Hobbykoch. So arbeiten einige Hersteller mit Online-Rezeptdiensten zusammen oder bieten eigene Rezept-Apps an. BSH Hausgeräte setzt zum Beispiel auf „Kitchen Stories“. Hersteller Miele hat erst Anfang des Jahres die Mehrheit am Anbieter der Rezepte-App „Kptn Cook“ übernommen. Besonders einfach gelingt das Kochen oder Backen dann per App, wenn der „smarte“ Ofen über das WLAN mit dem Smartphone kommuniziert: Nach Auswahl einer Speise wählt der Herd oder Backofen selbst die richtige Temperatur. Er legt Dauer und Garmethode fest, schaltet – soweit vorhanden – Dampf oder Mikrowelle hinzu. Mit einer Kamera im Backraum ließe sich dann noch das Livebild des Bratens streamen. Mittlerweile gibt es selbst Modelle, die mit Künstlicher Intelligenz den Garvorgang überwachen und berechnen, wann das Essen fertig wird.

Samsung Family Hub
Mit dem Samsung „Family Hub“ werden ausgewählte Kühlschrank-Modelle zur multifunktionalen Schaltzentrale der Küche. Sie können im Küchenalltag mit digital verknüpften Einkaufslisten oder dem Familienkalender unterstützen und ermöglichen einen hilfreichen Überblick zwischen Kochen, Einkaufen und anderen Herausforderungen im täglichen Haushalt. Weitere Funktionen – wie das Telefonieren über Lautsprecher via Bluetooth oder das Abspielen von Bildern und Videos auf dem Display – sind ebenfalls möglich.
© Samsung

Das wohl plakativste Anwendungsszenario einer smarten Küche ist der intelligente Kühlschrank, der selbst Essen nachordert. Sicherlich ist das noch Zukunftsmusik. Nichtsdestotrotz zeigt sich daran, dass smarte Technik in Kühl- und Gefriergeräten viele Vorteile bringen kann. Viele Lösungen seien derzeit noch Marketing-Gigs – wie die vermeintlich smarte, App-steuerbare Pfanne –, aber „mittlerweile gibt es auch wirklich gute und nützliche Dinge im Bereich der Küche“, ist Marius Lissautzki, CEO und Co-Founder der IoT-Commerce-Plattform Tink, überzeugt. Ein Beispiel sei eben die Kamera im Kühlschrank. „Denn es kommt oft vor, dass man im Supermarkt steht und einfach nicht mehr weiß, ob man jetzt noch genug Milch daheim hat oder nicht. Das ist eine simple, aber gute Lösung, wo vernetzte App-gesteuerte Hardware sinnvoll ist und dem Kunden wirklich hilft.“ Noch einen Schritt weitergedacht, ließen sich aufgrund der Tatsache, dass die Internetverbindung in beide Richtungen funktioniert, hier noch weitere Mehrwerte generieren: Unterwegs den Superfrost-Betrieb des Kühlschranks aktivieren und schon ist dieser für zusätzliche Getränkeflaschen vorgekühlt.


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