Smarte Rauchwarnmelder

Durchblick im Siegel-Nebel

9. August 2022, 11:29 Uhr | Lukas Steiglechner
Smarter Rauchmelder
© Rastudio / 123rf

Rauchwarnmelder gibt es mittlerweile auch als smarte Modelle. Aufgrund ihrer Bedeutung im Sicherheitsbereich müssen Nutzer aber darauf achten, zuverlässige, hochwertige Geräte anzuschaffen. Zertifizierungen und Siegel können dabei helfen – doch was sagen sie eigentlich aus?

Laut dem Deutschen Feuerwehrverband kam es im Jahr 2019 zu fast 225.000 Einsätzen aufgrund von Bränden und Explosionen. Es gibt jedoch mittlerweile zahlreiche technische Lösungen, um dieses Risiko in Wohnräumen zu minimieren. Und ein intelligentes Brandschutzkonzept kann viele Geräte und Konzepte abdecken; zentrales Element sind aber stets Rauchwarnmelder. Ihre Bedeutung – ob smart oder nicht – wird auch gesetzlich unterstrichen. Denn in Schlaf- und Kinderzimmern sowie Fluren, die als Fluchtweg dienen, ist diese Technologie immerhin bundesweit für alle Neu- und Umbauten Pflicht.

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Technische Spezifikationen

Herkömmliche Rauchmelder geben ein akustisches Signal mit einer Lautstärke von mindestens 85 Dezibel ab, sobald sie Rauch erkannt haben. Die smarten Varianten sind ebenso als Einzellösung verwendbar, doch verfügen sie über zusätzliche Funktionen, wenn sie in ein übergeordnetes Smart-Home-System integriert werden. Dabei müssen Nutzer auf die Interoperabilität achten. Denn nicht alle smarten Geräten können automatisch miteinander kommunizieren. Dabei wird zwischen kabelgebunden, beispielsweise KNX, oder kabellos unterschieden. Bei Letzterem sind mittlerweile viele verschiedene Funktechnologien im Einsatz, unter anderem Bluetooth. Der Vorteil davon: Der Funkstandard verbraucht weniger Strom als beispielsweise WLAN. Der Nachteil: Bluetooth-Modelle erlauben lediglich die Kommunikation mit anderen Geräten in ihrer Nähe.

Smarte Rauchwarnmelder, die wiederum mit einem Smart-Home-Gateway verbunden sind, können hingegen über eine entsprechende App, per E-Mail oder SMS die Nutzer informieren. Auf die Art können sich zudem mehrere Rauchwarnmelder austauschen, sodass in allen Wohnräumen Alarm ausgelöst wird. Es lassen sich aber auch weitere Szenarien definieren. Bei einem Alarm könnten zum Beispiel das Licht angeschaltet und die Jalousien hochgefahren werden. Ebenso lässt sich das Wählen von Notrufnummern einrichten. Aber das sollte gut überlegt sein, da Fehlalarme immer möglich sind. Stattdessen könnten Nutzer, wenn sie außer Haus sind, über entsprechende Sensoren Umweltfaktoren wie Luftqualität oder Temperatur in den Wohnräumen überprüfen und einen entsprechenden Notruf gegebenenfalls anschließend selbst absetzen.

Rauchwarnmelder sind allerdings nicht in jedem Raum einsetzbar. In Küche und Badezimmer schlagen sie regelmäßig aufgrund der des Wasserdampfs falschen Alarm. Stattdessen können dort beispielsweise smarte Wärmemelder zum Einsatz kommen. Sie erkennen, wenn eine Herdplatte gegebenenfalls nicht ausgeschaltet wurde oder durch defekte elektrische Geräte in der Küche Brandherde entstehen. Dafür sind in den Wärmemeldern Temperatursensoren verbaut. Wird bei der Messung ein bestimmter Wert überschritten, löst der Alarm aus. Auch hier können smarte Geräte den Vorteil bieten, mit anderen Devices im Smart Home zu kommunizieren.

Zertifizierung von smarten Rauchwarnmeldern

Doch gerade bei so empfindlichen Geräten wie Rauchwarnmeldern müssen Anwender und Händler auf Qualität und Funktionalität achten. Hervorragende Anhaltspunkte sind dabei gängige Zertifizierungen. Rauchwarnmelder beispielsweise, die im europäischen Handel erhältlich sind, müssen über die entsprechenden DIN-Normen verfügen. Zum einen ist das die Anwendungsnorm DIN 14676, die Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung der Rauchwarnmelder regelt. Entscheidender ist jedoch die europäische Gerätenorm DIN EN 14604. Diese legt die Anforderungen, Prüfverfahren und Leistungskriterien der Rauchwarnmelder fest. Geräte benötigen die Zertifizierung nach dieser Norm, um im europäischen Handel vertrieben werden zu können.

Die Zertifizierung erfolgt von unabhängigen Prüfstellen, die unter anderem die Rauchkammer, die Lautstärke und die Empfindlichkeit gegenüber Fremdkörpern testen. Wurde der Anforderungskatalog erfolgreich durchlaufen, erhält ein Produkt die Zertifizierung nach DIN EN 14604 sowie die CE-Kennzeichnung. Es existiert aber auch eine weitere Zertifizierung: So haben die Verbände Forum für Brandrauchprävention und Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes (vfdb) gemeinsam die Richtlinie vfdb 14-01 entworfen, die noch weitere Zusatzanforderungen voraussetzt. Die EU-Norm wird durch sie aber nicht ersetzt, sondern ergänzt. Unter die zusätzlichen Anforderungen fallen unter anderem der Korrosionsschutz, elektromagnetische Verträglichkeit sowie eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren bei einer fest verbauten Batterie.

Werden Rauchwarnmelder von einem akkreditierten Zertifizierungsinstitut wie der VdS Schadensverhütung oder dem Kriwan Testzentrum geprüft und erfüllen die Richtlinie, können sie das Q-Label erhalten. Dieses Qualitätskennzeichen soll helfen, qualitativ hochwertige Rauchwarnmelder zu erkennen. Denn während die CE-Kennzeichnung lediglich einen gesetzlichen Mindeststandard anzeigt, gibt das Q-Label darüber hinaus eine Auskunft über die Qualität.

Mehrere Prüfstellen haben zudem eigene Siegel entwickelt. Im Fall der VdS handelt es sich beispielsweise um die Richtlinie VdS 3131. Diese ist jedoch lediglich eine Adaption der vfdb 14-01 und unterscheidet sich inhaltlich nicht. Der TÜV Rheinland hingegen, der mit dem Kriwan Testzentrum zusammenarbeitet, hat wiederum eigene Prüfzeichen erstellt, in deren Rahmen die Rauchmelder verschiedenen Leveln zugeordnet werden. Die Kriterien der Level unterscheiden sich dabei von den Kriterien des Q-Labels und geben ebenfalls Auskunft über andere Qualitätsmerkmale.

Die Zertifikate gelten sowohl für herkömmliche Rauchwarnmelder als auch für smarte Varianten. Speziell für smarte Rauchwarnmelder gibt es jedoch noch kein eigenständiges  Zertifikat. Allerdings hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Jahr 2021 mitgeteilt, dass durch die europäische Normungsorganisation European Telecommunications Standards Institute (ETSI) sowohl Testspezifikationen (ETSI TS 103 701) als auch Mindestsicherheitsstandards (ETSI EN 303 645) für die Cybersicherheit von Verbraucher-geräten im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) veröffentlicht wurden. Aus Basis von diesen sollen Hersteller in der Lage sein, die Cybersicherheit ihrer smarten Produkte zu überprüfen beziehungsweise prüfen zu lassen. So können Hersteller Konsumenten eine erste Richtschnur für smarte Geräte an die Hand geben.

Zertifikat Bedeutung
DIN EN 14604 / CE-Kennzeichnung Diese europäische Gerätenorm ist auf jedem Rauchwarnmelder zu finden, der auf dem europäischen Markt vertrieben wird. Sie bildet das gesetzliche Mindestmaß, sagt aber nichts weiter die Qualität eines Geräts aus.
vdfb 14-01 / Q-Label Diese weiterentwickelte Anforderungsrichtlinie geht über das gesetzlich festgelegte Mindestmaß hinaus. Akkreditierte Prüfstellen können Geräte nach einem Test mit dem Q-Label zertifizieren. Das Q steht hierbei für Qualität.
Zeichen von Prüfstellen wie VdS und TÜV Rheinland Verschiedene Prüfstellen haben abseits des Q-Labels auch eigene Siegel für Rauchwarnmelder entwickelt, die teils andere Kriterien aufweisen. Damit geben sie ebenfalls Auskunft über die Qualität der Geräte.
ETSI EN 303 645 Die europäische Normungsorganisation ETSI hat einen Mindestsicherheitsstandard für die Cybersicherheit von Verbrauchergeräten im Internet der Dinge veröffentlicht.

 


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  2. Fünf Geräte in der Übersicht

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