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Die Küche, die einem unter die Arme greift

07. Oktober 2020, 10:47 Uhr   |  Lukas Steiglechner

Die Küche, die einem unter die Arme greift
© Moley Robotics

Der Prototyp der Robotic Kitchen wurde bereits auf der CES Asia 2015 in der Kategorie "Best of the Best" ausgezeichnet.

Smarte Helfer finden verstärkt Einzug in Haushaltsbereiche, so auch in der Küche. Lebenserleichterung oder technische Spielerei – wo genau die erste intelligente Roboterküche einzuordnen ist, verrät Mark Oleynik, CEO und Gründer von Moley Robotics im Interview mit Smarthouse Pro.

Smarthouse Pro: Herr Oleynik, welche Idee und was für ein Prozess stecken hinter der Entwicklung der Robotic Kitchen?

Mark Oleynik: Die Grundidee war, einen Weg zu finden, um den Kochprozess für verschiedene frische Gerichte zu automatisieren. Das sollte jedoch keine Automatisierung wie bei gängigen smarten Küchengeräten sein, die oftmals über eine Internetverbindung und Verknüpfungsmöglichkeiten verfügen. Diese Geräte muss nämlich immer der Besitzer bedienen und auch im Kochprozess muss er mehrere Vorgänge tätigen. Mit dem dreidimensionalen Kochapparat wollen wir die Notwendigkeit des Menschen in diesem Netzwerk ersetzen.

SHP: Haben Sie denn noch weitere Pläne für die Küche im Bereich der Automatisierung und der Verknüpfung mit anderen Geräten?

Oleynik: Ja, das ist unser genereller Plan für die Küche. Wir versuchen hier eine Maschine und keine Möbeleinrichtung zu bieten. Die derzeitigen smarten Küchengeräte kommunizieren in der Regel mit dem Menschen, also dem Bediener der Küche. Deshalb muss man, wenn man etwas kocht, mit diesen genau kommunizieren. Unsere Idee von der Küche der Zukunft ist eine vollintegrierte Maschine, in der alle Teile miteinander kommunizieren. Darin liegt der Unterschied der beiden intelligenten Küchenkonzepte.

SHP: Geben wir hierdurch nicht ganze Aktivitäten in die, in diesem Fall buchstäblichen, Hände von Robotern? Ist es das Ziel, dass uns diese Aufgaben nicht mehr kümmern müssen?

Oleynik: Nicht wirklich, wir haben diese Küche nämlich so gestaltet, dass der Mensch und der Roboter sich den Platz teilen und koexistieren. Unsere Roboterküche soll in der Lage sein, eine ganze Reihe von Vorgängen durchzuführen, um so den Menschen im Kochprozess ersetzen zu können. Dabei lassen sich auch die Roboterarme einfahren, damit der Besitzer die Küche auch wie jede andere Küche nutzen kann.

Die Komplexität mancher Aufgaben verhindert außerdem die komplette Abgabe des Kochens an den Roboter. Er kann nämlich manches einfach nicht. Beispielsweise ist es momentan noch unmöglich, dass er eigene Ravioli oder Sushi macht. Das ist zwar nur eine Frage des Levels der technologischen Entwicklung, doch benötigt der Roboter manchmal noch die Hilfe des menschlichen Kochs, da dessen Hand über mehr Funktionalitäten verfügt als die Roboterhand.

SHP: Sehen Sie denn auch möglicherweise negative Konsequenzen für bestimmte Gewerbe wie Restaurants? Könnte die Roboterküche irgendwann Restaurantmitarbeiter ersetzen oder den Bedarf mindern, essen zu gehen, wenn zuhause ein Roboter gute Gerichte kochen kann?

Oleynik: Wenn eine Person Talent und Zeit fürs Kochen hat, kann sie immer ohne Einschränkungen selber kochen. Doch jemand wie ich, der in der Küche nicht begabt ist und deshalb keine eigenen Kreationen, sondern nur Kopien von Gerichten erstellen kann, kann viele Fehler beim Kochen machen, was wiederum die Qualität mindert. Die Roboterküche kann hier eine wesentlich genießbarere Kopie nachmachen. Ich denke also nicht, dass sich Restaurantmitarbeiter oder Köche Sorgen um ihre Anstellung machen müssen.

Automatisierung und Optimierung betreffen in der Regel freudlose und eher langweilige Aufgaben. Aktivitäten wie Kochen oder Essengehen machen den Menschen Freude und können deshalb nie von einer Automatisierung ersetzt werden. Deshalb ist die Roboterküche keine Einschränkung, sondern eine Erweiterung. Für Leute, die nicht gerne kochen und darin keine kreative und erfüllende Tätigkeit für sich sehen, bietet die Küche die Möglichkeit, die Kochzeit anderweitig zu nutzen. Autos ersetzen schließlich auch nicht unsere Möglichkeit zu laufen, spazieren zu gehen oder zu wandern, sondern bieten nur eine Option, schneller ans Ziel zu kommen. Ich sehe das Ganze also eher als Fortschritt und Entwicklung der Zivilisation.

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1. Die Küche, die einem unter die Arme greift
2. Helfende Hände im ganzen Haus?
3. Sicherheit hat obersten Stellenwert
4. Persönlicher Koch im Robotergewand

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