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Gebäudeautomation

Das Smart Home und der Domino-Effekt

03. Dezember 2020, 13:52 Uhr   |  Sabine Narloch

Das Smart Home und der Domino-Effekt
© Andrey Suslov/123rf

Die Frage „Intelligente Gebäudeautomation – ja oder nein?“ steht im Zuge eines Hausbaus früher oder später auf der Tagesordnung. Doch sowohl seitens der Bauherren als auch des Elektrohandwerks ist das Thema noch im Wachsen begriffen.

Noch werden sie gebaut: Häuser, die über eine konventionelle Elektroinstallation verfügen. Der Anteil liegt gar nicht so niedrig. Marc Jäger, CEO von Jaeger Wohn- und Gebäudeintelligenz, schätzt, dass Architekten derzeit noch etwa 90 Prozent konventionelle E-Technik einplanen. Warum die herkömmliche Variante immer noch weit verbreitet ist, habe laut Jäger einerseits mit den Kosten zu tun, mitunter sei aber auch Unwissenheit, was den Mehrwehrt von Automatisierungssystemen angehe, ein Grund. Jäger selbst widmet sich ganz solchen intelligenten Systemen, sodass zu ihm ausschließlich Interessenten kommen, die ganz konkret ein Smart Home wünschen. Von diesen Hausbauern gehen allerdings oftmals Initialzündungen aus. Wie Jäger beobachtet, hätten die meisten Kunden, die Automationssysteme einsetzen wollen, Bekannte, bei denen sie solche Lösungen gesehen haben. Jäger rechnet für die Zukunft mit einem „Domino-Effekt“. Die Bereitschaft scheint vorhanden zu sein: Laut der Bitkom-Studie „Das intelligente Zuhause: Smart Home 2020“ sind 66 Prozent der Befragten der Meinung, dass keine neuen Gebäude mehr ohne intelligente und umweltschonende Technologie gebaut werden sollten.

Harald Horst, Produkt Marketing Director Smart Buildings bei ABB, Busch-Jaeger und Striebel & John, sieht einen klaren Trend zum Smart Home. Das Unternehmen konnte in diesem Bereich „in den letzten Jahren ein kontinuierliches zweistelliges Wachstum verzeichnen“, so Horst. Auch viele Fertighaus-Hersteller würden ihre Häuser inzwischen „zumindest auf Wunsch ab Werk mit Smart-Home-Komponenten ausstatten“. Fällt die Entscheidung doch auf eine konventionelle Elektroinstallation, ist sich Harald Horst mit Marc Jäger über die Gründe einig: Budget „oder fehlendes Wissen über die Vorteile einer Smart-Home-Installation“.

Und wie sieht es bei den Argumenten für ein smartes Heim aus? Hier gelte laut Horst „die Reihenfolge Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz“. Schützenhilfe komme zudem durch den „Siegeszug von Smartphone und Tablet“, die dazu beigetragen haben, Hemmschwellen abzubauen. Schließlich lassen sich über diese Geräte Smart-Home-Systeme steuern, was auch viele Nutzer „intuitiv und bequem vom Sofa aus“ tun, wie Harald Horst anschaulich schildert. Aber auch der umgekehrte Fall – die Steuerung von unterwegs aus – ist für viele ein Pluspunkt auf der Komfortseite; so lässt sich beispielsweise die Heizung noch vor der Ankunft zuhause per Smartphone hochfahren. Ändern sich darüber hinaus die Lebensgewohnheiten, können die vernetzten Komponenten rasch angepasst werden.

Auch Anbieter wie die Deutsche Reihenhaus AG haben das Thema aktuell und künftig im Blick. Bei Umfragen, die das Unternehmen mit Käufern und Interessenten durchgeführt hat, war ein generelles Interesse für das Smart Home zu beobachten, obwohl es durchaus noch Entwicklungspotenzial gibt. Achim Behn, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutsche Reihenhaus AG, berichtet gegenüber Smarthouse Pro, dass man zwar sogar ein eigenes Projektteam gebildet hatte. Dabei habe man aber festgestellt, „dass Smart Home für uns einfach noch nicht so relevant ist, als dass wir es in den standardisierten Prozess einbinden wollen. Die Produktionskosten würden unverhältnismäßig hoch ansteigen“, so Behn. Das Unternehmen wolle jedoch Wohneigentum im Neubau möglichst günstig anbieten und baue daher seriell sowie bis ins Detail durchgeplant. Individuelle Wünsche, wie sie beim Thema Smart Home oft vorkommen, könnten dabei jedoch nicht gut abgebildet werden. Es gab aber noch eine andere Erkenntnis aus den Umfragen der Deutsche Reihenhaus AG: So möchten Kunden lieber nach Fertigstellung des Hauses ihre Smart-Home-Wünsche selbst realisieren.

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