Fachkräftemangel

Das Handwerk neu verstehen

1. Dezember 2022, 11:20 Uhr | Sabine Narloch
Fachkräftemangel im Handwerk
© dr911/123rf

Energiewende auf der einen Seite – Fachkräftemangel in den relevanten Gewerken auf der anderen Seite. Politik, Branchenverbände und Betriebe sind gefordert, sie planen oder handeln bereits. Dabei spielt die Wertschätzung für den Ausbildungsweg aber bislang nur eine eher untergeordnete Rolle.

Das Thema Energie hat durch den mittlerweile deutlich zu Tage tretenden Klimawandel sowie die Energiekrise an Bedeutung gewonnen. Und auch die gesetzlichen Vorgaben erfordern entschlossenes Handeln. Denn laut Klimaschutzgesetz soll Deutschland bis zum Jahr 2030 seinen Treibhausgas-Ausstoß gegenüber dem Jahr 1990 um 65 Prozent verringern. Treibhausgas-Neutralität soll zudem bis zum Jahr 2045 erreicht werden.

Technische Lösungen sind durchaus vorhanden – von Photovoltaik-Anlagen über Gebäudeautomation und Energiemanagementsysteme bis hin zu Wärmepumpen. Doch angesichts des Fachkräftemangels stellt sich die Frage: Wer soll das alles installieren? Etwa 190.000 Fachkräfte fehlen nach aktuellen Informationen der Branchenverbände derzeit in den für die Energiewende relevanten Gewerken, wie dem elektro- und informationstechnischen, dem Metall-, Tischler- und Schreiner- sowie dem SHK-Handwerk. Somit ist folgerichtig, dass das Thema Fachkräftemangel und Ausbildung auf den nun wieder stattfindenden Branchenevents ein zentrales Thema ist.

So ging es laut Presseinformationen beim Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) Anfang Juni um den notwendigen Aufbau von Fachkräften. Diesen zu erreichen, sei allerdings schwierig, „wenn jeder Abiturient heute studieren geht, weil ein Studium das höhere Ansehen genießt“, so Andreas Habermehl, ZVEH-Geschäftsführer Technik und Berufsbildung, auf der Veranstaltung. Er appellierte, dass in der Gesellschaft das Handwerk wieder als etwas Ebenbürtiges angesehen werden müsse.

Auch auf der ZVEH-Jahrestagung 2022 wurde bemängelt, dass akademische und berufliche Bildung noch nicht gleichwertig seien. Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), kritisierte dort: „Die politischen Signale für eine Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung fehlen.“ Darüber hinaus bemängelte Esser die mangelhafte Durchlässigkeit des Systems.

Dialog mit der Politik: Eingefordert und abgehalten

Vier Zentralverbände sowie die IG Metall verfassten im Frühjahr zudem einen Maßnahmenkatalog, wie das Handwerk für die Herausforderungen der Klimawende gewappnet werden könne. Unter den fünf Forderungen der Sozialpartner findet sich auch der Aspekt der Ausbildung und Qualifizierung. Die Ist-Situation sei demnach, dass viele Berufsschulen, Kompetenzzentren und Bildungseinrichtungen des Handwerks bereits an der Belastungsgrenze arbeiten. Eine bessere, moderne und digitale Ausstattung sei somit erforderlich. Ebenso gehe es aber auch um ein „Klima der Wertschätzung aller beruflichen Bildungswege“. Ein Ausbau des Aufstiegs-BAföGs sowie die Freistellung von Kosten für Fort- und Weiterbildungen oder die Meisterausbildung werden darin gefordert. Das Fazit: Eine systematische Abstimmung zwischen allen wesentlichen Akteuren sei von Nöten.

Ende August wurde nun gemeldet, dass der Startpunkt zum angemahnten Branchendialog erfolgt sei. Der ZVEH berichtet, dass Vertreter der vier Bundesverbände und der IG Metall mit Staatssekretären aus den Ministerien für Arbeit und Soziales, Wirtschaft und Klimaschutz sowie Wohnen und Bauwesen miteinander diskutiert haben. Ein zentrales Thema sei dabei die Stärkung der dualen Ausbildung gewesen und dass der Ausbildungsweg politisch und gesellschaftlich zu einer anerkannten Alternative zum Studium werden müsse. Ein Anfang ist somit auf politischer Ebene gemacht, es dürfte aber noch einiges an Wegstrecke und Arbeit vor den Beteiligten liegen.

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