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Smart Meter

Auf den Weg gebracht

09. Juli 2020, 15:53 Uhr   |  

Auf den Weg gebracht
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Eine weitere Etappe auf dem Weg zur Digitalisierung der Stromnetze in Deutschland ist geschafft: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat Ende Februar das Startsignal für den Pflichteinbau intelligenter Stromzähler gegeben. Doch was heißt das konkret für Verbraucher?

Smart Meter BNetA
© BNetzA

Unterscheidung der Stromzähler

Wäsche waschen, wenn der Strom für die Waschmaschine besonders preiswert ist. Eine Warnung aufs Smartphone bekommen, wenn der vermeintlich defekte Kühlschrank plötzlich ungewöhnlich viel Strom verbraucht. Oder die Produktion der eigenen Solaranlage zu guten Preisen ins Netz abgeben. Das und noch mehr sollen intelligente Messsysteme, auch Smart Meter genannt, künftig ermöglichen. Nach einem langem Anlauf geht es nun endlich los – nachdem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) das Startsignal gab – allerdings mit Einschränkungen, in kleinen Schritten und verbunden mit potenziellen Kostenfallen für die Verbraucher.

Der grobe Fahrplan bis 2032
Übergeordnetes Ziel ist es, dass ein digitaler Stromzähler, auch moderne Messeinrichtung (mME) genannt, früher oder später in jedem Haushalt eingebaut sein wird – und so den alten analogen (Ferraris-)Zähler ersetzt. Der Austausch läuft bereits und soll bis zum Jahr 2032 abgeschlossen sein. Bei allen Neubauten oder umfangreichen Renovierungen müssen Messstellenbetreiber sofort moderne Messeinrichtungen einbauen. Die mME können mit einem Kommunikationsmodul, dem Smart-Meter-Gateway, verbunden werden, wodurch sie zu einem intelligenten Messsystem (iMSys) werden. Auf einige Verbraucher kommt in den nächsten Jahren der Einbau eines solchen intelligenten Messsystems beziehungsweise Smart Meter verpflichtend zu. Die Smart Meter ermitteln den Stromverbrauch und können im Gegensatz zu den modernen Messeinrichtungen die erhobenen Daten unter anderem auch an Stromanbieter und Netzbetreiber versenden (Näheres zu den unterschiedlichen Gerätearten im Infokasten „Was ist ein Smart Meter?“).

Welcher Haushalt vom Pflichteinbau eines solchen intelligenten Messsystems betroffen ist, hängt vom jeweiligen jährlichen Stromverbrauch ab: Als Grenzwert gilt ein Verbrauch größer als 6.000 Kilowattstunden im Jahr. Auch wer mit einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mit mehr als sieben Kilowatt Leistung Strom produziert oder ein verringertes Netzentgelt für eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung zahlt, bekommt ein intelligentes Messsystem. Nach Angaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) betrifft das derzeit rund fünf Millionen Verbraucher in Deutschland. Der Großteil der Haushalte verbrauche deutlich weniger als 6.000 Kilowattstunden. Unabhängig davon können aber auch bei nicht betroffenen Haushalten – also mit einem Verbrauch von weniger als 6.000 Kilowattstunden – intelligente Zähler eingebaut werden.

Umgesetzt wird der Einbau der neuen Zähler durch die Messstellenbetreiber, zumeist die örtlichen Netzbetreiber. Denn sie sind verpflichtet, den Einbau durchzusetzen. Die Messstellenbetreiber kommen deshalb auf die Haushalte zu, sodass Verbraucher nicht selbst tätig werden müssen. Betroffene Verbraucher erhalten aus diesem Grund in absehbarer Zeit Informationen mit der Ankündigung eines Einbaus. Haushalte, die eine moderne Messeinrichtung oder ein intelligentes Messsystem bekommen, muss der Messstellenbetreiber nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) dabei mindestens drei Monate vor dem Einbau informieren und auf die Wechselmöglichkeit zu einem anderen Betreiber hinweisen. Zwei Wochen vor dem Einbau müssen Verbraucher zudem schriftlich auf den konkreten Einbautermin hingewiesen werden – unter Angabe von mindestens einem zweiten möglichen Termin. Zudem können Betreiber von Solaranlagen, die bisher selbst die Messung übernommen haben, diese nicht mehr getrennt vom übrigen Messstellenbetrieb durchführen. Sie erhalten hierzu ebenfalls ein Schreiben des Messstellenbetreibers.

Was ist ein Smart Meter?

Bisher wurden Smart Meter, also digitale Stromzähler, überwiegend in Neubauten und bei Betreibern von bestimmten Erneuerbare-Energien-Anlagen eingebaut. Durch das Messstellenbetriebsgesetz haben sich die Rahmenbedingungen nun geändert. Der Begriff Smart Meter wird jedoch im deutschen Gesetz nicht verwendet. Stattdessen unterscheidet man zwischen „modernen Messeinrichtungen“ und „intelligenten Messsystemen“, wobei der Begriff Smart Meter dabei häufig synonym für intelligente Messsysteme verwendet wird.

Unter einer modernen Messeinrichtung (mME) versteht man einen digitalen Stromzähler, der

  • den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegelt (detaillierte Verbrauchsdarstellung)
  • nicht fernausgelesen werden kann
  • keine Zählerstände sendet (das heißt eine manuelle Ablesung durch den Messstellenbetreiber oder den Kunden ist weiterhin notwendig)

Sie besteht aus einem elektronischen Messwerk und einer digitalen Anzeige. Im Unterschied zu einem intelligenten Messsystem ist die kommunikative Anbindung bei einer modernen Messeinrichtung möglich, aber noch nicht erfolgt. Der Messstellenbetreiber muss dafür sorgen, dass der Anschlussnutzer standardmäßig die Informationen über den tatsächlichen Energieverbrauch sowie historische tages-, wochen-, monats- und jahresbezogene Energieverbrauchswerte jeweils für die letzten 24 Monate einsehen kann.

Ein intelligentes Messsystem (iMSys) hingegen besteht aus der modernen Messeinrichtung und einer Kommunikationseinheit, dem sogenannten Smart-Meter-Gateway. Das Smart-Meter-Gateway ist sozusagen das Herzstück eines iMSys: Es macht den Zähler „intelligent“ und übernimmt die Vermittlung zwischen Messeinrichtung und Kommunikationsnetz. Das ermöglicht die Datenübertragung in beide Richtungen; es kann also sowohl Signale senden als auch empfangen. Auf diese Weise könnten in Zukunft zum Beispiel auf Wunsch elektrische Geräte in einem Smart Home automatisch an- oder ausgeschaltet werden. Das kann etwa sinnvoll sein, wenn Strom zu manchen Tageszeiten günstiger angeboten wird als zu anderen. Auch der Stromfluss aus einer Solarstromanlage könnte mithilfe des intelligenten Messsystems zum Beispiel so gesteuert werden, dass ein Elektroauto zu einem günstigen Zeitpunkt geladen wird.

 

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1. Auf den Weg gebracht
2. Verzögerter Start
3. Trotz Obergrenze: kann ins Geld gehen
4. Das Smart Meter: Einfallstor für Cyberkriminelle?

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