Reifegrad der Gebäudeautomation

Wege aus dem Disconnect

17. Dezember 2021, 7:30 Uhr | Autorin: Antje Müller
Pei Ling Hoo / Adobe Stock
© Pei Ling Hoo / Adobe Stock

Ein Smart Building steht für die Digitalisierung und die Vernetzung vieler Gebäudegewerke. Entsprechende Konzepte sind zwar in einigen Bereichen weit fortgeschritten, eine flächendeckende Umsetzung bleibt jedoch noch aus. Mehr Know-how und Offenheit gegenüber Gebäudeautomation sind gefragt.

Es gibt bereits prägnante Beispiele für fortschrittliche Smart Buildings im europäischen Raum. Unter anderem „The Edge“ in Amsterdam, der „Cube Berlin“ oder der Gebäudekomplex „Dstrct.Berlin“, das „Crystal“ in London oder das „Karvesvingen 5“ in Oslo. Trotz erster beachtlicher Konzepte und Beispiele bewegen sich die Gebäudeplanung und der intelligente Betrieb jedoch noch lange nicht auf Reifegradstufen, die das Level einer tatsächlichen „Smartness“ erreichen. Im Gegenteil. Die Ergebnisse einer Studie des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) bekräftigen, dass die Digitalisierung im Gebäudebereich aktuell noch in den Kinderschuhen steckt.

Im Zuge der Studie hat der Verband ein Stufenmodell entwickelt, das die Gebäudeintelligenz nach den jeweiligen Reifegraden einordnet. Und gerade bei Neubauten und Modernisierungsvorhaben von Nichtwohngebäuden beobachten Experten, Dienstleister und Verantwortliche aus den Bereichen Planung, Bau, Architektur und Technologie-Zulieferung über alle Anwendungsbereiche hinweg eine überwiegend geringe Ausprägung von Vernetzung und Automatisierung. So sind Sensorik und Aktorik in den meisten Gebäuden lediglich lokal über einen Fernzugriff steuerbar, vernetzte Gewerke erreichen darüber hinaus oftmals nur den Grad von Monitoring und Anwendungsteuerung. Am weitesten fortgeschritten sind laut den Studienergebnissen hingegen die Anwendungsbereiche Gebäudesicherheit, Aufzuganlagen sowie Brandschutzmaßnahmen. Letzterer Bereich verfügt in vielen Fällen bereits über entsprechende Managementsysteme, über die ein digitaler Zwilling des Gebäudes verwaltet werden kann. Kaum mehr ohne Digitalisierung geht es darüber hinaus in der Gebäudesicherheit. Lediglich 18 Prozent der Gebäude arbeiten in diesem Bereich nicht digital, über 51 Prozent verfügen hingegen über eine automatisierte und digital optimierte Überwachung.

Potenziale für smarte Anwendungsfälle im Bereich der Gebäudesicherheit sind laut mm1, einer Unternehmensberatung für Vernetzung, IoT und Digitale Transformation, unter anderem der wirtschaftliche Effizienzgewinn und die Verbindung von Sicherheit und Komfort. Würden beispielsweise vernetzte Brand- und Rauchwarnmelder oder Löschsysteme über eine Künstliche Intelligenz (KI) mit der Wegeführung und mit Schließsystemen zusammenarbeiten, könnte die Sicherheit weiter erhöht werden; wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden wären somit gegebenenfalls besser vermeidbar.

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