Schwerpunkte

Parkmanagement

Vernetzung als Einparkhilfe

26. April 2021, 10:22 Uhr   |  Sabine Narloch


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Gut geparkt – und dann?

Doch ein Parkmanagement-System kann durch Vernetzung beziehungsweise Schnittstellen noch mehr. „Bei Diskussionen zum Smart Building steht üblicherweise der Raum im Vordergrund. Dabei kann bereits im Parkhaus erkannt werden, welcher Mitarbeiter in Kürze das Gebäude betritt und als Grundlage für standortbasierte Dienste, raumbezogene Konditionierungen und damit einen ganzheitlich harmonischen Gebäudebetrieb verwendet werden.“, so Prof. Dr. Michael Krödel vom Institut für Gebäudetechnologie (IGT). Die aktuelle Trendstudie „Bürogebäude der Zukunft“ des Instituts zeigt auf, wo das Potenzial liegt: Ist in einem Smart Building beispielsweise der Terminplan des Mitarbeiters erfasst, kann diesem bereits bei Einfahrt in die Tiefgarage ein passend gelegener Parkplatz vorgeschlagen werden. „Auch Präferenzen könnten im Vorfeld von der Person angegeben werden: Nähe zum Eingang, Größe der Parklücke, Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge, Carsharing oder Fahrrad-Stellplätze“, heißt es erläuternd in der Studie. Ein weiterer „Service“, der sich hier koppeln ließe, ist der Aufzug. So würde der Lift auf die Zugangsebene fahren und den Ankommenden dann ins richtige Stockwerk bringen. Selbst ein „Aussteigen in einem Stockwerk ohne Zutrittsgenehmigung kann so verhindert werden“, wird in der Studie ausgeführt. Das Parkmanagement-System von Park Here beispielsweise fordert über Schnittstellen einen bestimmten Fahrstuhl an. „Mit der Verknüpfung von Echzeitdaten zur Parkplatzbelegung lassen sich viele weitere Use-Cases abbilden – auch die Lüftungssteuerung in der Tiefgarage“, so Techmer.

Thema Sicherheit  und DSGVO
Noch müssen Autofahrer selbst einparken – aber möglicherweise werden sie bei einem Geschäftstermin am Parkplatz via Display begrüßt. Eine schöne Geste, doch in Zeiten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) nicht unproblematisch. Clemens Techmer, CTO bei Park Here, sagt: „Der Teufel liegt wie immer im Detail.“ So kann man wählen, ob auf dem Begrüßungsdisplay der Name oder das Kennzeichen des Gastes angezeigt wird; dieses wäre bei Ankunft auf dem Auto ohnehin zu sehen. Dabei würde laut Techmer, CTO bei Park Here, „jegliche Verarbeitung der Bilddaten für die Kennzeichenerkennung auf den Geräten beim Kunden stattfinden, ohne die Daten an Park Here oder eine Cloud zu senden. Die Bilder werden nur für ein paar Hundert Millisekunden, in denen sie analysiert werden, gespeichert“.

 

Das Einparken „outsourcen“

Noch einen Schritt weiter soll es in Zukunft mit einer Lösung gehen, an der Bosch, Mercedes-Benz sowie der Parkraumbetreiber Apcoa gemeinsam arbeiten. Auch hier läuft der Parkvorgang kontaktlos, ohne Ticket und ohne Bargeld – doch es kommt noch das sogenannte Automated Valet Parking (AVP) ins Spiel. Also ein automatisierter, fahrerloser Parkservice. Ort für den Testbetrieb ist das Parkhaus P6 am Flughafen Stuttgart. Dort erproben die drei Unternehmen das Zusammenspiel der Fahrzeugtechnik der S-Klasse mit der intelligenten Infrastruktur von Bosch sowie der digitalen „Flow“-Plattform von Apcoa. Die S-Klasse ist laut Daimler das weltweit erste Serienfahrzeug mit der notwendigen Technik an Bord für einen künftigen infrastrukturbasierten AVP-Betrieb. So sei das Fahrzeug mit einer Vorrüstung für eine Fahrfunktion der zweithöchsten Autonomiestufe nach SAE, Level 4 ausgerüstet.

Wie sieht das Parken in diesem Fall also aus? Hinter der Einfahrt des Parkhauses P6 sollen Fluggäste in einem Drop-off- und Pick-up-Bereich ihr Fahrzeug abstellen können – und es quasi zurücklassen. Denn während die Fluggäste aussteigen und zum Check-in laufen, parkt das Fahrzeug selbstständig ein. Ausgelöst wird dies per Smartphone-Befehl. Den richtigen Parkplatz findet es über die Informationen der Infrastrukturtechnik. „Automated Valet Parking ist ein echter Komfort- und Zeitgewinn für unsere Passagiere. Das gilt ganz besonders, wenn sie in Eile sind und am Flughafen schnell ihr Auto loswerden wollen“, so Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH. Bei Ankunft lässt sich das Auto ebenfalls über das Smartphone zur Pick-up-Zone zurückordern.

Parkmanagementsystem
© Daimler

Mercedes-Benz, Bosch und Apcoa arbeiten am Flughafen Stuttgart am vollautomatisierten und fahrerlosen Parken. In einem Pilotparkhaus kommen erstmals neue Videokameras von Bosch zum Einsatz – sie erkennen freie Parkplätze, überwachen den Fahrkorridor sowie dessen Umfeld und erfassen Hindernisse oder Personen auf der Fahrspur. Die Informationen der Kameras machen es sogar möglich, dass die Autos eigenständig innerhalb des Parkhauses fahren können – auch auf engen Rampen, was den Wechsel zwischen verschiedenen Stockwerken erlaubt.

Sinnvolle Auswirkungen haben die technischen Finessen somit. Die Zeitersparnis, ein geringerer CO2-Ausstoß und geschonte Nerven sind hier sicher die Hauptaspekte. Stellt sich nur noch die Frage, ob im Falle von Büroimmobilien Chefs und Vorstände auf ihr Privileg eines aufzugnahen Parkplatzes missen möchten? Clemens Techmer beobachtet, dass tatsächlich zunehmend auf solche Privilegien der Geschäftsführung explizit verzichtet werde. Überraschend und sympathisch gleichermaßen: „Oft kommt dieser Wunsch sogar direkt von der Geschäftsführung selbst, die mit gutem Beispiel vorangehen möchte“, so Techmer. Und so kann jeder einmal in den Genuss kommen, den Wagen bis vor zum Treppenhaus oder Aufzug vorzufahren.

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