Smart Building & Gebäudesicherheit

Ein Händchen für Sicherheit?

29. Juli 2022, 6:30 Uhr | Autorin: Diana Künstler
Haus Sicherheit
© sqback/123rf

Ob Zugangskontrollen, die unbefugtes Eindringen erkennen und einen Notruf absetzen, oder intelligente Systeme: Smart Buildings agieren immer autarker und fördern somit auch die Gebäudesicherheit. Doch wie „intelligent“ – vor allem mit Blick auf die Sicherheit – sind die Gebäude wirklich?

  • Wie weit ist die Digitalisierung des Smart Buildings in Deutschland vorangeschritten?
  • Wie schlägt sich die Gebäudesicherheit im Vergleich zu anderen Smart-Building-Teilgebieten?
  • Was umfasst die Gebäudesicherheit generell?
  • Was umfasst die Gebäudesicherheit speziell in Wohngebäuden?
  • Was sollte man schon bei der Planung bedenken?
  • Welche Handlungsempfehlungen geben Experten?

Dass die Digitalisierung im Bereich „Bau und Infrastruktur“ Chancen und Möglichkeiten bietet, ist längst kein Geheimnis mehr: Von effizienteren Energielösungen bis zu nachhaltigen Bauweisen lassen sich viele Vorteile generieren. Soweit die Theorie. In der Praxis hapert es bisweilen noch an der entsprechenden Umsetzung. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in seiner 2021 veröffentlichten Smart Buildings-Studie1, in der erstmalig sowohl der Status quo von smarten Gebäuden erfasst als auch ein einheitliches Reifegradmodell aufgezeigt werden.

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Die BVDW-Studie
Wie „smart“ Gebäude in Deutschland tatsächlich sind, ließ sich bis dato nicht genau feststellen. Weder gab es eine Bestandsaufnahme noch ein Modell für die Feststellung der verschiedenen Reifegrade. Aus diesem Grund hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW) im März 2021 eine gemeinsame Smart-Buildings-Studie mit Otis und mm1 Consulting herausgegeben. Sie soll zeigen, welche Bedeutung Smart Buildings zukünftig für eine nachhaltige Stadtplanung besitzen. Zudem fasst sie den Stand zur Smartness von Gebäuden zusammen, identifiziert Chancen und Hemmnisse bei der weiteren Entwicklung und stellt Lösungsansätze vor. Einige wichtige Aspekte der Studie „Smart Buildings: Erfolgskritische Trends und Anwendungsfälle für Gebäudeplanung und Betrieb“ stellt dieser Smarthouse Pro-Beitrag vor.

Digitalisierung steht erst am Anfang

Im Allgemeinen ergibt sich in der Studie ein homogenes Bild über alle sieben betrachteten Anwendungsbereiche – Energieversorgung, Beleuchtung, Brandschutz, Wasserversorgung, Klimatisierung/Lüftung, Aufzug und Gebäudesicherheit – hinweg: Die Digitalisierung im Gebäudebereich steht erst am Anfang. Konkret wurden im Rahmen der Marktforschung die ExpertInnen auch nach dem Smartness-Level von Neubauten und Vorhaben zur Modernisierung von Bestandsbauten befragt, um den Status quo zu beleuchten. Betrachtet wurden vor allem große Nichtwohngebäude, wie zum Beispiele Bürogebäude und Gebäudekomplexe der Wohnungswirtschaft. Freistehende Privathäuser wurden bei der Untersuchung ausgeschlossen. Die ExpertInnen haben je Anwendungsbereich den Anteil der Neubauten und Vorhaben zur Modernisierung über sechs Smartness-Levels eingeschätzt (siehe Abbildung).

Smart Building
Abgebildet ist der prozentuale Anteil der Gebäude nach Reifegrad je Anwendungsbereich. Trotz der Homogenität der Ergebnisse lassen sich Unterschiede zwischen einzelnen Anwendungsbereichen erkennen. Während die Bereiche der Wasserversorgung und der Beleuchtung den unteren Reifegradstufen zugeordnet sind, also als am wenigsten smart eingeschätzt wurden, sind die Bereiche Gebäudesicherheit und Brandschutz fortgeschrittener.
© „Smart Buildings: Erfolgskritische Trends und Anwendungsfälle für Gebäudeplanung und Betrieb“, BVDW (2021)

In allen Bereichen sind etwa die Hälfte bis zu zwei Drittel der Gebäude der Stufe 0 („Not digitized“) und der Stufe 1 („Controlled“) zuzuordnen. Dieser Anteil der Gebäude befindet sich auf einem geringen Reifegradniveau in puncto Digitalisierung, obwohl es sich um Neubauten beziehungsweise um Modernisierungsmaßnahmen von Bestandsbauten im Zeitfenster 2019 bis 2023 (Fertigstellung und Planung) handelt. Dieser hohe Anteil der Anwendungsbereiche auf Stufe 0 und 1 zeigt deutlich, dass die Digitalisierung im Gebäudebereich noch in den Kinderschuhen steckt.

Gleichwohl lassen sich Unterschiede zwischen einzelnen Anwendungsbereichen erkennen: Die Ergebnisse zeigen, dass sich über alle Bereiche hinweg etwa ein bis zwei Fünftel der betrachteten Gebäude auf Stufe 0 befinden und dementsprechend bisher noch nicht digitalisiert sind. Im Bereich der Wasserversorgung sind 39 Prozent der Gebäude bisher noch nicht digitalisiert. Hier ist das größte Potenzial für einen Einstieg in die Digitalisierung zu heben. Die Anwendungsbereiche der Gebäudesicherheit, Aufzuganlagen und Brandschutzmaßnahmen sind mit einem bisher nicht digitalisierten Anteil von etwa einem Fünftel am weitesten fortgeschritten.

Gebäudesicherheit und Brandschutz am weitesten fortgeschritten

Der größte Anteil der Gebäude befindet sich auf Stufe 1 („Controlled“). Das heißt, zwischen einem Viertel und einem Drittel der Gebäude verfügen je Anwendungsbereich über Sensorik und Aktorik. Diese sind jedoch nur lokal und nicht automatisiert über einen Fernzugriff steuerbar. Stufe 2 („Connected“) ist mit einem durchschnittlichen Anteil von 14 bis 22 Prozent bereits weit verbreitet. Auf dieser Reifegradstufe können das Monitoring und die Steuerung der Anwendungen über Fernzugriff, das heißt remote, erfolgen. Für die Anwendungsbereiche Gebäudesicherheit, Brandschutzmaßnahmen und Aufzuganwendungen ist hierbei der höchste Anteil zu verzeichnen. Die Anwendungsbereiche der Gebäude, die sich auf Stufe 3 („Integrated & transparent“) befinden, verfügen über ein Gebäudemanagementsystem, über das der digitale Zwilling des Gebäudes verwaltet werden kann. Diese Stufe des Reifegradmodells wird je nach Anwendungsbereich von acht bis 18 Prozent der Gebäude erreicht. Der Bereich der Brandschutzmaßnahmen sticht mit einem Anteil von knapp einem Fünftel hervor. Die Gebäudesicherheit ist mit zwölf Prozent hier im guten Mittelfeld vertreten.

Die Unterschiede zwischen den Anwendungsbereichen auf den letzten zwei Stufen sind laut den Studien-Autoren vernachlässigbar, denn für die restlichen drei Reifegradstufen zeichnet sich über alle Anwendungsbereiche ein ähnliches Bild ab. Das heißt, die Nutzung von digital sehr weit fortgeschrittenen Produkten und Lösungen unterscheidet sich kaum zwischen den Anwendungsbereichen.

Facetten der Gebäudesicherheit

© eQ-3
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© Siedle & Söhne

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Was umfasst die Gebäudesicherheit?

Gebäudesicherheit Facetten
Teilgebiete der Gebäudesicherheit
© jacekkita/123rf

Im Fokus steht die Sicherheit der Menschen im Gebäude. Sowohl Vorrichtungen aus dem Bereich der Haustechnik (wie Sicherungs- beziehungsweise Überwachungstechnik) als auch bauliche Maßnahmen (zum Beispiel einbruchshemmende Türen und Fenster) können dazu beitragen, die Sicherheit eines Gebäudes zu verbessern. Eine sichere Zugangskontrolle kann autorisierte Personen am Eingang beispielsweise authentifizieren, jegliches unbefugtes Eindringen erkennen und bei Bedarf einen Notruf absetzen. Intelligente Kamera- und Türsysteme bilden hierfür die Grundlage. Zur Sicherheit trägt auch die Steuerung der Anfahrt von Fahrzeugen bei. Via App erhalten Mitarbeitende schon während der Anfahrt Informationen zur Parkplatzsituation im Haus, um beispielsweise frühzeitig einen Ausweichparkplatz aufsuchen zu können. Weiter Beispiele für entsprechend zum Einsatz kommende Technik:

  • Videoüberwachungssysteme
  • Brandmeldesysteme mit VdS-Zertifizierung
  • Brandbekämpfungssysteme wie Sprinkleranlagen oder CO2-Löschanlagen
  • Überfallmeldesysteme
  • Einbruchmeldesysteme
  • Sabotageschützte Schlösser und Schließanlagen
  • Klimatisierungsanlagen zur Entrauchung von Treppenhäusern durch Überdruck

Um die Stand- und Verkehrssicherheit von baulichen Anlagen zu gewährleisten, erfolgt eine regelmäßige Überwachung des baulichen Zustandes eines Gebäudes. In Deutschland erfolgt dies entsprechend „VDI 6200 – Standsicherheit von Bauwerken“ sowie der „Richtlinie für die Überwachung der Verkehrssicherheit von baulichen Anlagen des Bundes“ (RÜV).

Facetten der Gebäudesicherheit im Wohngebäude

Dieter Michel, Siedle & Söhne
Dieter Michel, Leiter Produktmanagement für Innenstationen, IP-Systeme, Zutrittskontrolle bei Siedle: „Es gibt viele gute Argumente für Video-Überwachung am Eingang, nicht zuletzt die Wertsteigerung beziehungsweise höhere Wertigkeit von Wohnbauprojekten. Handel und Integratoren können mit hochwertiger Video-Technik bessere Lösungen anbieten und profitieren durch mehr Umsatz.“
© Siedle & Söhne

Wie „Connected“, „Controlled“ und „Integrated“ entsprechend der genannten Smart-Level-Einstufung sich nun der Anwendungsbereich der Gebäudesicherheit – speziell im Smart Home – darstellt, darum soll es im folgenden Abschnitt gehen. Dass die Sicherheit von Gebäuden dabei weitaus mehr zu bieten hat als die einzelnen Elemente einer „klassischen“ Alarmanlage, davon ist Skander Kaafar, Vice President Sales & Marketing bei eQ-3, überzeugt. Sensoren und Alarmgeber seien seiner Meinung nach immer noch die grundlegenden Bausteine einer Gebäudesicherung, doch durch die bereichsübergreifende, intelligente Vernetzung würden sich heute viel mehr Möglichkeiten bieten. Ein Beispiel dafür sind smarte Rauchwarnmelder. Lösen diese einen Alarm aus, kommunizieren sie nicht nur untereinander, damit Bewohner in jedem Raum eines Hauses gewarnt werden, sondern sie steuern auch smarte Rollladen- und Jalousie-Aktoren im Gebäude an. Daraufhin werden die Beschattungselemente automatisch hochgefahren, um mögliche Fluchtwege freizugeben – das kann im Notfall Leben retten. Hinzu kommt die Alarmierung per Push-Nachricht auf dem Smartphone. So merkt der Nutzer auch unterwegs, dass daheim etwas nicht stimmt und kann Nachbarn oder gleich die Behörden alarmieren.

Ein weiterer Aspekt ist die Sicherung von Fenstern und Eingängen, verbunden mit einer Zutrittssteuerung – zum Beispiel mittels eines individuellen Codes oder einer biometrischen Zutrittslösung (Fingerabdruck). „So kommen nur berechtige Personen ins Haus, die aber dafür jederzeit und ganz ohne Schlüssel oder Smartphone“, so Kaafar. Gleichzeitig lassen sich darüber die Alarmfunktionen des Smart Homes steuern. Sind Hüll- oder Vollschutz aktiviert, melden Tür- und Fensterkontakte sofort jedes Öffnen per Push-Nachricht und lösen gegebenenfalls Alarm aus.

„In der Gebäudekommunikation ist eine Sprechanlage mit hochwertiger Videokamera wesentlich für die Sicherheit, am besten in Kombination mit mobiler Türkommunikation“, ergänzt Dieter Michel, Leiter Produktmanagement für Innenstationen, IP-Systeme, Zutrittskontrolle bei Siedle. „Auf diese Weise können Nutzer den Türruf per App auch auf dem Mobilgerät empfangen, wenn sie sich zum Beispiel im Garten aufhalten oder unterwegs sind. Mit einem mobilen Live-Videobild sehen sie auf ihrem Smartphone, wer gerade klingelt, und sie können mit der Person sprechen und dann gezielt die Tür öffnen. Eine Video-Sprechanlage trage zudem zum Einbruchschutz bei; eine Videokamera neben der Haustür kann auf Einbrecher abschreckend wirken. Ein datenschutzkonformer Bildspeicher zeige außerdem an, wer während der Abwesenheit geklingelt hat, so Michel.


  1. Ein Händchen für Sicherheit?
  2. Was im Vorfeld bedacht werden sollte

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