Fachkräftemangel

„Coca-Cola-Rezept“ für die Personalgewinnung

Fachkräftemangel Candidate Flow
© Kurhan/123rf

Die Agentur für Mitarbeitergewinnung Candidate Flow verspricht geeignete Kandidaten für offene Stellen in kürzester Zeit zu finden. Dabei hilft eine eigens entwickelte Technologie auf Basis von Machine Learning – Details zur Funktionsweise verrät Co-Gründer Dimitrij Krasontovitsch jedoch nicht.

Smarthouse Pro: In einem Video auf der Candidate-Flow-Seite auf Facebook bezeichnen Sie den Fachkräftemangel als Mythos oder auch als Ausrede von SHK- und Elektrobetrieben, weswegen diese keine geeigneten BewerberInnen und MitarbeiterInnen finden würden. Gewagte Worte. Was meinen Sie damit konkret?
Dimitrij Krasontovitsch: Nun, Fachkräftemangel ist von der Wortwahl einfach nicht passend. Es gibt viele ausgebildete Elektroniker, aber die, die man wirklich im Betrieb einstellen möchte, sind deutlich weniger.

Smarthouse Pro: Warum ist das so?
Krasontovitsch: Weil eine Ausbildung und Berufserfahrung nicht alles ist. Es kommt auf die Soft Skills an, wie selbstständiges Arbeiten, lösungsorientiertes Denken, im Team zusammenarbeiten, Identifikation mit dem Betrieb und mit der Arbeit und dem damit verbundenen Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit. Schon wird die Luft deutlich dünner. Auch für uns als Marketing-Agentur für Fachkräftegewinnung ist es ein sehr großes Thema, Mitarbeiter zu finden, obwohl wir sehr viele Bewerbungen auf unsere offenen Stellen erhalten. Deshalb würde ich es nicht Fachkräftemangel nennen, sondern einen Kampf um die besten Köpfe.

Smarthouse Pro: Und wie ist das mit dem Fachkräftemangel als Ausrede?
Krasontovitsch: Die Grundfrage hinter meiner Aussage ist die: Wie viel unternehmerische Energie wird durch die Inhaber eines Betriebes in das Thema Mitarbeitergewinnung wirklich gesteckt? Die Antwort aus mehr als 400 Gesprächen mit Inhabern: eindeutig zu wenig. Diejenigen, die sehr bewusst den Fokus auf die Lösung richten, haben kaum Probleme, Mitarbeiter zu finden. Sie gehen unorthodoxe Wege und machen genau das, was Unternehmer tun: Sie finden Lösungen und sind bereit, persönlich Zeit und Geld zu investieren.

Smarthouse Pro: Haben Sie dazu ein Beispiel?
Krasontovitsch: Ein Inhaber hatte es satt, um erfahrene Fachkräfte zu kämpfen und entschloss sich daher, seine Energie zu 100 Prozent in die Azubi-Gewinnung zu stecken. Er wusste, dass er für ein Umfeld sorgen musste, in dem sich Azubis wohl fühlen. Eine seiner Maßnahmen war es, ein Haus für Azubis zu bauen in der Nähe des Betriebes – eine Art Azubi-WG. Mit gemeinsamer Küche, einem Aufenthaltsraum mit Kickertisch, Playstation und einem schönen, großen Grill.

Smarthouse Pro: War der Ansatz erfolgreich?
Krasontovitsch: Erstaunlicherweise blieben nach der Lehre zwei Drittel der Gesellen auch die nächsten Jahre bei ihm im Betrieb, statt wegen einem bisschen mehr Gehalt zu wechseln. Seit fünf Jahren hat dieser Inhaber kaum nach erfahrenen Fachkräften gesucht, während alle in seiner Region verzweifelt um Mitarbeiter kämpfen und sie sich gegenseitig abwerben.

Smarthouse Pro: Sicher ein Beispiel mit Vorbildcharakter. Aber größtenteils sieht es anders aus, oder?
Krasontovitsch: Bei uns melden sich täglich zwischen fünf und zehn Inhaber mit dem Wunsch, das Thema Fachkräftegewinnung nachhaltig zu lösen. Wir bieten dafür eine ausführliche Beratung an, die gelegentlich mit folgenden zwei Sätzen zum Einstieg von den Inhabern kommentiert wird: „Ich habe nicht viel Zeit und ich möchte sie mir auch nicht nehmen“ oder „Sagen Sie mir kurz, wie die Lösung aussieht und was es kostet“. Daran merkt man sofort, was die Denkweise ist: Kein wirklicher Fokus auf das Thema Mitarbeitergewinnung. Meine klare These dazu: Wenn man als Inhaber nicht mindestens zwei Stunden pro Woche selbst aktiv das Thema Mitarbeitergewinnung in die Hand nimmt und vorantreibt, darf man keine Lösung erwarten. Punkt!


  1. „Coca-Cola-Rezept“ für die Personalgewinnung
  2. Die Candidate-Flow-Methode
  3. Gebietsschutz und Geld-zurück-Garantie?

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