Holger Laudeley

Nachgefragt: Balkonkraftwerke für die Steckdose

2. Mai 2014, 13:53 Uhr | Sebastian Voigt
Dipl.-Ing. (FH) Holger Laudeley, Jahrgang 1963. Lebt mit seiner Frau in Ritterhude, Niedersachsen.
Dipl.-Ing. (FH) Holger Laudeley, Jahrgang 1963. Lebt mit seiner Frau in Ritterhude, Niedersachsen.
© Thomas Gasparini

Am 24.04.2014 berichtete die elektrobörse smarthouse ausführlich über das von Holger Laudeley und Axel Joost neu gegründete Unternehmen e.cube systems GmbH & Co. KG aus Ritterhude ...

Aufgrund der großen Resonanz zum Thema Klein-PV-Anlagen und das Einspeisen in die Steckdose aus unserem Artikel »Balkonkraftwerk für die Steckdose« haben wir für Sie bei Holger Laudeley nachgehakt. Die e.cube systems GmbH & Co. KG hat darin ein Solarmodul mit integriertem Wechselrichter, Controller und Lithium-Ionen-Speicher ausgiebig im Feld getestet.

Lesermail an elektrobörse smarthouse: »Ich dachte der direkte Anschluss von PV-Anlagen an eine Steckdose wäre in Deutschland nicht erlaubt und jetzt machen Sie sogar Werbung dafür. War das Absicht, oder haben Sie andere Erkenntnisse?«

Elektrobörse smarthouse nahm für Sie diese Frage auf und ließ Holger Laudeley Stellung beziehen.

Dipl.-Ing. (FH) Holger Laudeley: »Die Stadtwerke Norderstedt haben ein Modul von MiniJoule begutachtet und positiv für ihre Netze bewertet, in dem der gleiche Wechselrichter verbaut ist, wie in den Modulen von e.cube systems, die letztlich für die Balkonsolaranlage in Norderstedt benutzt wurden.
Generell werden alle e.cube-Kunden zu der Verwendung der Module von uns beraten. So sind von den in Norderstedt verbauten Modulen nicht mehr als 6 an einen Stromkreis anzuschließen.«

elektrobörse smarthouse:  »Herr Laudeley, bei den Verteilnetzbetreibern häufen sich inzwischen Anfragen zu den Anschlussbedingungen solcher Klein-PV-Anlagen. Laut DIN VDE 0100-551 ist die Einspeisung in einen Endstromkreis nicht zulässig. Immer wieder ist von einer Gefahr durch die unkontrollierte Überlastung des Stromkreises zu hören. Wie stehen Sie zu diesem Punkt?«

Dipl.-Ing. (FH) Holger Laudeley: » Die genannte VDE-Regel enthält in allen anderen Ländern einen Absatz, der nur in Deutschland außer Kraft gesetzt ist. Hier geht es genau um die Thematik, unter welchen Bedingungen die Einspeisung in Endstromkreise zulässig ist.
Bedenken Sie bitte: In jedem zweiten Solarmodul von e.cube ist – wie im System von Norderstedt auch – ein Stromspeicher und ein Controller integriert, der so eingestellt ist, dass er über Nacht seine Kapazität von 240 Wh entlädt (gleichmäßig, 8 Stunden). Damit werden Standby-Verbraucher wie elektrische Zahnbürsten, Ladegeräte oder Router versorgt. Hier von einer Gefahr für »Leib und Leben« zu sprechen, wie es etwa der VBEW suggeriert, ist nicht sinnhaft. Dazu empfiehlt e.cube systems die Reduktion der Sicherung des entsprechenden Stromkreises von 16 auf 10 A. VDE-konform durch einen Elektriker ist auch die Umwandlung des Endstromkreises, an den die Module angeschlossen sind, in einen Versorgungskreis problemlos möglich (durch Außerbetriebnahme einzelner Steckdosen). Außerdem soll eine Anzeige der Inbetriebnahme der Anlage beim Energieversorger oder Netzbetreiber erfolgen. Dies ist auch im Falle der Anlage in Norderstedt durch den Anlagenbesitzer passiert.«

 

Holger Laudeley ist – wie andere Hersteller von Plug-In-Solarmodulen auch – seit mehreren Monaten u.a. mit dem VDE in Gesprächen, um deren Bedenken gegenüber Plug-In-Solarmodulen auszuräumen. Zu diesen und weiteren Themen der Energiewende wird er in der Juni-Ausgabe der elektrobörse smarthouse - pünktlich zur Intersolar - ausführlich berichten.


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