Interview mit Solarwatt

»Glas-Glas-Modulen gehört die Zukunft«

11. November 2016, 8:58 Uhr | Jens Secker, BrunoMedia GmbH
Achim Parbel, Vertriebsleiter der Solarwatt GmbH
Im Gespräch mit Achim Parbel, Vertriebsleiter der Solarwatt GmbH.
© Solarwatt GmbH

Im PV-Markt der Vergangenheit haben sich kurzlebige Glas-Folien-Module durchgesetzt. Heute stehen der Eigenverbrauch und die Langlebigkeit im Mittelpunkt. Das Glas-Glas-Modul wird wichtiger. Doch was unterscheidet die Grundtypen? Antwort darauf gibt Achim Parbel, Vertriebsleiter der Solarwatt GmbH.

Herr Parbel, worin genau liegen die Unterschiede zwischen Glas-Folien- und Glas-Glas-Modulen?
Wie der Name schon sagt, ist bei Glas-Glas-Modulen eine Glasscheibe nicht nur auf der Vorderseite montiert, sondern auch auf der Rückseite. Die Zelle liegt bei diesem symmetrischen Aufbau genau in der Mitte, dem sogenannten neutralen Bereich, und ist vor Beschädigungen geschützt. Glas-Folien-Module sind dagegen asymmetrisch aufgebaut, da die Solarzelle zwischen einer Glasscheibe auf der Vorderseite und einer dehnbaren Folie auf der Rückseite liegt. Bei diesem Aufbau kann die ultradünne Siliziumzelle bei Belastung des Moduls, beispielsweise durch Schnee oder Wind, auf Zug beansprucht werden. Dabei kann die Zelle reißen und bei wiederholtem Belasten sogar einen sogenannten »Hotspot« entwickeln.

Zellrisse führen dann direkt zu einer Verringerung der Modulleistung?
Genau. Wenn mehrere Zellrisse zusammen kommen, kann das schon zu toten Zellbereichen führen, was natürlich die Leistung des Gesamtmoduls mindert. Bei Glas-Folien-Modulen kann ein Belastungstest durch Sandsäcke schon nach dem ersten Mal zu einem Leistungsverlust von etwa drei Prozent führen; bei Glas-Glas-Modulen ist er unendlich oft ohne Leistungsverlust wiederholbar. Die Solarzelle kann dort mechanisch nicht geschädigt werden. Hinzu kommt, dass eine Glasscheibe im Gegensatz zu einer Plastikfolie undurchlässig ist. Feuchtigkeit und Sauerstoff diffundieren mit der Zeit durch die Folie und beschädigen die empfindlichen Zellen. Auch Schadgas oder Ammoniak können durch die Folie nach und nach eindringen, was bei Glas-Glas-Modulen nicht passieren kann. Die Zelle ist also mechanisch und bezüglich möglicher Umwelteinflüsse geschützt, was insbesondere für die neuen Hochleistungszelltechnologien, die zurzeit auf den Markt kommen, wichtig ist. Glas-Glas ist also eine Technologie der Zukunft, weil sie auch für zukünftige Zellgenerationen und Entwicklungen geeignet ist.

Glas-Glas-Module sind durch die Doppelverglasung allerdings deutlich schwerer als herkömmliche Glas-Folien-Module, oder?
Es ist richtig, dass es bezüglich des Gewichts früher große Unterschiede zwischen den beiden Modularten gab, was vor allen Dingen an der Dicke des Glases lag. Mittlerweile ist die Differenz allerdings nicht mehr besonders groß. Bei Glas-Glas-Modulen der neuesten Generation werden heutzutage 2 mm dünne Scheiben auf Vorder- und Rückseite verwendet, sodass das Gesamtgewicht eines Moduls bei rund 23 kg liegt. Das ist für einen Installateur gut machbar. Glas-Folien-Module sind nur etwa drei bis vier Kilogramm leichter. Noch vor wenigen Jahren war es aber technisch noch nicht möglich, solch eine dünne Glasscheibe thermisch zu härten, deshalb wurde häufig auf 4 mm dickes Glas zurückgegriffen. Mittlerweile haben wir die Kompetenz dafür aber aufgebaut und sind in der Lage, auch dünne Glasscheiben so zu bearbeiten, dass sie quasi »unkaputtbar« sind – auch bei hoher Belastung.

Wie werden die Module getestet und wie schneiden die verschiedenen Modelle ab?
Es gibt verschiedene Methoden, um die Widerstandsfähigkeit bzw. die Langlebigkeit von Modulen zu testen. Die IEC-Norm 61215 schreibt beispielsweise einen Hagelschlagtest vor, bei dem 25 mm große Hagelkörner mit einer Geschwindigkeit von 23 m pro Sekunde auf die Module geschossen werden. Wir haben unsere 2-mm-Scheiben sogar mit 45 mm großen Körnern getestet, was der sechsfachen Masse entspricht und diese sind unversehrt geblieben. Beim »Damp-Heat-Test« (Feuchte-Wärme-Test, Anm. d. Red.) wird die Alterung der Zelle überprüft. Hierbei wird ein tropisches Klima mit einer Temperatur von 85 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 85 Prozent simuliert. Glas-Folien-Module verlieren schon nach etwa 2000 Stunden einen bedeutenden Teil ihrer Leistungsfähigkeit, weil warme Feuchtigkeit durch die Folie dringt und die Zellen angreift. Bei Glas-Glas ist selbst nach mehr als 5000 Stunden kein Leistungsabfall erkennbar.

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Glas-Glas-Module erbringen konstante Leistung.
Glas-Glas-Module erbringen konstante Leistung.
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Und das rechtfertigt den höheren Preis?
Glas-Glas-Module sind in der Anschaffung tatsächlich etwas teurer, rechtfertigen aber den höheren Preis durch eine längere Lebensdauer und eine höhere Wirtschaftlichkeit. Im Vergleich zu einem Glas-Folien-Modul produzieren Glas-Glas-Module über den von uns garantierten Zeitraum von 30 Jahren etwa 25 Prozent mehr Strom. Die Leistung von Glas-Glas bleibt über einen sehr langen Zeitraum konstant, während die Zellen bei herkömmlichen Glas-Folien-Modulen langsam aber sicher degradieren. Dabei hält das Glas-Glas-Modul noch deutlich länger als die garantierten 30 Jahre. Deshalb nennen wir es auch das »Generationen-Modul«.

Worauf sollten Endkunden und Installateure beim Kauf eines Glas-Glas-Moduls achten?
Glas-Glas-Module sollten in jedem Fall gerahmt sein, denn offen liegende Glaskanten sind bei der Installation sehr empfindlich, selbst wenn das Glas speziell gehärtet wurde. Ungerahmte Modelle müssen in der Regel geklemmt werden, was zu Spannungen in der Glasscheibe und im Extremfall zu Glasbruch führen kann. Darüber hinaus sollten die verwendeten Zellen von einem zertifizierten Zell-Hersteller kommen und entsprechend geprüft und zertifiziert sein. Nur so ist eine lange Lebensdauer gewährleistet. Und dann wäre da noch die Garantiezeit der Module: Wir geben auf unsere Glas-Glas-Module beispielsweise eine Produkt- und Leistungsgarantie von 30 Jahren, was sich in den kommenden Jahren zum neuen Standard im Markt entwickeln wird.

Herr Parbel, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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