Brandschutz bei Solaranlagen

»Es gibt keine allumfassende Norm«

11. November 2017, 17:10 Uhr | Jens Secker, BrunoMedia GmbH
Feuerwehr löscht Brand auf einem Dach mit Solaranlage.
© riopatuca/Shutterstock.com

Rund 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen sind hierzulande aktuell installiert. Doch welche grundsätzlichen Fragen zum Thema Brandschutz sollten bereits bei der Planung und Installation der Anlage beachtet werden? Und was muss die Feuerwehr im Fall eines Brandes beherzigen?

Wenn die Sonne scheint, erzeugt eine PV-Anlage knapp 1000 V Gleichspannung. Diese Spannung liefern in der Regel mehrere zusammengeschaltete Solarmodule. Eine Besonderheit von Solaranlagen ist dabei, dass man sie nicht einfach so abschalten kann. Denn solange Licht auf die Module fällt, geben sie elektrische Energie ab. Diese wird dann einem Wechselrichter zugeführt, der 230 V Wechselspannung bereitstellt und im Idealfall dem Stromkreis des Haushalts zuführt.

Die Energiewende in Deutschland hat Fahrt aufgenommen, immer mehr Hausbesitzer setzen heute auf PV-Anlagen, ebenso wie Schulen, Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe. Mit wachsender Zahl von PV-Anlagen steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Gebäudebrand auch einmal eine Solaranlage beteiligt ist. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten sich Hausbesitzer und Handwerker bereits bei der Planung und Installation der Anlage an
einige wichtige Regeln halten.


Fachgerechte Installation bringt Sicherheit

Das Thema Brandsicherheit von PV-Anlagen ist für die Solarindustrie nichts Neues, meint Peter Schumann, Entwicklungsingenieur bei Solarwatt in Dresden. »Aspekte des vorbeugenden Brandschutzes sind bei der Produktion der Module und Systeme geregelt. Dabei gibt es allerdings keine allumfassende Norm, sondern mehrere Teilregelungen wie die Niederspannungsrichtlinie«, sagt Schumann. Auch für die elektrische Sicherheit gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen. Denn nur durch eine fachgerechte Planung, Installation und Instandhaltung werden mögliche Risiken minimiert.

Bereits der Aufbau und die Befestigung der Unterkonstruktion der Anlage spielen eine entscheidende Rolle. So ist bei der Installation des Gestellsystems auf die geschützte Verlegung der Kabel zu achten, damit keine Zugspannung entsteht und sie über den langen Zeitraum ihrer Nutzung widrigen Witterungseinflüssen standhalten. »Wichtig ist, dass sämtliche Installationen fachgerecht durchgeführt werden. Eine mangelhafte Montage kann im Nachhinein zu Problemen führen«, erklärt Schumann. Werden die Solaranschlüsse beispielsweise mit der Kombizange statt mit Spezialwerkzeug angebracht oder nicht kompatible Stecker verwendet, kann sich daraus später eine Schwachstelle entwickeln.

 

Baurechtliche Regelungen beachten

Der bauliche Brandschutz wird durch die Einhaltung baurechtlicher Regelungen gewährleistet. Bei der Errichtung einer Solaranlage ist grundsätzlich das Brandschutzkonzept des jeweiligen Gebäudes zu beachten. Es umfasst Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Brände entstehen und sich im Gebäude ausbreiten. Des Weiteren sollten darin Informationen enthalten sein, wie Menschen oder Tiere im Brandfall gerettet werden können und wie ein Löschangriff aussehen sollte. Dabei sind einige Regelwerke zu beachten, beispielsweise die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), die Landesbauordnung (LBO) und die Muster-Industriebau-Richtlinie (MIndBauRL).

Grundsätzlich gilt, dass die Funktionen vorhandener technischer Brandschutzeinrichtungen sowie von Brand- und Gebäudetrennwänden durch die Installation einer PV-Anlage nicht beeinflusst werden dürfen. »Eine Brandschutzwand trennt mögliche Brandabschnitte ab, um die Ausweitung eines Feuers auf andere Räume oder Gebäude zu vermeiden«, weiß Schumann. Brandwände zwischen mehreren Gebäuden dürfen beispielsweise nicht mit einer PV-Anlage überbaut werden.

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