Die Stadt als Speicher

Herten speichert Energie virtuell

7. Juli 2016, 14:46 Uhr | Cornelia Meier

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Ein Jahr bis zum Anlagen-Fahrplan

Informations- und Kommunikationstechnik ist das Rückgrat des virtuellen Speichers. Jan Gall, Mitarbeiter bei der Robert Bosch GmbH, kümmert sich um die Installation.
Informations- und Kommunikationstechnik ist das Rückgrat des virtuellen Speichers. Jan Gall, Mitarbeiter bei der Robert Bosch GmbH, kümmert sich um die Installation.
© Hertener Stadtwerke

Auf Basis aktueller Wetter- und Preisprognosen wird ein bestmöglicher Fahrplan für jede Anlage berechnet. Bei einem geringen Strompreis kann angenommen werden, dass gerade viel PV- und Windenenergie im Stromsystem verfügbar ist. Elektrische Verbraucher wie Wärmepumpen und Speicherheizungen werden dann zugeschaltet. Ist der Preis jedoch hoch, werden die BHKW eingesetzt und produzieren sowohl Strom als auch Wärme. Die Wärmespeicher puffern die Wärme der jeweiligen Anlagen und stellen dabei sicher, dass der Komfort zu keiner Zeit beeinträchtigt wird.

Das Team des Lehrstuhls für Energiewirtschaft der Universität Duisburg-Essen hat die Aufgabe, die wirtschaftlichen Potenziale des virtuellen Speichers zu evaluieren. Dabei werden sowohl die aktuellen Marktbedingungen und das regulatorische Umfeld für die Bewirtschaftung von flexiblen dezentralen Stromerzeugern und -lasten betrachtet wie auch mögliche Zukunftsszenarien. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen dann neue Produkte und Geschäftsfelder für die Stadtwerke entwickelt werden. Zunächst jedoch sind die Experten gefragt, mit Prognosedaten und Netzberechnungen auf dem zentralen Server die Kapazitäten des virtuellen Speichers in Herten und Wunsiedel mit den realen Daten über ein ganzes Jahr zu ermitteln und daraus die entsprechenden Fahrpläne für die Anlagen zu erstellen.

Tarife, Zeitfenster, Smart Meter und Gateways
Wo viele kleine PV-Anlagen, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke, Energiespeicher und Smart-Home-Systeme in privater Hand die Richtung vorgeben, sind innovative Konzepte und Geschäftsmodelle gefragt. Auch, wenn heute noch niemand absehen kann, wie hoch der Grad der Dezentralität und die konkrete Ausgestaltung der damit zu regelnden Details sein wird, besteht doch die Gewissheit: Die Dezentralität treibt gleichzeitig die Zahl der Marktteilnehmer hoch. Neue Tarife, andere Zeitfenster und Takte, zusätzliche Anforderungen an Smart Meter und Gateways werden dafür grundlegend sein und müssen sachgerecht genormt und geregelt werden.

Ende 2017 erwarten die Forscher die Ergebnisse des Feldtests. Die Forscher wollen dann testen, inwieweit sich die Ergebnisse übertragen lassen.

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