Interview mit Dr. Andreas Gutsch

»Der Preis kennt immer nur eine Richtung«

20. Juni 2016, 9:00 Uhr | Cornelia Meier
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Knapp 35.000 Batteriespeicher wurden bislang installiert. Jetzt soll der Durchbruch gelingen. Wie dies erreicht werden soll und welche technischen Aspekte bei einem neuen Speichersystem zu beachten sind, erklärt Dr. Andreas Gutsch, Geschäftsführer des Technologie­zentrums Solarwatt Innovation.

Speicherexperte wechselt zu Solarwatt

Dr. Andreas Gutsch ist Europas führender Spezialist in der Lithium-Ionen-Batterietechnik und verantwortet als Geschäftsführer des Technologiezentrums Solarwatt Innovation die Weiterentwicklung des Solarwatt Stromspeichers »MyReserve«. Er studierte zunächst Chemie-Ingenieurswesen an der Universität Karlsruhe. Nach seiner Promotion begann der heute 51-Jährige seine berufliche Laufbahn bei der Degussa AG, wo er zu Beginn die Forschung rund um Nanomaterialien leitete und später die Führung des Firmenbereichs »Global Innovationmanagement« übernahm. Hier beschäftigte er sich insbesondere mit Advanced Materials, Biotech und Lithium-Ionen. Noch während seiner Zeit bei Degussa war Dr. Gutsch Mitgründer und anschließend auch Geschäftsführer der Li-Tec Battery GmbH. Das Unternehmen aus dem sächsischen Kamenz entwickelte sich unter der Beteiligung der Daimler AG schnell zu einem der wichtigsten Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen in Europa. Seit 2011 leitete Dr. Gutsch das Projekt »Competence-E« am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das sich mit der nachhaltigen und kostengünstigen Erzeugung, Speicherung und Nutzung elektrischer Energie beschäftigt. Im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten ist er in Gremien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft vertreten.

 

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Herr Dr. Gutsch, gibt es ohne Stromspeicher keine Energiewende?
Stromspeicher werden einen signifikanten Beitrag zur Energiewende leisten, das ist sicher. Aber ob die Energiewende zu einhundert Prozent von Speichern abhängt? Mit dieser Aussage wäre ich eher vorsichtig. Wir benötigen die Systeme vorrangig für den Tag/Nacht-Ausgleich im Zusammenhang mit Photovoltaik. Der Solarstrom spielt für die Energiewende insgesamt eine wichtige Rolle, da die Stromerzeugung durch die Sonne einfach zu dezentralisieren ist. Wind ist schon wieder deutlich zentraler aufgebaut: Der Strom wird häufig in einem Windpark gewonnen und muss dann unter Umständen in Stromtrassen weiterverteilt werden. Bei Photovoltaik muss nicht viel in die Infrastruktur investiert werden, da der Strom immer häufiger dezentral erzeugt und auch verbraucht wird.

Sie waren vor Ihrem Engagement bei Solarwatt Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und haben jetzt den Sprung in die freie Wirtschaft gewagt. Was waren die Gründe dafür?
Ich habe nach meiner Promotion bereits bei Degussa und als Geschäftsführer der Li-Tec-Battery GmbH Erfahrungen in der freien Wirtschaft sammeln können. Deshalb war das für mich jetzt auch kein großer Schritt. Gerade in der Solarindustrie arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft ja traditionell recht eng zusammen, um neue Innovationen zu entwickeln und voran zu treiben. Zudem hat mich das Gesamtkonzept rund um den Solarwatt-Batteriespeicher »MyReserve« überzeugt, denn ich selbst habe mich mit dem Thema Lithium-Ionen-Speicher schon mehr als zehn Jahre sehr intensiv beschäftigt. Gemeinsam werden wir das System jetzt sinnvoll erweitern.  

Dr. Andreas Gutsch verantwortet als Geschäftsführer des Technologiezentrums Solarwatt Innovation die Weiterentwicklung des Batteriespeichers »MyReserve«.
Dr. Andreas Gutsch verantwortet als Geschäftsführer des Technologiezentrums Solarwatt Innovation die Weiterentwicklung des Batteriespeichers »MyReserve«.
© Solarwatt

In Deutschland sind bei rund 1,5 Millionen PV-Anlagen momentan etwa 35.000 Batteriespeicher installiert. Warum zögern die Kunden noch?
Sie haben recht, dass es in der Vergangenheit eine zögerliche Haltung der Endkunden gegenüber Batteriespeichern gegeben hat. Das lag aber vor allen Dingen daran, dass die damaligen Systeme nie wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben waren. Wir können aber erkennen, dass der Markt momentan richtig an Fahrt aufnimmt, denn die Speicher sind jetzt endlich auch wirtschaftlich effizient. Von Zögern kann deshalb aktuell keine Rede mehr sein. Und dieser Effekt wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken: In zehn Jahren wird bei einem Hausbau ein Speicher möglicherweise genauso standardmäßig verbaut wie heute eine Heizung oder das Telefon. Das ist zumindest unsere Wunschvorstellung. Das bedeutet, dass wir als Hersteller auf dem Weg zum Massenmarkt schon heute Elemente entwickeln müssen, die es uns zukünftig erlauben, weiter eine kostenführende Rolle einzunehmen.

Was sind momentan die wichtigsten Argumente von Endkunden bzw. Installateuren für oder gegen ein spezifisches System?
Für beide Gruppen ist der Preis das Wichtigste. Und der kennt auch in diesem Bereich nur eine Richtung – weiter nach unten. Darüber hinaus müssen wir differenzieren: Für den Handwerker ist beispielsweise eine effiziente Installation des Gesamtsystems von größter Bedeutung. Ist der Speicher modular aufgebaut und das Maximalgewicht der Einzelkomponenten begrenzt, kann der Batteriespeicher von einem einzigen Installateur in kürzester Zeit montiert werden. Für den Endkunden ist außerdem die Optik wichtig, bevor es zu einer Kaufentscheidung kommt. Dazu kommen dann natürlich auch wichtige Kennzahlen wie der Wirkungsgrad des Systems und die Zyklenzahl der Batteriemodule. Doch davon abgesehen, spielen auch noch andere technische Faktoren eine große Rolle.

Welche wären das?
Das hängt natürlich ganz stark davon ab, in welcher Konstellation der Batteriespeicher verwendet werden soll. Wird er beispielsweise in ein bestehendes PV-System integriert, muss er generell mit verschiedenen gängigen Wechselrichtern zusammenarbeiten, ohne dass für den Kunden irgendwelche Nachrüstkosten anfallen. Dabei sind Stromspeicher, die auf die DC-Technologie setzen besonders wirtschaftlich, da der geladene Strom immer grün ist. Die nachrüstbaren AC-gekoppelten Speicher können hingegen nie sicherstellen, dass sie nicht doch mal grauen Netzstrom in die Batterie laden, was dann die Effizienz des gesamten Energiesystems wieder schmälert. In DC-Speichern ist tatsächlich nur sauberer Ökostrom zu finden, was wiederum den Eigenverbrauch erhöht.


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  2. Technische Voraussetzungen und Sicherheit

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