Schwerpunkte

Verbundgruppen

Ein schwieriger Spagat

24. April 2019, 14:54 Uhr   |  Autor: Stefan Adelmann

Ein schwieriger Spagat
© 123rf

Die Verbundgruppen stehen unter Druck, die Umsätze stagnieren oder sind rückläufig. Besonders der Spagat zwischen Online-Geschäft und stationärem Handel stellt nach wie vor eine Herausforderung dar. Es gibt aber auch erste Erfolge mit dem Konzept Omnichannel vorzuweisen.

Durchwegs rund scheint das vergangene Jahr für Deutschlands drei große Elektronik-Verbundgruppen nicht gelaufen zu sein: Electronic Partner spricht von einem „schwierigen Marktumfeld“, Euronics von einem „herausfordernden Marktumfeld“ und Expert von einem „spannungsreichen Branchenumfeld“. Der Fachhandel steht unter starkem Druck, das spüren auch die Einkaufskooperationen, die eine tragende Säule der hiesigen Handelslandschaft für Heimelektronikprodukte sind. Traditionell hatten Electronic Partner, Euronics und Expert ihre Mitglieder im ersten Quartal des Jahres zu ihren Hausmessen geladen und zu diesen Gelegenheiten einen Strategie-Einblick gewährt sowie teils die eigenen Ergebnisse vorgestellt.

Durchaus zufrieden zeigte sich dabei Euronics zum Start des Jubiläumsjahres des 50-jährigen Bestehens auf dem Euronics Kongress in Leipzig. Wachstum gab es zwar nicht zu vermelden, aber der Außenumsatz blieb 2018 im Vergleich zum Vorjahr immerhin stabil auf 3,4 Milliarden Euro. Die Verbundgruppe führt dieses Ergebnis unter anderem auf das „zukunftsfähige Set-up“ inklusive Erweiterung der Geschäftsführung, die Weiterentwicklung der Ladenbaukonzepte, Qualifizierungs- und Unterstützungsmaßnahmen sowie nicht zuletzt die Cross-Channel-Retail-Strategie zurück. Letztgenannte hat Euronics weiter ausgebaut und stellt mit diesem vielschichtigen Konzept, an dem die Mitglieder freiwillig teilnehmen können, unter Beweis, dass sich Verbundgruppen und E-Commerce trotz enormer Herausforderungen in der Umsetzung nicht ausschließen. Entsprechend positiv fällt das Ergebnis aus, der Online-Umsatz über euronics.de konnte mit 75 Prozent „deutlich über Planung gesteigert werden“. So freue man sich laut Vorstandssprecher Benedikt Kober, dass man das vergangene Geschäftsjahr mit stabilem Ergebnis abschließen konnte. „Es zeigt sich, dass wir mit unseren Strategien und Maßnahmen wie Cross-Channel-Retail für Händler tragfähige und zukunftsträchtige Lösungen für wichtige Themen wie Digitalisierung, Margenstabilisierung oder Frequenzsteigerung entwickeln.“ Mit Blick auf die Produktbereiche sollen sich bei der Weißen Ware besonders Einbaugeräte und smarte Gebäudetechnik sowie Kaffeevollautomaten, Saugroboter, Akku-Sticks und Klimageräte einer hohen Nachfrage erfreut haben.

Mitbewerber Electronic Partner musste für das vergangene Jahr hingegen einen Umsatzrückgang von minus 2,1 Prozent auf rund 1,66 Milliarden Euro vermelden. Zu dieser Negativentwicklung scheint vor allem die Flächenmarktkette Medimax beigetragen zu haben, die  vor wenigen Monaten eigentlich mit Notebooksbilliger.de fusionieren sollte. Doch kurz vor Jahresende platzte der geplante Deal. Laut einem Bericht im „Handelsblatt“ gab es seitens des Internet-Versandhändlers offenbar Befürchtungen, die eigene Online-Agilität durch die Fusion mit der stationären Medimax-Kette einzuschränken. Jetzt will Electronic Partner in den kommenden Monaten bei Medimax eine höherwertige Sortimentsgestaltung und eine „nochmalige qualitative Verbesserung der Beratungskompetenz“ umsetzen, um die Marke wieder auf Kurs zu bringen. „2018 hat die Branche vor viele Herausforderungen gestellt: ob Jahrhundertsommer oder eine Fußballweltmeisterschaft, die hinter den Erwartungen zurückblieb. Wir sind froh, dass wir vor diesem Hintergrund in vielen Bereichen eine positive Entwicklung verzeichnen konnten“, erklärt Electronic-Partner-Vorstand Karl Trautmann. „Für alles andere haben wir uns strategisch und operativ entsprechend aufgestellt und gehen unsere Aufgaben engagiert an.“ Zu den genannten positiven Entwicklungen gehört allem voran die Fachhandelsmarke EP, deren Umsatz um 1,5 Prozent zulegte. Trautmann macht die gute Entwicklung unter anderem an der gestarteten „Qualitätsoffensive“ fest. Eine hochwertige Präsentation am PoS sowie eine kompetente Beratung im Markt sollen weiterhin Schwerpunkte bei EP sein.

Frank Harder
© Expert

Frank Harder,Vorstand für Vertrieb, Marketing und E-Commerce bei Expert 

Wechsel an der Spitze
Eine holprige Entwicklung hat auch Expert hinter sich. Zwar veröffentlicht die Verbundgruppe ihre Ergebnisse immer erst zur Jahresmitte, der überraschende Abgang des Vorstandsvorsitzenden Jochen Ludwig nach lediglich acht Monaten im Amt spricht jedoch für Turbulenzen. Stefan Müller, seit Dezember des vergangenen Jahres neuer Mann an der Spitze, habe die eigenen Aktivitäten von Expert daraufhin einer „ehrlichen Bestandsaufnahme“ unterzogen und resümiert: „Wir sind davon überzeugt, dass der Fachhandel trotz tiefgreifender Veränderungen auch in Zukunft von essenziellem Wert sowohl für den Kunden als auch Industriepartner sein wird. Gerade angesichts umfassender Vernetzungsmöglichkeiten und zunehmender Komplexität der Geräte wächst die Bedeutung unserer klassischen Stärken.“

Die Strategieeinblicke der drei Verbundgruppen zeigen, wie herausfordernd es nach wie vor ist, ein zukunftssicheres Gleichgewicht zwischen den „klassischen Stärken“, also dem stationären Handel, sowie einer erfolgreichen Online- und Omnichannel-Strategie zu finden, die zusehendes von den Endkunden gefordert und durch die Marktdominanz von Amazon und Co. diktiert wird. Hinzu kommt die Hürde, jeweils eigene Akzente zu setzen und somit auch untereinander für Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Euronics hat mit seiner Cross-Channel-Retail-Strategie sicherlich eine Vorreiterrolle im Online-Geschäft eingenommen – steigert somit aber auch das Risiko, dass Kunden aus den Ladengeschäften fernbleiben und sich Mitglieder, die rein auf den stationären Verkauf setzen, benachteiligt sehen. Bereits Anfang des vergangenen Jahres erklärte Vorstandssprecher Kober aber, dass das stationäre Geschäft trotz Stärkung des Online-Kanals weiterhin Vorrang haben soll.

Mit der Qualitätsoffensive bekennen sich Electronic Partner und EP hingegen ganz zum stationären Handel und wollen diesen weiter stärken. Expert verfolgt mit der auf den persönlichen Austausch fokussierten Kampagne „Expert Extra“ sowie dem rund um Smart-Home-Produkte aufgestellten PoS-Konzept „Expert Connect“ einen ähnlichen Kurs, will aber auch den Online-Kanal stärken. „Die Grenze zwischen online und offline spielt für den hybriden Kunden keine Rolle mehr“, erklärt Frank Harder, Vorstand für Vertrieb, Marketing und E-Commerce bei Expert. Es gelte deswegen, dem Kunden sowohl stationär als auch im Netz systematisch und aktiv zu begegnen und hier wie dort seine Erwartungen zu erfüllen. Neben „hervorragender Arbeit auf der Fläche“ muss die Verbundgruppe daher laut eigenen Angaben auch bestehende Online-Potenziale erschließen, die entsprechenden Prozesse sollen daher verbessert werden.

Noch zeichnet sich aber kein Königsweg ab, die Verbundgruppen befinden sich in konstanter Bewegung, entwickeln ihre Konzepte weiter, in vielen Bereichen mit Erfolgen, allerdings auch Rückschlägen. Dass der Fachhandel jedoch trotz aller Turbulenzen auch im Jahr 2019 eine weiterhin starke Stellung gegenüber den Online-Pure-Playern hat, stellt nicht nur EP, sondern auch Euronics unter Beweis: Nicht zuletzt aufgrund der Jubiläumsmaßnahmen konnte die Verbundgruppe laut eigenen Angaben 2019 den besten Jahresstart aller Zeiten vorweisen.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Expert AG