Energiewende braucht Digitalisierung

ZVEI will eine All-Electric-Society

17. Mai 2022, 10:33 Uhr | Lukas Steiglechner
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Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hat sich im Rahmen seines Jahreskongresses für die Entwicklung einer All-Electric-Society als Ziel ausgesprochen. Dabei sollen verschiedene Punkte umgesetzt werden, um die Energiewende mithilfe der Digitalisierung zu bewältigen.

„Wir stehen vor Mammutaufgaben“, sagte Verbandspräsident Dr. Gunther Kegel am 17. Mai im Vorfeld des Jahreskongresses des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI). „Herausforderungen wie Klimaschutz und Digitalisierung dulden keinen Aufschub mehr.“ Lösungen biete die Elektro- und Digitalindustrie schon länger, nun gelte es, zusammenzuarbeiten, damit diese breiter zum Einsatz kommen: Politik, Gesellschaft und Industrie. „Der Wandel der Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit liegt in unser aller Tun – unsere Branche ist bereit.“

Der Schlüssel für eine klimafreundliche Zukunft ist laut Kegel die All-Electric-Society. In ihr stehen Elektrifizierung, Digitalisierung und die Kopplung aller klimarelevanten Sektoren wie Wärme, Verkehr und Gebäude im Zentrum. Erneuerbarer Strom, dezentral erzeugt, ist der wichtigste Energieträger. Auf diese Weise können 90 Prozent des zukünftigen Energiebedarfs gedeckt und der Primärenergiebedarf in Deutschland bis 2045 um 40 Prozent gesenkt werden.

Vier Punkte sind aus Sicht des ZVEI dafür umzusetzen:

  1. Der Ausbau für erneuerbare Energien muss enorm anziehen. „Das Tempo, das beim Bau von LNG-Terminals aktuell angeschlagen wird, brauchen wir auch bei Windkraft und Solarenergie“, so der ZVEI-Präsident. „Nur so befreien wir uns schneller vom Import fossiler Energieträger und können den stetig steigenden Strombedarf aus erneuerbaren Quellen speisen.“ Voraussetzung sei, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren tatsächlich beschleunigt werden. Dr. Kegel: „Wenn die Politik die richtigen Vorgaben macht, werden die notwendigen Investitionen folgen.“ Dem sogenannten „Oster-Paket“ der Bundesregierung müsse jetzt ein Maßnahmenpaket aus einem Guss folgen.
  2. Die Energie- und Stromeffizienz muss sich verbessern. „Die Hebelwirkung der Energieeffizienz wurde bisher sträflich vernachlässigt. Dabei kann mit ihr deutlich mehr Energie eingespart werden, als an regenerativen Energiequellen in Deutschland hinzugebaut werden könnte. Der größte Hebel ist die Elektrifizierung und dadurch ein zunehmender Verzicht auf Verbrennungsprozesse selbst. Weitere Maßnahmen zur Energieeffizienz müssen konsequenter gefördert und gefordert werden“, mahnt Kegel an.
  3. Auch wenn die EEG-Umlage bald fällt – der Strompreis bleibt zu hoch. Und mit einem Anteil von 33 Prozent an Steuern und Umlagen wird der Energieträger, der die Energiewende am meisten voranbringt, weiterhin stark belastet. „Das ist grotesk“, sagte Kegel und forderte: „Es muss genau andersherum sein: Die Stromsteuer muss sich am Treibhausgasgehalt des Energieträgers ausrichten. Für Strom aus erneuerbaren Energien heißt das, die Steuer muss abgeschafft werden.“
  4. Der Strombedarf wird bei den Klimazielen steigen, allein in Deutschland um 50 Prozent bis 2030. Das bedeutet höhere Aus- und Belastung der Netze. Also müssen die Netze ausgebaut und modernisiert werden, sonst drohen sie zum Nadelöhr der Energiewende zu werden. Die Digitalisierung der Netze muss hierbei im Fokus stehen.

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Rechtssicherheit für die Datenökonomie schaffen

Auch mit Blick auf die Digitalisierung sieht der ZVEI großen Handlungsbedarf. „In Deutschland gibt es weiterhin zu viele schwarze Löcher, von einer Gigabitgesellschaft sind wir Lichtjahre entfernt“, mahnt Dr. Kegel und fordert auch hier mehr Tempo. Zudem seien grundlegende Rechtsfragen der Datenökonomie endlich zu klären. „Die Bundesregierung muss Datenwirtschaft und Künstliche Intelligenz als Chance begreifen und darf Innovationen nicht durch überbordende Regulierung behindern.“ Die Regulierung müsse zwischen industriellen und konsumentennahen Anwendungen unterscheiden – und für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette das Datenteilen und Datennutzen erleichtern. „Über 80 Prozent der Daten, die von Produkten oder Dienstleistungen der deutschen Elektro- und Digitalindustrie für ihre Kunden oder sich selbst erzeugt werden, sind nicht personenbezogen“, so der ZVEI-Präsident. „Die Unternehmen brauchen Klarheit, wie sie diesen Datenschatz erhalten und nutzen können.“

Der ZVEI hat im Rahmen seiner dem Jahreskongress vorgeschalteten Mitgliederversammlung seinen neuen Markenauftritt gelauncht. Als Zielbild hat der Verband der Elektro- und Digitalindustrie die Entwicklung einer All-Electric-Society ausgegeben. Der ZVEI ist überzeugt, dass die beiden Megatrends Elektrifizierung und Digitalisierung den Weg in eine nachhaltige Gesellschaft ebnen und dass sie geeignet sind, dem globalen Klimawandel entgegenzutreten und die Energiesouveränität zu steigern.


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