Gfu-Studie zu CE und Home Appliances

Kaufverhalten ändert sich drastisch

16. April 2020, 14:06 Uhr | Antje Müller
Online-Kaufverhalten relativ stabil
Laut gfu-Studie sind keine extremen Zuwächse beim Online-Kaufverhalten in den Segmenten Consumer Electronics und Hausgeräte festzustellen.
© pixabay

Eine Untersuchung der gfu bescheinigt drastische Veränderungen und Einschnitte im Kauf- und Konsumverhalten seit der Pandemie. Seit April 2020 schnellen coronabedingte IT-Anschaffungen in die Höhe und Zuwächse im Online-Handel gewinnen an Fahrt.

Dass sich Bürgerinnen und Bürger mit den bundesweiten Einschränkungen seit April vorwiegend nicht mehr an öffentlichen "Marktplätzen" aufhalten und sich ihr geschäftliches Leben und Handeln nun in die privaten Räume verlagert, ist in vielen Ländern nicht nur die Kür, sondern auch Pflicht. Was lange gut zu trennen war, gilt es jetzt mit dem Privaten in Einklang zu bringen. Mit den verschobenen Grenzen zwischen öffentlichen und privaten Leben stellt die gfu nun auch gravierende Veränderungen beim Medienkonsum und Kaufverhalten der Deutschen im Consumer-Electronics- und Hausgeräte-Markts fest. Größere Investitionen werden nicht nur früher als geplant getätigt, vor allem auch freizeitbedingte Anschaffungen im Bereich der Unterhaltungselektronik nehmen zu. Trotz aller Krisenstimmung zeigt sich jedoch Zuversicht in Hinblick auf die Entwicklung der Segmente nach Corona.

Mehr vorgezogene und nicht geplante Käufe

Insbesondere IT- und Kühl- sowie Gefrierkombinationen stehen unter den befragten Bürgerinnen und Bürgern hoch im Kurs. Viele vorgezogene Käufe bewegen sich zur verstärkten Bevorratung von Lebensmitteln im Segment Kühl-/Gefrierkombinationen und 86 Prozent kauften sogar ein größeres Gerät als ursprünglich geplant. Deutlich mehr vorgezogene oder auch nicht geplante Käufe verzeichnen die Untersuchungsergebnisse zudem unter IT-Produkten wie beispielsweise Notebooks, Tablet-PCs und PC-Monitore. Offenkundig scheint dies auf die höheren Anteile an vollständiger Homeoffice-Nutzung (21 Prozent) beziehungsweise Wechsel zwischen Büro und Heimarbeit (18 Prozent) und die Zuwächse an Homeschooling zurückzugehen. Die Entwicklung im Bereich der Smartphone-Anschaffung stagniert dementgegen und wird Ergebnissen zufolge häufiger verschoben, da die Beratung der Netzbetreiber für den Vertragsabschluss zurzeit nur online möglich ist.

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Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu
Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu, bilanziert zur Studie: „In allen Segmenten des Consumer-Electronics- und Hausgeräte-Markts kann man erkennen, dass geplante Anschaffungen verschoben werden."
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Online-sein zählt - zum Informieren wie Unterhalten

Das pausierende Kultur- und Freizeitleben zwingt zugleich zum Umdenken und verlangt nach Alternativlösungen der Bürgerinnen und Bürger. Deutlich angestiegen sind laut gfu infolge Einkäufe von E-Produkten wie E-Reader und Spielkonsolen, die sich um 40 beziehungsweise 14 Prozent erhöhten. Aufgrund vielerorts geschlossener Geschäfte und damit ausbleibender Beratung im Fachhandel werden Produkteinschätzungen anhand verstärkter Online-Recherchen zu Eigenschaften und Preisen vorgenommen. Dies bestätigen insbesondere 57 Prozent der Käufer von Kühl- und Gefrierkombinationen, 56 Prozent der Käufer von E-Readern sowie 39 Prozent der TV-Käufer. Entgegen der Annahmen sind jedoch keine extremen Zuwächse beim Online-Kaufverhalten festzustellen. Nur 17 Prozent der Befragten kaufen öfter Dinge des alltäglichen Bedarfs online, während 77 Prozent ihr Verhalten nach eigener Aussage nicht verändert haben.

Mit dem coronabedingten erhöhten Informationsbedarf vollzieht sich ebenso eine verstärkte Nachfrage an Nachrichten, die alle relevanten Kanäle abdeckt. Ob im Bereich Internet (68 Prozent), TV (67 Prozent), Radio (39 Prozent), Zeitungen und Zeitschriften (26 Prozent) oder auch unter den Podcasts (13 Prozent) – alle Informationsmedien lassen Zuwächse verzeichnen. Doch nicht nur zweckmäßiges Informieren steht auf der Agenda, auch freizeitgetriebenes Verhalten wie Surfen (54 Prozent), Telefonieren (45 Prozent), lineares Fernsehen (42 Prozent) und Streamen sowie Nutzung von Mediatheken (36 Prozent) beschäftigt die Befragten verstärkt. Den non-medialen Ausgleich schaffen sich Befragte dagegen durch Rückbesinnung auf klassische Aktivitäten im Privat- und Haushaltsbereich und bestätigen Zuwächse beim Kochen & Backen (37 Prozent), Aufräumen (37 Prozent), Putzen (29 Prozent), Renovieren (23 Prozent), Aktivitäten mit der Familie (28 Prozent) und vor allem auch Lesen von Büchern und Zeitschriften (30 Prozent).

Bilanz zur Marktentwicklung

Trotz aller wirtschaftlicher und anderer Unsicherheiten bilanziert gfu-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim Kamp eine Markthebung für die Segmente des Consumer Electronics und der Hausgeräte. So seien die nicht gestiegenen Anteile an Online-Käufen ein Beleg für das "Vertrauen der Konsumenten in die Beratungs-Kompetenz des stationären Handels". Längerfristige Veränderungen prognostizieren fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) mit der Zustimmung zur verlagerten Produktion von Fernost nach Europa. Mit dieser Zuversicht ist das Aufgehoben geplanter Anschaffungen wohl vielmehr als Aufgeschoben zu deuten.


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