Warnung vor Insolvenzwelle

Handwerkspräsident drängt auf rasche Hilfe

13. September 2022, 8:00 Uhr | Quelle: dpa / Redaktion: Diana Künstler
Hans Peter Wollseifer, ZDH
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks
© ZDH/Boris Trenkel

Die Preissteigerungen gehen bei vielen Handwerksbetrieben an die Substanz. Die Extra-Kosten können sie nur zum Teil weitergeben. Handwerkspräsident Wollseifer schlägt Alarm. Vielen stünde das Wasser inzwischen bis zum Hals.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, fordert angesichts von Preissteigerungen rasche staatliche Hilfe für Betriebe. Vor allem für energieintensive Betriebe habe sich die Lage dramatisch verschärft, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Vielen steht das Wasser inzwischen bis zum Hals“, so Wollseifer. „Und diese Betriebe gehen unter, wenn ihnen nicht schnell ein Rettungsring aus direkten und unbürokratischen Härtefallhilfen zugeworfen wird.“

Zeitverzögerte Maßnahmen reichten nicht, betonte Wollseifer. „Um eine Insolvenzwelle im Handwerk zu verhindern, muss die Unterstützung jetzt kommen. Und sie muss für die betroffenen Betriebe einfach zu beantragen sein.“

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Gestörte Lieferketten, gestiegene Preise

In einer aktuellen Befragung des ZDH zu den Folgen des Ukraine-Kriegs1 mit einigen Tausend Teilnehmern berichteten klagten 87 Prozent über gestörte Lieferketten und gestiegene Beschaffungspreise. Bestehende Aufträge würden unwirtschaftlich: 70 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie mit Aufträgen faktisch Verluste erzielten. „Vielen Betrieben fehlen schlicht die Mittel, um eine solche Durststrecke zu überstehen“, warnte Wollseifer.

Die allermeisten Betriebe (88 Prozent) berichteten von gestiegenen Kosten für Strom und Wärme seit Jahresbeginn, und zwar im Mittel um 62 Prozent. Besonders im Lebensmittel- und Kfz-Handwerk ist dies laut Umfrage ein Problem. Nur die wenigsten konnten den Kostenanstieg komplett an ihre Kunden weitergeben, 70 Prozent gaben an, dies zumindest teilweise zu können, 27 Prozent gar nicht. Das liege unter anderem an fehlender Zahlungsbereitschaft von Kunden, der Bindung an bestehende Verträge und starkem Wettbewerb von Konkurrenten.

Preisgleitklauseln und flexiblere Fertigstellungsfristen

Wollseifer forderte eine stärkere Nutzung sogenannter Preisgleitklauseln bei öffentlichen Aufträgen. Diese machen es möglich, Preise für Waren oder Dienstleistungen im Nachhinein an gestiegene Kosten anzupassen. Während der Bund die Nutzung bei Bauaufträgen möglichst flächendeckend verlange, sei die Nutzung in Ländern und Kommunen noch lückenhaft, ermittelte der ZDH. Nötig sei auch mehr Flexibilität bei Fertigstellungsfristen, so der Verband. Bei keiner der ZDH-Sonderumfragen hätten sich so viele Betriebe beteiligt wie diesmal mit fast 4.200 Teilnehmern, so der Verband – auch nicht während der Corona-Pandemie.

Es sei richtig, dass die Bundesregierung das Energiekostendämpfungsprogramm, das energie- und handelsintensiven Unternehmen mit Zuschüssen hilft, branchenübergreifend für besonders betroffene Betriebe öffnen wolle, so Wollseifer. „Doch nun kommt es darauf an, dass es nicht bei einer Ankündigung bleibt, sondern diese Härtefallhilfe schnell so umgesetzt wird, dass betroffene Betriebe sie in diesem und im kommenden Jahr nutzen können.“ Darüber hinaus brauche es eine Abfederung der Energiekosten für kleine und mittlere Betriebe über eine Energiepreisbremse und eine Senkung der Energiesteuern auf die europarechtlich zulässigen Mindeststeuersätze.

1 https://www.zdh.de/fileadmin/Oeffentlich/Wirschaft_Energie_Umwelt/Themen/Umfragen/Sonderumfragen/Auswertung_Ukraine_KW17.pdf


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