E-Mobilität

Geladen – und gesichert?


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Nachgehakt bei ABL: E-Mobility-Sicherheit

Ilias Sfetkos, ABL
Ilias Sfetkos, Product Owner E-Mobility bei ABL. Das Familienunternehmen aus Franken gilt als einer der Pioniere der Elektromobilität. Firmengründer Albert Büttner entwickelte 1925 den Schuko-Stecker, mittlerweile der weltweit meistverbreitete Standard für Steckvorrichtungen. Heute produziert ABL Wallboxen und Ladesäulen für den privaten, halböffentlichen und öffentlichen Einsatz.
© ABL

Welche sicherheitstechnischen Aspekte gilt es grundsätzlich beim Kauf, der Installation und auch nach der Inbetriebnahme einer Ladeinfrastruktur-Lösung im Privateinsatz zu berücksichtigen?

Ilias Sfetkos: Eine benutzerfreundliche, effiziente und vor allen Dingen sichere Ladeinfrastruktur macht das Laden von Elektrofahrzeugen zuverlässig und einfach und spielt somit eine wichtige Rolle für die Akzeptanz der Elektromobilität. Für Eigenheimbesitzer gilt es bei Installation und Inbetriebnahme einer Wallbox für das Laden Zuhause verschiedene Dinge zu beachten: Suchen Sie sich nicht nur einen Elektroinstallateur, sondern einen Elektroinstallateur, der auf E-Mobility spezialisiert ist. Es ist sehr zu empfehlen, sich von Anfang an einen E-Mobility-Experten an die Seite zu holen, denn bereits die Planungsphase ist entscheidend. Hier muss herausgefunden werden, was die Gegebenheiten vor Ort sind, um dann darauf basierend die richtigen Produkte zu wählen. Für den Laien und selbst für Installateure mit wenig oder sogar gar keiner Erfahrung mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge ist das sehr schwer zu beurteilen.

Ein wichtiger Teil der Planungsphase ist die korrekte Dimensionierung der Anschlussleitung. Für den sicheren Betrieb einer Wallbox muss sichergestellt werden, dass die Anschlussleistung ausreichend ist. Ist das nicht der Fall, kann auf Lastmanagement zurückgegriffen werden. Somit ist keine Verstärkung des Netzanschlusses notwendig. Ein Lastmanagementsystem führt zu einer Reduzierung der gleichzeitig auftretenden Leistungsspitze, wodurch die Anforderungen an die Dimensionierung der Installation reduziert werden können.

Wer sich eine Ladestation kaufen will, die höchste Sicherheitsstandards erfüllt, wählt am besten ein Produkt, das aus hochwertigen Bauteilen besteht. Zum Beispiel also eine Wallbox, in der anstelle eines Relais ein Schütz verbaut ist. Ein Schütz ist im Vergleich zu einem Relais die hochwertigere Lösung für das Starten und Beenden eines Ladevorgangs. Idealerweise wird bei der Trenneinrichtung auch eine Verschweißungserkennung hardwaretechnisch umgesetzt, um Fehlfunktionen im Laststromkreis zu vermeiden. Hier sprechen wir dann von einer sogenannten Welding Detection.

Welche Standards und rechtlichen Vorgaben sind in dem Zusammenhang aus Herstellersicht besonders hervorzuheben?

Sfetkos: Standards und Normen haben einen großen Einfluss auf die rasante Entwicklung im Bereich der Elektromobilität und spielen eine wichtige Rolle, um in absehbarer Zeit eine sichere Ladeinfrastruktur für die breite Masse zu gewährleisten. Besonders hervorzuheben ist die IEC 61851 -1 – Ed. 3. Diese Systemnorm ist sozusagen die Bibel für Lade-infrastruktur.

Die elektrische Installation der Ladestation sollte auf Übereinstimmung mit der DIN VDE 0100-722 geprüft werden. Diese Norm beschreibt die speziellen Anforderungen für die Energieversorgung von Elektrofahrzeugen. Die Norm fordert zum Beispiel für jeden Ladepunkt einen eigenen Endstromkreis mit einer separaten Absicherung und Fehlerstrom-Schutzeinrichtung. Wichtig hierbei: Sollte ladeinfrastrukturseitig keine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung installiert sein, muss diese nachgerüstet werden. Diese muss sowohl den Schutz von AC-Fehlerströmen als auch DC-Fehlerströmen von Elektrofahrzeugen gewährleisten. Um versteckte Kosten bei der Installation zu vermeiden, empfiehlt sich eine Wallbox mit integrierter DC-Fehlerstromerkennung und Typ A FI.

Wichtig ist auch die Melde- oder Genehmigungspflicht für Ladestationen. Eine Melde- oder Genehmigungspflicht für die Installation oder den Betrieb einer Ladestation kann durch Stromnetzbetreiber, Energieversorger oder nationale Vorgaben vorgeschrieben sein. In Deutschland besteht eine Meldepflicht gemäß §19 NAV.

Bezüglich technischer Standards sind Kommunikationsprotokoll und OCCP wichtige Schlagworte. Mittels Kommunikationsprotokoll kann ein externes System mit der Wallbox verbunden und damit die Ladestation gesteuert und überwacht werden. Die meisten Use Cases können mit OCCP realisiert werden, welches sich über die Jahre als Standard in der Elektromobilität etabliert hat. Neben OCCP kann die Anbindung einer Ladestation an ein Home Energiemanagementsystem (HEMS) über eine RS-485 oder Modbus-TCP-Schnittstelle erfolgen.

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  2. Ladestationen als Einfallstor
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