Schwerpunkte

Bekanntgabe der Materialstrategie 2023

Fairphone will weltweite Kreislaufwirtschaft fördern

05. März 2021, 06:52 Uhr   |  Diana Künstler

Fairphone will weltweite Kreislaufwirtschaft fördern
© Fairphone

Das niederländische Social Business Fairphone hat seine Materialstrategie 2023 bekanntgegeben und darin unter anderem die Top-14-Mineralien mit dem größten Potenzial ermittelt, um die Lieferkette weiter nachhaltig zu verbessern.

Das Unternehmen untersuchte die 50 am häufigsten bei der Herstellung von Mobiltelefonen verwendeten Stoffe und ermittelte die 14 Mineralien mit dem größten Potenzial, um die Lieferkette weiter nachhaltig zu verbessern: Aluminium, Kobalt, Kupfer, Gold, Indium, Lithium, Magnesium, Nickel, Kunststoffe, Seltene Erden, Silber, Zinn, Wolfram und Zink. Neben dem Fokus auf Wiederverwendung und Recycling werde das Unternehmen nach eigener Aussage seine Sourcing-Maßnahmen in den kommenden Jahren an dieser „Top 14-Liste“ ausrichten.

Kombination aus verantwortungsvollem Abbau und Recycling

Fairphone Nachhaltigkeit
© Fairphone

Das niederländische Unternehmen Fairphone setzt sich für transparentere und fairere Liefer- und Wertschöpfungsketten und damit für ethische Smartphones ein. Die aktuelle Strategie zur Materialbeschaffung ziele auf eine fairere Kreislaufwirtschaft ab und hat eine Kombination aus verantwortungsvollem Abbau und Recycling als Prämisse.

Die globale Elektronikindustrie ist ein schnell wachsender Sektor mit einer komplexen Lieferkette. Die in gängiger Unterhaltungselektronik wie zum Beispiel Smartphones vorkommenden Mineralien werden oftmals unter prekären Bedingungen wie unsicheren Minen oder durch Kinderarbeit abgebaut, gehandelt und zu verwertbaren Materialien für die Herstellung von Komponenten veredelt. Trotz dieser Faktoren sowie einer verheerenden Umweltzerstörung scheue, so Fairphone, die Elektronikindustrie die Auseinandersetzung mit dem Thema und setze mehr auf Recycling als Lösung für die Beschaffungsprobleme der Branche.

Tirza Voss, Sustainable Materials & Mining Manager bei Fairphone, erklärt: „Unsere Vision bei Fairphone ist klar: Wir wollen einen fairen Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft fördern. Wichtig ist, nicht nur in die Erhöhung des recycelten Angebots zu investieren, sondern auch sicherzustellen, dass bei den Materialien, bei denen der Bergbausektor in den kommenden Jahren ein wichtiger Lieferant bleibt, nachhaltiger gearbeitet und eine diversifizierte Entwicklung in den Schwellenländern vorangetrieben wird. Eine verantwortungsvolle Beschaffung bedeutet für uns, Probleme in der Lieferkette anzugehen und Chancen für Veränderungen zu nutzen, anstatt Risiken zu vermeiden. Wir wollen den Rest unserer Branche dazu inspirieren, unserem Ansatz für eine faire Materialbeschaffung zu folgen."

Fairphone analysierte über 50 Materialien, die in Smartphones Verwendung finden. In der Analyse wurden die 14 Mineralien mit dem größten Potenzial und Handlungsbedarf in Bezug auf Abbau, Beschaffung und Verbesserung der Lieferkette ermittelt. Die Bewertung erfolgte anhand einer Reihe von Kriterien und Fragen wie die folgenden:

  • Das erwartete Wachstum der Marktnachfrage in den kommenden Jahrzehnten und die Verfügbarkeit von recyceltem Angebot
  • Der Anteil der Elektronikindustrie an der weltweiten Nachfrage nach dem Material
  • Ist das Material für die Funktionalität von Smartphones entscheidend?
  • Wird es in zukünftigen Fairphone-Produkten und -Zubehör vorhanden sein?
  • Gibt es ernsthafte soziale und ökologische Probleme im Zusammenhang mit der Gewinnung oder dem Recycling des Materials?

In der Übergangszeit braucht es einen dualen Ansatz

Noch ist die Branche weit von einer weltweiten Kreislaufwirtschaft entfernt. Boukje Theeuwes, Head of Policy Influencing bei Solidaridad Europe, sagt: „Bei 44 Millionen SchürferInnen im Kleinbergbau, die zahlreiche Industrien mit lebenswichtigen Rohstoffen versorgen, ist die Vorstellung einer plötzlichen und vollständigen Umstellung auf recycelte Materialien utopisch. Heutzutage werden zwei Drittel des gelieferten Goldes neu abgebaut.“ In den kommenden Jahrzehnten werden das weltweite Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Entwicklung voraussichtlich sogar zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach Metallen und nichtmetallischen Mineralien führen, die für eine grüne Energiewende entscheidend sind. Ein Bericht der Weltbank geht davon aus, dass die Nachfrage nach einigen Mineralien bis 2050 um fast 500 Prozent steigen wird. Dennoch werden von dem gesamten anfallenden Elektronikschrott, der derzeit optimal recycelt wird, schätzungsweise nur fünf Prozent des Materials zur Wiederverwendung zurückgewonnen. Da der Bergbau in den kommenden Jahrzehnten eine Materialquelle sein wird, muss die Elektronikindustrie daran arbeiten, die Lieferkette für den Bergbau zu verbessern und zugleich das Angebot an recycelten Materialien zu erhöhen.

Das Ziel von Fairphone sei es nicht, Konflikt- und Hochrisikogebiete zu meiden, sondern an nachhaltigen Verbesserungen für die dort herrschenden sozialen und ökologischen Herausforderungen zu arbeiten. Denn, artisanaler und Kleinbergbau (ASM) sei eine besonders kritische Einkommensquelle für Millionen von Menschen. Aus diesem Grund konzentriere sich Fairphone auf diesen insbesondere, um Verbesserungen in diesem Sektor zu erreichen. Denn, man habe es sich zur Aufgabe gemacht, in der eigenen Lieferkette und bei den eigenen Produkten mit gutem Beispiel voranzugehen und sehe die Marktnachfrage als Katalysator für kontinuierliche Verbesserungen, die sich positiv auf die Menschen und den Planeten auswirken. Zudem sehe es der Hersteller als unumgänglich sich mit der breiteren Unterhaltungselektronikbranche zu vernetzen, um die Wirkung zu vergrößern.

Boukje Theeuwes, Head of Policy Influencing bei Solidaridad Europe, erklärt: „Wir unterstützen den Schritt in Richtung einer Kreislaufwirtschaft in den Lieferketten voll und ganz, aber in der noch verbleibenden langen Übergangszeit ist das Investieren in die Entwicklung von verantwortungsvollen ASM-Abbaupraktiken entscheidend. Das recycelte Material von morgen wird schon heute abgebaut. Wir brauchen einen dualen Ansatz, der das Recycling fördert und gleichzeitig durch Investitionen und Engagement sicherstellt, dass die Materialien, die jetzt abgebaut werden, verantwortungsvoll gewonnen werden. Das bedeutet, dass, wenn wir eine wirklich zirkuläre Versorgung erreichen, dies nicht auf Kosten der Bergleute, ihrer Gemeinden und der Umwelt geschehen wird."

Fairphone Roadmap 2023 (englisch)

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