Herbst-Konjunkturumfrage des ZVEH

E-Handwerk setzt auf erneuerbare Energien und ihre Technologien

10. Oktober 2022, 14:39 Uhr | Lukas Steiglechner
Technikerin schraubt an Photovoltaik-Anlage
© ArGe Medien im ZVEH

Der ZVEH hat im Rahmen seiner Konjunkturumfrage die elektrohandwerklichen Betriebe befragt, inwieweit erneuerbare Energien und Technologien wie Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur eine Rolle spielen. Die Ergebnisse zeigen: E-Unternehmen besetzen verstärkt die neuen Wachstumsmärkte.

Erneuerbare Energien sind essenziell für eine erfolgreiche Energiewende. Technologien wie Photovoltaik, Wärmepumpen, Batteriespeicher, Elektromobilität und intelligente Energiemanagementsysteme sind daher künftig zentral. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) wollte daher im Rahmen seiner Herbst-Konjunkturumfrage auch von seinen Innungsmitgliedern wissen, inwieweit diese Photovoltaik, Wärmepumpen und Elektromobilität für wichtig halten und ihr Geschäft danach ausrichten.

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Offenheit gegenüber Zukunftstechnologien

Wissen wollte der ZVEH unter anderem, welche Bedeutung die elektrohandwerklichen Betriebe generell den Bereichen „Photovoltaik“, „Wärmepumpen“ und „Ladeinfrastruktur für Elektromobilität“ beimessen, inwieweit sie hier bereits tätig sind und wie sich die Umsatzentwicklung verändert. Dabei zeigte sich: Die E-Handwerke stehen neuen Zukunftstechnologien grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Auf die Frage, wie wichtig sie es finden, dass elektrohandwerkliche Betriebe vor dem Hintergrund von Energiewende und -krise Leistungen im Bereich Photovoltaik anbieten, antworteten 93 Prozent der Befragten mit „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Bei Ladeinfrastruktur antworteten immerhin 86,4 Prozent mit „sehr wichtig“ oder „wichtig“, bei Wärmepumpen waren es 80,5 Prozent.

Ein Blick auf die Geschäftsfelder zeigt: Aktuell sind schon etwa 85 Prozent der Betriebe im Bereich „Elektromobilität“ tätig. Services rund um die Ladeinfrastruktur wie deren Planung, Einbau oder auch die Wartung sind damit fest in der Hand der E-Handwerke. Photovoltaik ist hingegen erst bei der Hälfte der befragten Unternehmen ein Thema: 47,7 Prozent sind schon im Bereich Photovoltaik tätig, insbesondere dort, wo es um gebäudenahe Anlagen geht. Noch ausbaufähig, aber im Kommen, sind Wärmepumpen. So gab immerhin ein Drittel der TeilnehmerInnen der Umfrage an, auch Wärmepumpen zu installieren.

Umsatzanteile im E-Handwerk
In allen drei Bereichen – Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur – sind die Umsatzanteile im E-Handwerk seit Frühjahr 2021 gewachsen. Im Bereich Photovoltaik haben sie sich in dem Zeitraum sogar verdoppelt.
© ZVEH

Das wachsende Engagement in den neuen Wachstumsmärkten spiegelt sich auch in der Entwicklung der Umsatzanteile wider. In allen drei Bereichen – Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur – stiegen die in diesen Bereichen generierten Umsätze. Dabei fällt der Anstieg im Bereich Photovoltaik sogar überproportional aus: Hier machen Services rund um PV-Anlagen mittlerweile 3,4 Prozent des Umsatzes der befragten e-handwerklichen Betriebe aus. Vor sechs Monaten hatte deren Anteil am Umsatz noch bei 2,5 Prozent gelegen. Bei den Wärmepumpen und im Bereich Ladeinfrastruktur stiegen die Umsatzanteile ebenfalls und machen bei Wärmepumpen nun 1,9 Prozent vom Gesamtumsatz aus (Frühjahr 2022: 1,5 Prozent). Im Bereich Ladeinfrastruktur gehen stattliche 5,6 Prozent des Umsatzes auf das Konto von Dienstleistungen rund um die E-Mobilität (Frühjahr 2022: 5,4 Prozent).

Potenziale der Technologien

„Wenn Sie aktuell noch keine Leistungen in diesem Bereich erbringen: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie bis Ende 2025 hier Leistungen anbieten werden?“ Auch das wollte der ZVEH von den TeilnehmernInnen der Konjunkturumfrage wissen. Schließlich braucht es für den Hochlauf von E-Mobilität und Photovoltaik sowie die Wärmepumpenoffensive der Regierung Zahlen, die E-Handwerk wie Politik eine verlässlichere Planung ermöglichen. Eine solche ist nicht zuletzt die Basis für eine nachhaltige Fachkräfte-Qualifizierung.

Potenzial scheint demnach vor allem die Solarenergie zu haben. So gibt ein Drittel der E-Unternehmen, die derzeit in diesem Bereich noch nicht aktiv sind, an, sich hier bis 2025 engagieren zu wollen – 18,4 Prozent halten es für „sehr wahrscheinlich“, 15,5 Prozent für „eher wahrscheinlich“. Ähnlich fielen die Antworten bei der Installation von Ladeinfrastruktur aus (13,2 Prozent „sehr wahrscheinlich“, 14,7 Prozent „eher wahrscheinlich“). Bei letzterer gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass hier bereits mehr als 85 Prozent der Betriebe tätig sind, das Wachstumspotential also begrenzt ist. In puncto Installation von Wärmepumpen antworteten 8,9 Prozent der Befragten mit „sehr wahrscheinlich“ und 18,6 mit „eher wahrscheinlich“.

Für diejenigen, die ein künftiges Engagement in den genannten Bereichen eher ausschlossen, sind vor allem zwei Argumente ausschlaggebend: Die neuen Geschäftsfelder passen nicht zum Kerngeschäft, was zum Beispiel auf Betriebe zutrifft, die konsequent auf Informationstechnik oder Elektromaschinen und Antriebstechnik spezialisiert sind. Oder es fehlt an MitarbeiterInnen für die Erschließung dieser neuen Geschäftsfelder. Bei der letztgenannten Gruppe könnte eine Verbesserung im Bereich der Fachkräfte-Versorgung unter Umständen ein Umdenken bewirken.

Qualifizierung als Schlüssel

Dass eine Vielzahl von Betrieben Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Wärmepumpen als zukunftsträchtige und lohnende Geschäftsfelder ausgemacht hat, zeigt die hohe Bereitschaft, MitarbeiterInnen dafür zu qualifizieren. 83,2 Prozent der UmfrageteilnehmerInnen, die angaben, sich bis Ende 2025 im Bereich Photovoltaik engagieren zu wollen, halten es für „sehr wahrscheinlich“ oder „eher wahrscheinlich“, dass sie Mitarbeitende entsprechend weiterbilden werden. Bei den Wärmepumpen waren es 80,6 Prozent, bei Ladeinfrastruktur 78,5 Prozent. Die Fachbetriebe, die zwar in den kommenden Jahren in den Wachstumsmärkten tätig sein wollen, aber keine Qualifizierung der Mitarbeitenden planen, nannten am häufigsten als Argument, dass ein Ausfall von Personal für die Zeit der Weiterbildung nicht verkraftbar wäre.

„Unsere aktuelle Konjunkturumfrage hat bestätigt, dass die elektro- und informationstechnischen Fachbetriebe derzeit über eine hohe Auslastung verfügen. Dass sie – trotz voller Auftragsbücher und Fachkräftemangels – den neuen Klimatechnologien gegenüber sehr aufgeschlossen sind und sich zunehmend in diesen zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern engagieren, bestätigt uns, dass unsere E-Handwerker voll hinter der Energie, Verkehrs- und Wärmewende stehen, diese tatkräftig unterstützen und somit einen wichtigen Beitrag als Klimaschützer und Fortschrittmacher leisten“, sagt Alexander Neuhäuser, stellvertretender ZVEH-Hauptgeschäftsführer.


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