Studie von Bitkom und ZDH

Die Digitalisierung durchdringt das Handwerk

5. März 2020, 11:00 Uhr | Lukas Steiglechner
Geschäftsmann hält digitalen Pfeil in der Hand, der nach oben zeigt.
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Deutsche Handwerksbetriebe setzen immer mehr auf die Digitalisierung. Die Hälfte nutzt bereits digitale Technologien und Anwendungen. Damit gehen aber Probleme einher, allen voran der Fachkräftemangel und hohe Kosten.

Eine neue Studie des Branchenverbands Bitkom und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zeigt, dass 53 Prozent der Handwerksbetriebe in Deutschland digitale Anwendungen beziehungsweise Technologien einsetzen. Niklas Veltkamp, der Bitkom-Geschäftsleiter, sieht darin Zukunftsmöglichkeiten für das deutsche Handwerk: "Digitale Technologien können den Arbeitsalltag erleichtern, Zeit sparen und Abläufe in den Betrieben enorm vereinfachen. Die Chancen sind riesig – jeder sollte sie ergreifen und die Potenziale der Digitalisierung für sein Unternehmen heben." Zwei Drittel der Unternehmen sehen die Digitalisierung als Chance für sich und über die Hälfte sieht darin eine Sicherung ihrer Existenz.

Alle Aspekte des Handwerks werden digitalisiert
Cloud Computing wird am häufigsten genutzt. 27 Prozent der 502 befragten Handwerksbetriebe nutzen die Cloud. Ebenso stark vertreten sind smarte Software (13 Prozent), Trackingsysteme (zwölf Prozent) und vorrausschauende Wartung (zehn Prozent). 3-D-Technik wird etwas seltener eingesetzt (sieben Prozent) genauso wie Drohnen und Roboter (jeweils fünf Prozent).

Die Kommunikation der Unternehmen findet immer mehr online statt. Fast alle Betriebe (97 Prozent) haben eine eigene Website. Drei von zehn Betrieben nutzen soziale Netzwerke und jeder fünfte Betrieb schaltet Werbeanzeigen im Internet. 14 Prozent sind auch auf Bewertungsplattformen wie MyHammer zu finden. Im Vergleich zum Jahr 2017 sieht man in allen diesen Bereichen ein Wachstum, nur der Bereich der Einträge in Online-Verzeichnisse ist um vier Prozent zurückgegangen.

In einem Drittel der Betriebe ist der Chef für die Online-Aktivitäten verantwortlich. Unternehmen nutzen immer mehr Möglichkeiten des digitalen Büros. 64 Prozent setzen Software-Lösungen ein. Über die Hälfte der Betriebe nutzt ein Customer-Relationship-Management-System und ungefähr ein Drittel ein Enterprise-Content-Management-System. 20 und 18 Prozent nutzen Software für Human Ressources und Enterprise Ressource Planning. Diese Bereiche sind seit 2017 ebenfalls alle gewachsen.

Zukunftschancen und Hürden
Digitale Anwendungen bringen viele Vorteile für die Handwerksbetriebe mit sich. Allen voran sparen sie sich Zeit, können Lagerung und Logistik verbessern und die Arbeitsorganisation aufwerten. 54 Prozent der Unternehmen sagen, dass die Digitalisierung ihre Existenz sichert, aber 56 Prozent sehen die Digitalisierung auch als große Herausforderung. Ein Drittel der Betriebe gibt sogar an, Probleme zu haben, die Digitalisierung zu bewältigen. Die Handwerksbetriebe wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen und zeigen das in ihren Investitionen. 2020 wollen die Betriebe im Schnitt 2110 Euro in ihre IT investieren, das sind 650 Euro mehr als im Jahr 2016. Die größte Abschreckung für drei Viertel der Unternehmen im Zuge der Digitalisierung sind die hohen Investitionskosten, die damit einhergehen.

Die größte Hürde neben den Kosten der Digitalisierung ist der Fachkräftemangel. 72 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie Probleme haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Fast die Hälfte sagt außerdem, dass ihre derzeitigen Mitarbeiter mehr Digitalkompetenzen brauchen. 41 Prozent denken, dass durch die Digitalisierung das Handwerk wieder attraktiver wird für Auszubildende und junge Fachkräfte. "Neue Berufszweige entstehen, bestehende Berufe verändern sich. Dem müssen wir Rechnung tragen und digitale Aspekte in der Ausbildung stärker in den Fokus rücken", ergänzt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte.


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BITKOM e. V., Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)