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Energiewende: Smart-Meter-Rollout in Deutschland

28. Juni 2016, 11:45 Uhr   |  Peter Respondek, Freiberuflicher Fachautor und Publizist

Energiewende: Smart-Meter-Rollout in Deutschland
© Andreas Teichmann/RWE

Durchschnittshaushalte sind in Deutschland nicht zum Einbau eines Smart Meters verpflichtet. Die höheren Kosten verhindern zudem einen freiwilligen Einbau.

Wenn von intelligenten Zählern (Smart Metern) geschrieben oder gesprochen wird, dann wird der Begriff »Zukunft« oft stark strapaziert. Schließlich gelten Smart Meter heute schon zu Recht als Teilaspekt der Energiewende und gerade hier sieht man, dass sie längst in vollem Gange ist.

Seit dem 1. Januar 2010 ist Smart Metering bereits im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vorgeschrieben (§ 21b) und das sowohl im Strom- als auch im Gasbereich. Bei Neubauten und Renovierungen werden sie heute standardmäßig eingebaut und verschiedene Verteilnetzbetreiber (VNB) setzen sie ebenfalls aktuell beim turnusmäßigen Tausch der Zähler ein. Als Pioniere beim Einsatz von Smart Metern haben sich dabei bislang Länder wie Italien, Polen oder Schweden hervorgetan.

In Italien und Polen waren es der wachsende Energiediebstahl und in Schweden die großen Entfernungen und der damit verbundene Aufwand der Ablesung, die die VNB dazu bewegt haben, elektronische Zähler einzusetzen. In Italien sind die Zähler in der Zeit von 2006 bis 2011 an beinahe allen Übergabepunkten installiert worden (1), während man die Messgeräte in Polen vorerst nur an den sogenannten Konzentratoren – und damit im Netz der Verteilnetzbetreiber – angebracht hat. Alle diese Zähler zeigen allerdings, wie klassische Ferrariszähler, nur den Energieverbrauch und die Nutzungszeit an.In Deutschland lässt der große »Rollout« von intelligenten Zählern dagegen bislang noch immer auf sich warten (2).

Durchschnitt­licher jährlicher Stromverbrauch in einem 4-Personenhaushalt in kWh.
© www.co2online.de

Durchschnitt­licher jährlicher Stromverbrauch in einem 4-Personenhaushalt in kWh.

Smart Metering in Deutschland
Der Rollout soll 2017 beginnen und wird mit großer Spannung erwartet. Dafür hat das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) bereits Lastenhefte für die Komponenten intelligenter Messsysteme erarbeitet. Der »FNN Infotag« Mitte Juni 2016 in Berlin wird außerdem über die aktuellen Entwicklungen informieren und bietet Raum für den Erfahrungsaustausch mit Experten.

Das im Jahr 2009 von der EU anvisierte Ziel, dass bis 2020 ca. 80 Prozent der Verbraucher mit intelligenten Stromzählern ausgestattet sein sollen, wird aber auch der Rollout 2017 nicht erreichen können. Denn ab 2017 sollen zunächst einmal schrittweise nur Verbraucher mit einem Jahresstromverbrauch von über 10.000 kWh sowie dezentrale Erzeuger (z B. PV- oder KWK-Anlagen) mit 7 bis 15 kW installierter Leistung mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden. Das trifft und betrifft damit nicht die Durchschnittshaushalte, die weit unter diesen Werten liegen. Mit einem Jahresverbrauch von durchschnittlich 3800 kWh für einen Zweipersonenhaushalt oder 5300 kWh für einen Vierpersonenhaushalt (3) liegen die Verbrauchswerte sogar noch unter den Verbräuchen von 6000 kWh pro Jahr, bei denen ab dem Jahr 2020 intelligente Messsysteme erforderlich sind. Bei Jahresverbräuchen unter diesem Wert ist vorerst kein flächendeckender Einbau vorgesehen. Ein freiwilliger Einbau ist jedoch möglich. Allerdings gibt es auch hier einen Haken: die Kosten.

Wie bisher auch sind die Kosten (Einbau und Betrieb) für intelligente Zähler vom Verbraucher oder Anlagenbetreiber zu tragen. Sie belaufen sich auf rund 80 Euro für den Zähler sowie etwa 20 Euro für Einbau und Betrieb – und liegen damit über den bisherigen Kosten. Es stellt sich also die Frage, wer unter diesen Voraussetzungen überhaupt bereit sein wird, den Einbau zu veranlassen und ob der Endverbraucher durch den intelligenten Zähler die Kosten kompensieren kann.

Ein Vorteil dieser Bemühungen liegt jedenfalls darin, dass mit der Einführung intelligenter Messsysteme ein Kommunikationsnetz entsteht, welches Stromerzeugung und Verbrauch enger miteinander verknüpfen kann. Dies betrifft jedoch zunächst vor allem die VNB.

Zumindest solange bis nicht auch eine Verknüpfung von Lastprofilen und Tarifen stattfindet, sind die Vorteile für den Endverbraucher schwer zu kommunizieren. Allein das Wissen darum, dass der Einzelne positiv zur Klimabilanz beitragen kann, wird wohl nicht ausreichen.

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1. Energiewende: Smart-Meter-Rollout in Deutschland
2. Normen und Regeln im Wandel

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