Smarthouse Experten-talk

Sicherheitstechnik: »Weiterbildung und Marktbeobachtung sind immens wichtig«

23. September 2015, 11:15 Uhr | Pamela Schröder
Expertentalk Sicherheitstechnik
Jochen Sauer, Axis (li.), Pamela Schröder, elektrobörse Smarthouse (Mitte) und Michael Eifert,Telenot (re.) diskutierten beim Smarthouse Experten-talk über Trends in der elektronischen Sicherheitstechnik.
© elektroboerse-smarthouse.de

Welche Trends zeichnen sich in der elektronischen Sicherheitstechnik ab und was gilt es bei der Installation zu beachten? Diese und weitere Fragen haben wir mit Michael Eifert, Leiter operativer Vertrieb und Key Account bei Telenot und Jochen Sauer, Business Development Manager bei Axis, diskutiert.

Herr Eifert, Herr Sauer, in der Ferienzeit stellt sich häufig die Frage nach dem Gebäudeschutz. Welche Trends haben Sie beobachtet?

Michael Eifert: Wir beobachten schon seit Jahren eine steigende Nachfrage nach Sicherheitstechnik und zwar für den Bestands- und Neubau wie auch für den Gewerbebereich. Ein typisches Beispiel ist der Eigenheimbesitzer, der 20 Jahre nach dem Bau seines Hauses eine Einbruchmeldeanlage installieren möchte. Wenn der an einen Installateur mit Beratungskompetenz, Erfahrung und Know-how gelangt, baut er diese auch ein.

Jochen Sauer: BHE und ZVEI verzeichnen schon seit Jahren ein Wachstum in den Bereichen Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Einbruchmelder und Sicherheitstechnik. Diese Entwicklung beobachten auch wir. Besonders bei gehobenen Einfamilienhäusern ist ein Trend in Richtung Videoüberwachung bzw. videoflankierende Maßnahmen zu erkennen. Videoflankierend heißt, dass zur Unterstützung bzw. zur Verifizierung des Alarms Videoüberwachung eingesetzt wird. Einfach um parallel zum Alarm zu sehen, wo sich am oder im Haus ein potenzieller Eindringling befindet. 

Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Michael Eifert: Neben den polizeilichen Fallzahlen spielt hier sicherlich auch die mediale Berichterstattung eine entscheidende Rolle. Da fragen sich die Leute schon, wie sie sich schützen können. Im Idealfall werden sie bei Interesse an einem Sicherheitssystem von einem erfahrenen Facherrichter beraten, der über Know-how verfügt. Im ungünstigsten Fall gelangen sie jedoch an einen Betrieb, der »einfach mal so« irgendeine Lösung installiert, die nicht den nötigen Sicherheitsanforderungen entspricht. In einer Notfallsituation kann dies schnell zu einer Gefahr für das eigene Leben werden.

Jochen Sauer: Die Qualität des installierenden Betriebes ist eindeutig ein wichtiges und entscheidendes Kriterium. Im Vergleich zu mechanischen Systemen fällt bei der Videoüberwachung jedoch noch ein anderer Aspekt ins Gewicht und zwar die Qualität des Bildes. Bei schönem Wetter und Tageslicht liefern selbst einfache Kameras ein gutes Bild. Doch spätestens in der dunklen, nebligen Jahreszeit oder nachts muss die Kamera ein Plus an Leistung bieten. Schließlich will der Endkunde sich selbst bei unschönen Witterungsbedingungen auf sein System verlassen können. Daher sehe ich auch den Trend kritisch, Videotechnik immer preiswerter anbieten zu wollen. Um auswertbare Bilder bei schlechter Szenenbeleuchtung produzieren zu können, brauche ich Rechenleistung in der Kamera und Bandbreite auf dem Datennetz. Denn was nützt mir eine Aufnahme, die ich polizeilich nicht verwerten kann? Und genau deshalb sind die Qualität und das Fachwissen bei der Installation enorm wichtig. 

Welche Unterschiede gibt es zwischen privatem und gewerblichen Bereich?

Michael Eifert: Bei Privatgebäuden ist das Design extrem wichtig. Daher sehen wir es bereits seit Jahren als unsere Aufgabe an, alles, was im Außenbereich des Hauses zu sehen ist, optisch ansprechend zu gestalten. So sind alle Produkte durchdesigned und zwar nicht nur von der äußeren Form, sondern auch von deren Oberfläche. Dadurch passen sich unsere Einbruchmeldeanlagen selbst an eine Marmor- oder Holzoberfläche an. Außerdem bemerken wir eine gestiegene Nachfrage nach Funktechnik. Im Gewerbe hingegen ist das Design weniger wichtig. Da zählt mehr die technische Leistung. Eine Ausnahme bilden jedoch präsentationsorientierte Verkaufsflächen wie sie in Autohäusern, Galerien oder Boutiquen vorzufinden sind.

Jochen Sauer: Auch in der Videotechnik ist das Design unglaublich wichtig. Die Kameras müssen quasi »unsichtbar« sein und zur Architektur des Gebäudes passen. Im industriellen Bereich sind die Endkunden da großzügiger. 

Welche Lösungen sind für Miet­wohnungen interessant?

Michael Eifert: Für den Mietwohnbereich empfiehlt sich – genauso wie beim Einfamilienhaus – ein Funksystem. Denn Funk hat den Vorteil, dass sich der Installationsaufwand auf ein absolutes Minimum reduziert. Eine Stromleitung von 230 V für die Zentraltechnik, die durch Notstrom-Akkus gestützt sein sollte, reicht. Wünscht der Endkunde eine Aufschaltung, kann der Facherrichter dies über eine Telefon- oder Internetverbindung realisieren. Durch diese Flexibilität kann das System somit problemlos mit umziehen. Nach dem Umzug muss es lediglich projektiert werden, damit es wieder stimmig ist. 

Wie bewerten Sie Sicherheitstechnik vom Baumarkt?

Jochen Sauer: Bei Baumarktlösungen stellt sich immer die Frage nach der Qualität der Bildübertragung. Ein günstiges Produkt mag vielleicht im ersten Moment zu einem Spontankauf animieren. Aber was ist, wenn dann tatsächlich der Notfall eintritt und die Kamera keine vernünftigen, auswertbaren Bilder liefert? Für eine zuverlässige Überwachung ist es immens wichtig, dass die Kamera auch bei Dunkelheit und schlechtem Wetter zuverlässig funktioniert. Außerdem muss die Technik so intelligent sein, dass bei Bedarf ausreichend Licht diskret in den überwachten Bereich eingebracht wird. Darüber hinaus muss das System in der Lage sein, einen versuchten Einbruch selbstständig an das Smartphone des Bewohners oder an eine Hilfestelle zu senden. Ich bezweifle, dass dies 99-Euro-Lösungen bieten. 

Welche Sicherheitsklassen sind von Bedeutung?

Michael Eifert: Die VdS stellt diverse Richtlinien bereit. Diese fangen bei VdS Home an. Unsere Systeme für den Privatbereich sind nach der VdS-A-Richtlinie zugelassen, die höheren Anforderungen entspricht. Bei Gewerbeobjekten und höherwertigeren Privatgebäuden finden die VdS-Richtlinien B oder C Anwendung.

Sollten Überwachungssysteme öffentlich oder versteckt installiert werden?

Michael Eifert: Für Privathaushalte ist ein äußerlich sichtbares System empfehlenswert, da es erwiesenermaßen eine abschreckende Wirkung hat. Sichtbar heißt in diesem Zusammenhang, dass der Außensignalgeber, das klassische Blockschloss oder der RFID-Leser sichtbar ist. Auf Attrappen sollte tunlichst verzichtet werden. Denn erfahrene Täter mit einem geübten Blick erkennen sofort, was echt ist und was nur zur Abschreckung dient. 

 

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