Lohnt sich Blitzschutz überhaupt?

6. Mai 2013, 13:01 Uhr | Peter Respondek
Blitz und Donner haben über Jahrhunderte hinweg die Phantasie und Ängste der Menschen geschürt. Dadurch haben sich - einmal abgesehen von der »Entladung des Zorns der Götter« - zahlreiche Vorurteile gebildet und Irrtümer bis heute konserviert. Doch e
Blitz und Donner haben über Jahrhunderte hinweg die Phantasie und Ängste der Menschen geschürt. Dadurch haben sich - einmal abgesehen von der »Entladung des Zorns der Götter« - zahlreiche Vorurteile gebildet und Irrtümer bis heute konserviert. Doch es ist längst eine Tatsache, dass Gebäude, ihre Elektroinstallation sowie die Menschen darin durch einen fachmännisch geplanten, installierten und gewarteten Blitz- und Überspannungsschutz vor den fatalen Folgen eines Blitzeinschlags sicher sind.
© Siemens

Über Jahrhunderte hinweg haben Blitz und Donner die Ängste der Menschen geschürt. Neben Irrtümern und Missverständnissen haben sie - emotional wie technisch - Fragen aufgeworfen, die zum Teil bis heute überdauert haben. Im Folgenden soll darauf eingegangen werden.

Erst mit der Elektrizitätslehre des J.M. Ampere und den Versuchen von B. Franklin 1752 ist es gelungen, nachzuweisen, dass es sich beim Blitz um eine elektrische Ladung handelt. Und ist in dem Büchlein »Blitzgefahr, Nr. 1« aus dem Jahr 1891 zu lesen: »Die Franklinsche Erfindung des Blitzableiters vermag bei gehöriger Ausführung ein Gebäude gegen den Blitzschlag vollständig zu schützen.« Die Verfasser dieses Büchleins waren u. a. Werner Siemens, Helmholz und Leonard Weber. Sie waren seinerzeit schon erheblich weiter als die »Leitsätze für den Schutz elektrischer Anlagen gegen Überspannungen«, die noch bei ihrem Erscheinen 1925 erklärten: »Gegen direkte Blitzentladungen mit großer Energie gibt es kein Schutzmittel.« (VDE 0145/1933). Heute kennen Maßnahmen und Geräte, die zuverlässig auch bei direkten Blitzeinschlägen schützen. Trotzdem haben sich bis heute hartnäckig Fragen rund um den Blitz gehalten:


Ist ein Blitzeinschlag gefährlich?
Ja, wenn er einen Menschen trifft, kann die hohe Energie tödlich sein oder zu bleibenden Schäden führen. Es gibt zwar Menschen, die einen Blitzschlag überlebt haben - aber es gibt weit mehr Menschen die ihn nicht überlebt haben. Wenn er direkt oder indirekt ein Gebäude trifft, kann das zu Bränden, Zerstörungen oder anderen erheblichen Beschädigungen führen.

Wird Blitzschutz heute nicht automatisch in alle Gebäude eingebaut?
Nein, er ist nur dort vorgeschrieben, wo ein Blitz mit hoher Wahrscheinlichkeit einschlagen und/oder einen hohen Schaden für Personen und Sachwerte anrichten kann. Das sind z.B. Schulen, Kirchen, Museen, Kernkraftwerke, Fußballstadien oder Versammlungsstätten. In privaten Häusern ist es im Interesse und in der Verantwortung des Besitzers oder Eigentümers, seine Werte zu schützen. Der Gesetzgeber macht ihm da keine Vorschriften. Wenn er sich allerdings vor Blitzeinschlägen schützen will, dann ist Blitzschutz zwingend nach den gültigen VDE Bestimmungen auszuführen.

Warum Blitzschutz? Mein Vater und Großvater hatten doch auch keinen.
Unsere  Väter waren sich der Gefahr eines Blitzeinschlages sehr wohl bewusst. Überall dort, wo ein Blitz auch Existenzen gefährdet hat, ist Blitzschutz schon seit Jahrhunderten im Einsatz. Jeder Landwirt weiß auch heute, dass ein einziger Blitz sein Lebenswerk zerstören kann. Mit dem Wissen um die technische Natur des Blitzes haben die Vorsicht und Sensibilität aber abgenommen - obwohl die Gefährdung eher zugenommen hat. Wir leben heute in einer vernetzten Welt. PV-Anlagen, Stromnetz, Telefonnetz, Computernetze oder Home Automation sind hochgradig bei Blitzen und Überspannungen gefährdet. Das gilt im privaten Bereich ebenso wie in der Arzt- oder Anwaltspraxis, im Industriebetrieb oder in einer Bank.
Ohne Computer läuft besonders im Zweckbau nichts mehr. Die Schäden treten nicht nur bei der Hardware sondern auch und vor allem in Verbindung mit gespeicherten Daten auf.

Was kann ich tun, um der Gefahr eines Blitzeinschlags zu entgehen?
Wir wissen heute weitestgehend um die elektrotechnische Natur des Blitzes. Um mich selbst zu schützen, muss ich mein Verhalten auf die Gefahr einstellen. Es gibt einige wichtige Regeln für Wanderer, Schwimmer oder etwa Radfahrer, auf die jedoch an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll. Ein sicherer Ort ist ein Gebäude - am besten mit Blitzableiter - oder ein Pkw, wenn es sich nicht gerade um ein Cabriolet handelt.

Der Blitz schlägt nie zweimal an derselben Stelle ein. Stimmt das?
Nein, das stimmt nicht. Der Blitz »erinnert« sich ja nicht daran, wo er das letzte Mal eingeschlagen ist. Die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag ist daher bei jedem Mal die gleiche.

Bei Gewitter ziehe ich den Stecker raus - dann kann nichts passieren.
Beim PC mag das vielleicht noch gehen. Aber wie sieht es beim eingebauten Fernseher, der Stereoanlage oder gar bei der Hausinstallation aus? Selbst eine abgeschaltete Sicherung oder ein gezogener Stecker sind bei einem direkten Blitzeinschlag hilflose Gesten und schützen nicht vor Störungen oder Zerstörungen.

Mir kann nichts geschehen, weil ich bin gut versichert bin.
Das ist deshalb ein Irrtum, weil die Versicherung nicht einen Blitzschaden verhindert, sondern - hoffentlich - einen Teil des finanziellen Schadens abfedern kann. Der Schutz gilt vielleicht für den Computer selbst, aber nicht für die darauf gespeicherten, wichtigeren Daten. Es hilft nur der Blick ins Kleingedruckte des Versicherungsvertrags oder, weil einfacher und wirksamer: ein fachmännisch ausgeführter Blitz- und Überspannungsschutz.  

Zieht ein Blitzab-leiter den Blitz an?
Nein, der Blitz schlägt ein, ob es einen Blitzableiter gibt oder nicht. Der Blitzableiter hat lediglich die Funktion dem Blitz einen klar definierten und gefahrlosen Weg vom Dach in die Erde vorzugeben um damit unkontrollierte und gefährliche Überschläge zu vermeiden. Blitzschutz ist auch Brandschutz.

Wie hoch ist das Risiko eines Einschlags oder Schadens?
Generell lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es hängt von der Lage des Gebäudes, aber auch vom Inhalt, der Ausstattung oder der Art der Nutzung ab. Das Risiko lässt sich aber genauer berechnen (VDE 0185, EN 62305-2). Daraus leiten sich dann auch die Schutzmaßnahmen ab.

Blitzableiter sind altmodisch. Ein Schutzstecker aus dem Baumarkt tut es auch.
Vergessen Sie's! Gegen die Gewalt eines Blitzes hilft nur ein fachmännisch geplanter, installierter und gewarteter Blitzschutz. Diese schließt den Blitzableiter ebenso ein wie den Schutz der Haupt- und Unterverteilung sowie der Steckdose bis hin zum Computer. Im Vergleich zu einem Schaden ist das die bessere und billigere Lösung.

Peter Respondek


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