Schutzschalter

Helden des Alltags

28. März 2018, 13:34 Uhr | Peter Respondek, freier Autor und Publizist
Superhelden
© Maxim Maksutov/Shutterstock.com

Unscheinbar, aber ungemein wichtig: Schutzschalter schützen uns täglich vor lebensgefährlichen Stromunfällen. Peter Respondek, unser freier Autor, gibt einen Überblick über die verschiedenen Schutzschalterarten und ihre Einsatzgebiete.

Über viele Jahre hinweg haben es Fehlerstromschutzschalter oder FI-Schutzschalter besonders dort, wo sie wichtig sind, schwer gehabt, vom Anwender akzeptiert zu werden – in der Landwirtschaft und auf Baustellen. Das lag einerseits daran, dass FI-Schutzschalter nur schwer zwischen betriebsmäßigen Ableitströmen und Fehlerströmen unterscheiden konnten, und andererseits daran, dass Motoren, Umrichter und Verbraucher oft hohe Ableitströme hatten. Diese Einstellung hat sich jedoch grundlegend geändert.

 

Fehlerstromschutzschalter

Der FI-Schutzschalter (RCD; RCCB) ist heute ein anerkannter, etablierter und variantenreicher Schutz, der den Basis- und Fehlerschutz effektiv ergänzt, und unbestrittener Lebensretter ist innerhalb der von Geräte- (VDE 0664) und Anwendungsvorschriften (VDE 0100) geregelten Grenzen. Schließlich kommt es auch hier immer auf den von der Elektrofachkraft zu beurteilenden Einzelfall an, ob »nur« eine Steckdose im Bad geschützt werden muss oder ein ganzer Stromkreis in den Schutz mit einbezogen werden soll.

Denn FI-Schutzschalter in einer Baueinheit können mit einer Steckdose, die ausschließlich zum örtlichen Zusammenbau mit einer Steckdose in derselben Einbaudose konstruiert ist (entsprechend VDE 0664-10), installiert werden. Wenn aber gesamte Stromkreise geschützt werden müssen, reicht diese Lösung nicht mehr aus. Sie erfüllt so nicht die Anforderungen der DIN VDE 0100-701.

Grundsätzlich gilt: Steckdosen/Steckdosenstromkreise bis 20 A in Innenräumen (nach DIN VDE 0100-410:2007-06, Abschnitt 411.3.3.1) müssen mit einem zusätzlichen Schutz durch RCDs mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 30 mA geschützt werden. Zur richtigen Bedienung gehört weiterhin eine gelegentliche Prüfung der Schutzeinrichtung. Dazu wird die entsprechende Prüftaste gedrückt, oder wie bei Fehlerstromschutzschaltern der Serien »F-ATI« und »F-ARI« von ABB eine automatische Prüffunktion aktiviert.

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Der »F-ATI« und »F-ARI« von ABB sind allstromsensitive FI-Schutzschalter mit automatischer Prüffunktion.
Der »F-ATI« und »F-ARI« von ABB sind allstromsensitive FI-Schutzschalter mit automatischer Prüffunktion.
© ABB

In allstromsensitiven FI-Schutzeinrichtungen (RCCB) hat man sowohl die positiven Erfahrungen mit FI-Schutzschaltern mit netzspannungsunabhängiger Auslösung als auch weitere Anforderungen etwa hinsichtlich der elektromagnetischen Verträglichkeit umgesetzt. Sie erfassen glatte Gleichfehlerströme und sind dort gefordert, wo dreiphasige elektronische Betriebsmittel ohne galvanische Trennung an das Netz angeschlossen werden. Es gibt aber auch Anwendungen im 230-V-Netz, etwa wenn PV-Anlagen mit trafolosen Wechselrichtern, Pumpenanlagen oder medizinische Geräte betrieben werden.

 

Leitungsschutzschalter

Leitungsschutzschalter (LS-Schutzschalter, MCB) gehen auf eine Erfindung von Hugo Stotz in den 1930er-Jahren zurück. Diese Schutzelemente haben, in gewissen Grenzen, die Auslösecharakteristik von Sicherungen nachbilden können und über die Jahre ihrer Erfolgsgeschichte immer wieder Anpassungen erfahren – früher als H- und L-Charakteristik sowie inzwischen auch in B- und C-Charakteristik.

Auch in der FI-/LS-Kombination (RCBO) sowohl in wechselstrom- und pulsstromsensitiver als auch in allstromsensitiver Ausführung (in B- und C-Charakteristik) sind sie heute der etablierte Stand der Technik.

 

Brandschutzschalter

Relativ neu sind Brandschutzschalter (AFDD). Sie überwachen auftretende Fehlerlichtbögen in einer Anlage. Lichtbögen treten betriebsbedingt zum Beispiel beim Öffnen oder Schließen von mechanischen Kontakten auf. Entstehen können sie aber auch, wenn stromführende Leitungen beschädigt sind.

Parallele Fehlerlichtbögen treten dabei zwischen Außenleiter gegen Erde oder Schutzleiter beziehungsweise zwischen zwei Außenleitern oder zwischen Außenleiter und Neutralleiter auf und können auch von Leitungsschutz- und FI-Schutzschaltern erkannt werden. Serielle Fehlerlichtbögen treten dagegen in einem Leiter auf und werden weder von Leitungs- noch von FI-Schutzschaltern erkannt. Auch FI-/LS-Kombinationen erkennen diese Fehlerlichtbögen nicht, sodass Funken immer wieder das umliegende Material thermisch belasten, die Isolation schädigen und sogar Brände auslösen können.

Peter Respondek, freiberuflicher Fachautor und Publizist.
Peter Respondek ist freiberuflicher Fachautor und Publizist.
© Peter Respondek

Der Einbau von Brandschutzschaltern ist in der DIN VDE 0100-420:2016-02 geregelt: AFDDs müssen bei sensiblen Funktionsbauten eingebaut werden – etwa wenn erhöhte Schutzanforderungen bestehen. Das ist zum Beispiel für Schlafräume in Tageseinrichtungen für Kinder, Behinderte oder Senioren der Fall sowie in barrierefreien Wohnungen (DIN  8040-2).

Auch bei besonderen Brandrisiken wie der Verwendung von brennbaren Baustoffen bei unersetzbaren Gütern oder bei Feuerrisiko durch verarbeitete oder gelagerte Materialien sind Brandschutzschalter einzubauen. Die Verpflichtung beschränkt sich jedoch auf neu zu errichtende Anlagen und einphasige Stromkreise bis 16 A. Eine Nachrüstungspflicht für bestehende Anlagen existiert nicht.


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