Blitzschutz

Eichen sollst du weichen ...

13. Juli 2016, 9:15 Uhr | Peter Respondek, freiberuflicher Fachautor und Publizist
3. Warum soll ich mich um Blitzschutz kümmern, meine Vorfahren hatten doch auch keinen? Auch früher schon waren sich die Menschen der Gefahr eines Blitzeinschlages sehr wohl bewusst. Überall dort, wo ein Blitz auch die Existenz gefährdet hat, sind si
Blitzeinschläge können einen großen Schaden anrichten.
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Blitz und Donner haben den Menschen über Jahrhunderte beschäftigt. »Eichen sollst Du weichen ...« und ähnliche Volksweisheiten erzählen von den Naturerscheinungen, die wir heute als elektrische Ladung kennen. Trotz allem halten sich bis heute viele Irrtümer und Fehleinschätzungen.

Blitzschutzmythen auf dem Prüfstand

1. Ist ein Blitzeinschlag gefährlich? Ja, wenn er einen Menschen trifft, kann die hohe Energie zu bleibenden Schäden führen oder sogar tödlich sein. Es gibt zwar Menschen, die einen direkten Blitzschlag überlebt haben – aber es gibt weit mehr Mensche
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Gefährdung durch Brand und Explosion
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3. Warum soll ich mich um Blitzschutz kümmern, meine Vorfahren hatten doch auch keinen? Auch früher schon waren sich die Menschen der Gefahr eines Blitzeinschlages sehr wohl bewusst. Überall dort, wo ein Blitz auch die Existenz gefährdet hat, sind si
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Mythen über den Blitz: Kerzen, Frau Holle und ein Osterei

Es ist die Aufgabe der Physik Naturgesetze herauszufinden. Wir verstehen aufgrund von Versuchen, Beobachtungen und Prinzipien, dass und weshalb die Naturgesetze so wirken, wie sie wirken. Naturgesetze beschreiben Verknüpfungen von Beobachtungen. Naturgesetze sind, anders als die Gesetze im Straßenverkehr oder Regeln beim Fußball, unerbittlich. Naturgesetze beginnen nicht mit »Du sollst nicht ...«, sondern mit »Du kannst nicht ...«. Derart formuliert fordern Naturgesetze geradezu dazu auf, sie zu widerlegen. Die Geschichte des Blitzes ist voll von Versuchen, die Beobachtungen und Schlüsse von Michael Faraday, Benjamin Franklin und anderen Physikern zu widerlegen oder zumindest durch andere Prinzipien als den Faradaykäfig zu ersetzen.

So gab es noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts den Brauch, während eines Gewitters das Licht im Haus auszuschalten und eine Kerze anzuzünden – möglichst eine Schwarze. Auch kann man in alten Büchern lesen, dass ein Holunderstrauch nicht nur Hexen und Zauberer, sondern auch Blitz und Feuer, vom Haus fernhalten soll. Schließlich wohnt die Göttin Holda (Frau Holle) im Holunder, davon waren jedenfalls die Germanen überzeugt. Ein anderer Brauch war es, ein am Gründonnerstag gelegtes Ei über das Haus zu werfen. Es sollte das Haus vor Feuer und Blitz schützen. Doch auch heute noch gibt es vermeintlich moderne und aufgeklärte Methoden, um das eigene Haus vor einem Blitzeinschlag zu schützen, im Ergebnis gleichen sie aber den Versuchen mit Holunder oder Ei weitgehend. Beispielsweise liest man immer wieder von sogenannten »aktiven« Blitzableitern, die den Blitz sogar einfangen sollen.

Auch wird oft die Frage gestellt, ob man denn nicht die Energie des Blitzes einfangen und nutzen kann. Der Blitz entwickelt zwar eine hohe Energie, diese ist aber nur die mechanische Folge eines schnellen Stromanstieges. Die elektrische Energie eines Blitzes dagegen reicht gerade mal dazu aus, eine große Kanne Kaffee heißzumachen. Zwar ist der Blitzstrom sehr hoch (kA), die Zeit aber in der er wirkt (µs) ist sehr klein. Bleibt noch der Blitzschutz: Der ist nur mit dem klassischen Faradaykäfig zu erreichen. Mit der Realität eines wirksamen Blitzschutzes haben die Erklärungen der Funktion des »aktiven« Blitzschutzes, der Blitze einfangen soll, nichts zu tun und mit der Physik und den Naturgesetzen schon gar nicht. Denn: Ein Blitz ist ein Blit, ist ein Blitz.

 

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