Bayern Innovativ

Großes Wachstumspotenzial für »Smart Home«-Markt

16. Juli 2013, 16:58 Uhr | Pamela Schröder
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Über 130 Experten diskutierten am 25. und 26. Juni in München im Rahmen des 4. »Innovations in Microsystems«-Kongresses die Themen Smart Home und Smart Living.

Zentrale Aspekte waren sowohl die Zukunftschancen verschiedenster Industrien im Smart Home-Markt, als auch die Herausforderungen innerhalb der Wertschöpfungskette. Denn noch immer konnten Smart Home-Anwendungen trotz vielfacher Anläufe noch keine sich selbst tragende Nachfrage generieren und sind damit weiterhin als Zukunftsmarkt zu charakterisieren. Laut aktueller Studien wird sich diese Situation in den nächsten zehn Jahren grundlegend ändern: mit bezahlbaren, kompatiblen, intuitiv nutzbaren und personalisierten Anwendungen, die mehr Komfort, Sicherheit, Energieeffizienz und Selbstbestimmung im Alter ermöglichen.

Fehlende Interoperabilität und Standards als Hindernisse
Die geforderte Intelligenz und Funktionalität in den Anwendungen wird durch moderne Technologien erreicht, die wiederum eine Automatisierung und Vernetzung von Haustechnik, Haushaltsgeräten und Infotainment-Anlagen ermöglichen. Noch aber sind alle diese Anwendungsbereiche für Smart Home-Technologien getrennte Welten, denn es fehlen einheitliche Standards sowie Schnittstellen für die Interoperabilität von Protokollen, Diensten oder Bussystemen. Mit einem vom BMWi geförderten Zertifizierungsprogramm werden deshalb, wie Dr. Siegfried Pongratz vom VDE Institut erläuterte, in Zukunft Standards und ein Prüfsiegel für Smart Home-Anwendungen entwickelt. So soll die Akzeptanz der Geräte und Dienste für intelligentes Wohnen erhöht und Deutschland auf dem Weg zum Leitmarkt und Leitanbieter für Smart Home unterstützt werden.

Marktchancen mit stabilen Plug-and-Play-Lösungen
Technik allein generiert aber noch keinen Markt. Akzeptanz finden Geräte und Dienste für intelligentes Wohnen erst, wenn ein Mehrwert für den Bewohner erkennbar ist, der die Lebensqualität erhöht. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Plug-and-Play-Fähigkeit, die Zuverlässigkeit und die einfache Bedienung. Intuitiv per Smartphone, Gesten und Sprachsteuerung nutzbare, vernetzte und fernsteuerbare Smart Home-Funktionen und Dienste werden spätestens in 10 Jahren zur Basisausstattung bei Neubauten zählen. Da der Anteil der Neubauten verglichen mit dem Altbestand in Deutschland verschwindend gering ist, ist der Markt in Deutschland insbesondere mit erschwinglichen, kabellosen Nachrüst-Paketen für Bestandsgebäude zu erobern. Nadja Rappold, Geschäftsleiterin Facit Research, präsentierte dazu passend aktuelle Trends und Herausforderungen für den Smart Home Markt, basierend auf detaillierten Umfrageergebnissen zu Konsumentenanforderungen. Demnach sind Mehrausgaben für Smart Home-Lösung von rund 15% der Befragten durchaus tolerabel. Mehrausgaben von weit über 50%, wie sie heute meist noch verlangt werden, hingegen nicht. Diese Markteinschätzung bestätigte Günther Ohland, Vorsitzender der SmartHome Initiative Deutschland, mit einem Reality-Check zu Smart Home Projekten und Anwendungen. Demzufolge ist die Integration von Smart Home-Technik im Neubau nahezu kostenneutral. Die Nachrüstung im Bestand kann bis zu 30% Heizkosten senken und ermöglicht ein deutliches Plus für Sicherheit und Komfort. All dies ist schon für weniger als 1.200 Euro je Wohnung möglich, vorausgesetzt, man wählt eine geeignete Technik.

Szenario 2025: Smart Home braucht ein Ökosystem
Trotz dieser vielversprechenden Aussichten steckt der Markt rund um das intelligente Haus nach wie vor in den Kinderschuhen. Dies liegt vor allem an der Fragmentierung des Gesamtmarktes: So arbeiten seit Jahren nicht nur Telekommunikationsunternehmen und Energieversorger an dem Thema, sondern auch Gerätehersteller, Online-Unternehmen, Spezialisten für Gebäudeautomatisierung und weitere Player aus vielen anderen Branchen – allerdings nur selten gemeinsam oder koordiniert an konkreten Projekten. Connected Living e.V., sieht deshalb eine der größten Aufgaben in der Bildung eines erfolgreichen »Smart Home-Ökosystems« als Nährboden für die Entwicklungen neuer Applikationen. Dazu gehören Geschäftsmodelle und Partnerschaften sowie bislang fehlende Integratoren für eine Smart Home-Komplettlösung »aus einer Hand«. Wenn dies gelänge, dann könnte langfristig parallel zum Smart Home-Markt auch ein Service-Markt entstehen, durch Vernetzung des Smart Home beispielsweise mit dem PKW, dem Büro und dem Einzelhandel. Trotz steigendem Interesse der Kunden und technologischen Innovationen bleibt aufgrund der genannten Hindernisse als Fazit die Frage, wie der Markt, der schon länger in den Startlöchern steht, erfolgreich angestoßen werden kann. Auf der Suche nach Antworten wird Bayern Innovativ auch in 2014 wieder eine Smart Home-Kooperationsplattform anbieten.

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