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»Verbot« der Speicherheizsysteme aufgehoben

11. Juli 2013, 13:57 Uhr | Pamela Schröder
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Mit der Bundestagsentscheidung vom 17. Mai, das sogenannte »Verbot« der Nachtspeicherheizsysteme wieder aufzuheben, kocht die Diskussion zur Weiternutzung der als ineffizient und stromverschwendend angesehenen Heizungsart wieder hoch. Dabei gab es faktisch dieses »Verbot« gar nicht.

Ziel war die Außerbetriebnahme von Nachtspeicherheizungen in Wohngebäuden mit mehr als fünf Wohneinheiten. Der Großteil des deutschen Bestandes an Nachtspeicherheizungen in den Ein- und Zweifamilienhäusern war nicht betroffen.

Warum die Kehrtwende? Wegen der Energiewende. Passt das zusammen? Ja, denn nach Auffassung des Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg müssen insbesondere im Südwesten auch die Änderungen in der Art der Stromerzeugung betrachtet werden. Weg von der Kernkraft - hin zu regenerativ erzeugtem Strom. Dem integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept des Landes Baden-Württemberg folgend, soll der Anteil regenerativ erzeugten Stroms bis zum Jahr 2020 mittelfristig auf einen Anteil von 38 Prozent verdoppelt werden (langfristig bis 2050 auf 86 Prozent). Strom wird also immer »grüner«.

Wird eine Nachtspeicherheizung dadurch effizienter? Nein, nicht ohne weiteres. Hier müssen die Grundprobleme des Heizenergiebedarfs und des Stromtransports angegangen werden, um so das Gesamtsystem zu verbessern. Die Nutzung als Stromspeicher sieht der Fachverband dabei sekundär, vielmehr muss man die Stromspeicherheizungen bedarfsgerecht anpassen können und das Heizsystem steuerbar, also flexibler im Bezug auf die lokale Stromerzeugung machen.

Und dabei spielt die Speicherheizung einen technologiebedingten Vorteil aus. Wird in einem ersten Schritt der Heizenergiebedarf eines Gebäudes durch eine energetische Sanierung der Gebäudehülle reduziert, kann auch die Heizung über Laderegelung an den gesunkenen Heizenergiebedarf angepasst werden und das ohne einen Wirkungsgradverlust.

Renaissance der Stromspeicherheizungen?

Der Einbau von Stromspeicherheizungen bei Neubauvorhaben ist gerade nicht das Ziel. In die Überlegungen des Fachverbandes fließen neben der Reduzierung des Heizenergiebedarfs und der Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom auch die möglichen alternativen Heizsysteme mit ein. Denn der Austausch bringt insbesondere auch bei den vermieteten Mehrfamilienhäusern eine soziale Komponente mit sich. Und diese hat primär mit wirtschaftlichen Betrachtungen zu tun.

Ausgehend von den Bebauungsplänen in den betroffenen Kommunen fehlen echte Alternativen, denn die Nutzung fester und flüssiger Brennstoffe ist dort bis heute nicht erlaubt. Geht es an die Auswahl alternativen Energieträger, wie Gas, Öl, Nah- oder Fernwärme sowie zukünftig Wasserstoff ist damit schnell das Ende aller Diskussionen erreicht.

Soll saniert und die Speicherheizung ausgetauscht werden, stellt sich die Frage - was ist überhaupt wirtschaftlich und sozial zumutbar? Im Vergleich stehen Gasbrennwertgeräte, Ölheizkessel, Holzpelletheizkessel, jeweils auch in Kombination mit Solarthermie, die Kraft-Wärme-Kopplung im Nahwärmenetz und Wärmepumpen. Doch diese haben einen entscheidenden Nachteil - sie benötigen ein wassergeführtes Wärmeleitungsnetz, das in den bestehenden Gebäuden gar nicht vorhanden ist. Die Konsequenz wäre eine so umfassende Sanierung, die, so die Rückmeldungen vieler Eigentümer, wirtschaftlich gar nicht darstellbar ist. Zusätzlich Hemmnisse für eine Umsetzung ergeben sich immer dann, wenn es sich um Eigentümergemeinschaften handelt, die entsprechende Beschlüsse nach dem Wohnungseigentumsgesetz (WEG) zu fassen haben.

Es müssten also Anreize für den Austausch geschaffen werden, wie es auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller in seiner ersten Reaktion auf die Bundestagsentscheidung genannt hatte. Neben der immer noch nicht umgesetzten und vom E-Handwerk ausdrücklich geforderten steuerlichen Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen können Stromspeicherheizungen auch für das Lastmanagement nutzbar gemacht werden. Das ist nicht neu, sondern genau die Funktion, die Stromspeicherheizungen bislang inne hatten. Nur gab es bislang vom Netzbetreiber kein Geld dafür, aber das kann sich ja ändern.

Nachtspeicherheizungen als Öko-Stromspeicher?

In der hitzig geführten Debatte werden Stromspeicherheizungen als ungeeignet für die Speicherung von fluktuierendem Solar- oder Windstrom dargestellt. Bei einem langfristig angestrebten Anteil von 89% an der Stromerzeugung scheint diese Argumentation nicht mehr zu greifen. Spätestens dann werden Erzeugung, Nutzung und Speicherung ganz alltäglich sein müssen. Sonst hat die Energiewende an diesem Punkt versagt.

Die Nutzung der Stromspeicherheizungen als Brückentechnologie für das Speichern von Sonnen- und Windstrom ist also durchaus realistisch. Das Umweltministerium Baden-Württemberg selbst hat festgestellt, dass es in Baden-Württemberg viel zu wenig steuerbare Lasten gibt, die für das sogenannte Demand-Side-Management nutzbar wären.

Das Fazit des Fachverbandes ist, dass bei den Stromspeicherheizungen eine sachliche und nicht eine ideologische Herangehensweise wichtig ist, die rückwärtsgerichtet auf Kernkraft- oder Kohlestrom abzielt. Wir werden zukünftig überwiegend nur noch regenerativen und deutlich weniger Strom für Heizungen nutzen. Das Thema ist endlich, denn im Neubau werden diese Nachtspeicherheizungen ohnehin nicht mehr eingebaut.

Ein Vergleich wird zurzeit immer mit den besten Systemen am Markt, den Wärmepumpenheizsystemen, angestellt. Ehrlicherweise jedoch müsste er mit Gas-Brennwertsystemen geführt werden, da diese zu über 50% im Neubau eingesetzt werden. Wie steht es hier um die Speicherung und Rückspeisung der Primärenergie in das Gasnetz? Auch diese »Gas-Wärme-Tauscher« müssten, der Logik des Umweltministers folgend, also verboten werden, denn auch das Gas (wie auch das Öl) wird nicht gespeichert und zurück gespeist, sondern mit viel CO2-Emmissionen verbrannt.

 


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