Energieeffizienz

Gut geregelt zum grünen Gebäude

23. Januar 2018, 8:24 Uhr | Patrick Schönmehl, Siemens-Division Building Technologies
Ob Neu- oder Bestandsbau: Mit eine intelligenten Gebäudeautomation lässt sich der Energiebedarf deutlich senken.
Ob Neu- oder Bestandsbau: Mit eine intelligenten Gebäudeautomation lässt sich der Energiebedarf deutlich senken.
© Siemens AG

Gewerblich genutzte Gebäude sind große Energieschlucker, haben aber auch Einsparpotenzial. Die bedarfsgeführte Regelung von Heizung, Lüftung, Klimatechnik (HLK), Beleuchtung und Beschattung hilft, die Energieeffizienz aufzupolieren. Wichtig ist die gewerkeübergreifende Kommunikation gemäß EN 15232.

Gebäude sind – noch vor Industrie und Verkehr – die größten Energiekonsumenten. Allein in Europa nehmen sie fast 40 Prozent der Primärenergie auf. Davon entfallen etwa 85 Prozent auf Raumwärme und Warmwasser sowie 15 Prozent auf elektrischen Strom. Entsprechend hoch ist das Einsparpotenzial, wenn sich Energie in Gebäuden effizienter nutzen lässt.

 

Gebäudeautomation: Schlüssel zur Energieeffizienz

Ein entscheidender Hebel für dauerhaft niedrigen Energiebedarf ist die gewerkeübergreifende Gebäudeautomation, die mit intelligenten Funktionen die Energieeffizienz eines Gebäudes steigert und gleichzeitig den Komfort erhöht. Eine Gebäudeautomation unterstützt Gebäudebetreiber außerdem dabei, die Energieflüsse und -kosten zu kontrollieren.

Laut einer Studie der Hochschule Biberach kann eine bedarfsgeführte Gebäudeautomation etwa bei der Heizung bis zu 20 Prozent Einsparung erzielen. Mit weiteren automatisierten Funktionen wie Frostschutzschaltung bei Fensterlüftung oder Thermoautomatik lassen sich zusätzlich bis zu zehn Prozent einsparen. Bei der Raumkühlung liegen die Potenziale zwischen fünf und zehn Prozent, bei der Beleuchtung sogar bei maximal 40 Prozent.

 

Anbieterkompass Anbieter zum Thema

zum Anbieterkompass
Grafik: Energieeffizienzklassen im Überblick
Die EN 15232 ist die wichtigste Norm für Gebäudeautomation, sie definiert vier Effizienzklassen.
© Siemens AG

Die EN 15232

Die wichtigste Norm, um die Funktionen einer Gebäudeautomation und des technischen Gebäudemanagements zu bewerten, ist die EN 15232 »Energieeffizienz von Gebäudetypen – Einfluss von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement«. Sie klassifiziert Gebäude hinsichtlich der Regelung der technischen HLK-Ausstattung, der Beleuchtung und Beschattung sowie des Zusammenspiels dieser Gewerke untereinander. Dabei definiert sie die vier Effizienzklassen von »A = hohe Energieeffizienz« bis »D = nicht energieeffizient«. Diese Standardisierung macht deutlich, welches Einsparpotenzial beim Betrieb von gebäudetechnischen Anlagen möglich ist, aber auch, was dafür technisch vorausgesetzt werden muss.

Soll die Effizienzklasse A erreicht werden, müssen eine Vielzahl von Bedingungen erfüllt sein wie eine vernetzte Raumautomation oder eine automatische Bedarfserfassung. Zentrales Element für die Anforderungen der Klasse A ist eine gewerkeübergreifende Kommunikation und Regelung. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Bei einer konventionellen manuellen Jalousiesteuerung ist der Einsparerfolg allein vom Nutzerverhalten abhängig. Die Steuerung ist nicht mit anderen Funktionen vernetzt, was der niedrigsten Effizienzklasse D entspricht.

Ganz anders bei einer Lösung, die allen Anforderungen der Klasse A genügt: Hier ist die Jalousiesteuerung eingebunden in eine kombinierte, vernetzte Regelung von Beleuchtung, Sonnenschutzeinrichtungen und HLK-Anlagen. Das Gebäudeautomationssystem bewertet hierbei auch den jeweils aktuellen Bedarf. Die Daten liefern Sensoren im Innenbereich oder auch in einer Wetterstation. Bei hohen Außentemperaturen lässt sich so zum Beispiel der Lichteinfall automatisch durch die Jalousien reduzieren, um Energie für die Klimatisierung einzusparen. Sind Personen im Raum, die gedimmtes Licht für eine Präsentation benötigen, reagiert das System anders als bei einer Nichtbelegung. Das Ergebnis ist ein ebenso nutzungsgerechter wie energieoptimierter Betrieb.

Für dieses Zusammenspiel müssen Geräte der Gattung Heizung, Lüftung und Klima mit Geräten aus dem Bereich Beleuchtung und Beschattung miteinander kommunizieren können, um die benötigten Informationen direkt untereinander auszutauschen. Diese Kommunikation kann ohne Schnittstellen über Bussysteme erfolgen. Beispiele sind das aus der Elektrotechnik stammende KNX-System, ein weltweiter Standard für die Vernetzung von Haus- und Gebäudesystemtechnik oder die in der HLK-Technik verwendeten Systeme LON (Local Operating Network) und BACnet (Building Automation and Control Networks). Neben einer bedarfsgerechten und energieeffizienten Regelung bietet eine gemeinsame Kommunikation auch die Möglichkeit, alle Gewerke in einer einzigen Managementstation mit einer Bedienoberfläche für alle Gewerke zusammenzuführen. Das erleichtert die Bedienung und hilft Einsparpotenziale zu visualisieren.


  1. Gut geregelt zum grünen Gebäude
  2. Integrierte Planung für Elektro und HLK

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Siemens Schweiz AG Building Technologies Division, Siemens Schweiz AG