KNX und Ethernet

Babylon überwinden

4. Mai 2018, 14:36 Uhr | Dr.-Ing. Thomas Weinzierl, Weinzierl Engineering GmbH
Pieter Bruegels berühmtes Gemälde »Der Turmbau zu Babel« aus dem Jahr 1563.
Pieter Bruegels berühmtes Gemälde »Der Turmbau zu Babel« aus dem Jahr 1563.
© jorisvo/Shutterstock.com

Dass viele Systeme über das Internet verbunden werden können, ist längst Realität. Neben fragwürdigen Anwendungen wie Kühlschränken, die Lebensmittel bestellen, gibt es zahlreiche Gimmicks aus dem Consumer-Bereich. Im professionellen Bereich fehlen aber bislang konkrete Lösungen. Warum ist das so?

Ein wesentliches Problem sind die verschiedenen Protokolle, mit denen die Geräte kommunizieren. Im Internet der Dinge herrscht erst einmal so etwas wie die »babylonische Sprachverwirrung«. Die Tatsache, dass Geräte TCP/IP oder UDP verwenden, reicht nicht zum Austausch von Informationen. Das ist vergleichbar mit natürlichen Sprachen. Auch wenn viele davon auf dem lateinischen Alphabet basieren, ist die Verständigung nicht ohne Weiteres möglich.

Zwar gibt es aktuell zahlreiche – auch proprietäre – Lösungsansätze, für Experten steht aber fest: Nur offene Standards werden sich langfristig durchsetzen. Neben der prinzipiellen Eignung für die Gebäudesteuerung entscheiden aber auch zusätzliche Aspekte wie die Sicherheit der Kommunikation.

 

KNX: bewährt und bereit für die Zukunft

Eine Sprache, die sich in der Gebäudetechnik durchgesetzt hat, ist KNX. Das Protokoll wird bisher vor allem mit dem Zweidrahtbus »KNX TP« (Twisted Pair) verwendet, ist aber auch für Funk (»KNX RF«) und für das Internet-Protokoll IP spezifiziert. Hierbei ist IP nicht nur auf die Verwendung in Interfaces und Routern beschränkt. KNX IP ist, ebenso wie TP oder RF, ein vollwertiges Medium. Geräte können also direkt über die LAN-Schnittstelle mit der KNX-Installation verbunden werden. Wie für alle KNX-Geräte im KNX-System-Mode erfolgt die Inbetriebnahme über die ETS-Software.

Das heißt, auch die Geräte mit Medium KNX IP haben eine physikalische Adresse und verwenden Gruppentelegramme für Daten und Befehle. Die Gruppentelegramme werden über IP als UDP-Multicast-Telegramme übertragen, können also mehrere Geräte gleichzeitig erreichen. Der Download durch die ETS kann über die IP-Adresse des Gerätes Punkt-zu-Punkt erfolgen. So können auch komplexe Geräte über IP in wenigen Sekunden geladen werden. In der ETS erscheinen die Geräte wie gewohnt in der Topologie-Ansicht mit Kommunikationsobjekten und Parametern. Einzig bei den Geräteeigenschaften kommen die Einstellungen für das IP-Netz hinzu (IP-Adresse, etc.).

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