Smart Grid

Fit fürs Grid

24. Juni 2013, 16:10 Uhr | Peter Respondek
© GE

Weltweit zählt das Thema »intelligente Stromnetze« zu den wichtigsten Themen der Zukunft. In Deutschland wird das »Smart Grid« als unverzichtbarer Beitrag zur Energiewende gesehen, während in anderen Teilen der Welt stärker die Verbesserung der Versorgungssicherheit oder die Energieeffizienz im Vordergrund stehen.

Das gemeinsame Interesse liegt in der kommunikativen Vernetzung und Steuerung der Netze von der Stromerzeugung über Verteilung und Speicherung bis hin zum Verbrauch. Das soll weiterhin eine sichere und bezahlbare Energieversorgung ermöglichen. Am 24. und 25. September 2013 treffen sich daher führende Experten aus der internationalen Smart-Grid-Welt zum »World Smart Grid Forum 2013« in Berlin. Der Weltgipfel wird von der IEC (International Electrotecnical Commission), SGCC (State Grid Corporation of China) und dem VDE organisiert und bietet Gelegenheit zum intensiven Erfahrungsaustausch.

Fest steht, dass das Smart Grid nur dann eine Zukunft hat, wenn sich daraus auch zukunftsfähige Strategien und innovative Geschäftsmodelle entwickeln lassen. Daran arbeiten die Industrie, die Verbände und die regulatorischen Institutionen wie DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik). Als besondere Aufgabe und Herausforderung des SG wird in Deutschland die Integration der erneuerbaren Energien in das Netz gesehen. Es gilt, viele neue Aspekte und Technologien, die sich aus einer veränderten Netztopologie ergeben, zu einem neuen Gesamtsystem zu vereinen.

Regenerative Energien zeichnen sich dadurch aus, dass sie einerseits volatiler und andererseits regional breiter verteilt sind. Zudem haben die Einspeisenden heute weniger das Netz, in das sie einspeisen, im Blick. Ihre Interessen sind hauptsächlich finanzieller Natur, während die Netzbetreiber als Verteilnetzbetreiber (VNB) oder Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) selbst aufgrund regulatorischer Maßnahmen zusätzlich für die Stabilität und Zuverlässigkeit des Netzes verantwortlich sind. Das hat bisher dazu geführt, dass wir in Deutschland eine der niedrigsten Raten von Netz-Ausfallzeiten im Vergleich zu anderen Industriestaaten haben.

Während jedoch bisher die Erzeugung und Verteilung des Stroms hauptsächlich zentral und über herkömmliche Kraftwerke erfolgte, ist durch die intensive Förderung von PV-Anlagen der Anteil der erneuerbaren  Energieerzeugung zwar auf circa 25 % (1. Quartal 2013) gestiegen, die klassischen Erzeuger und Verteiler halten jedoch an den erneuerbaren Energien lediglich circa 10 % der regenerativ erzeugten Leistung. Die Energieerzeugung ist damit ein Stück weiter in die Hände von Energiegenossenschaften und|oder privaten Investoren übergegangen.

In Deutschland wird heute pro Tag mindestens eine Bürgergenossenschaft gegründet, die von der PV-Anlage auf dem Kindergarten oder der Schule bis zu Windrädern am Ortsrand den VNB und ÜNB ein breites Spektrum an Energie anbieten kann. Die Interessen und Kenntnisse der Energiegenossen liegen wohl eher auf dem finanziellen Aspekt. Aber wer kümmert sich eigentlich um die Technik dieser lokalen Anlagen? Die klassischen Erzeuger und die Netzbetreiber wohl eher nicht.

»All business is local«
Hier liegen die Chancen der Zukunft und Businessmodelle für intelligente Lösungen und intelligente Praktiker. Schließlich könnte nach Berechnungen des ZVEI, z. B. in den Bereichen elektrische Antriebe, Beleuchtung sowie Kühl- und Gefriergeräte, der Energieverbrauch  um rund 60 Milliarden Kilowattstunden gesenkt werden. Das entspricht etwa 40 % des Stromverbrauchs der privaten Haushalte. Der Elektrofachmann vor Ort kennt die regionalen Anlagen, ist ggf. selbst Genossenschaftsmitglied und kümmert sich um die Technik von privaten PV-Anlagen, des BHKW oder Micro-Grids. Er hat und bekommt das Vertrauen und die Akzeptanz »seiner« Kunden dann, wenn er sich nicht nur mit der Elektroinstallation eines Hauses, sondern mit »seinem« Teil des Grid, d. h. der Vernetzung der Anlagen vertraut gemacht hat.

Dass dazu die einmal erworbene Befähigung als Elektrofachkraft nicht ausreicht, liegt auf der Hand. Er muss nämlich andererseits ebenso das Vertrauen und die Akzeptanz »seiner« Netzbetreiber haben und das wird er nur durch eine solide Aus- und Weiterbildung, durch Erfahrung und durch eine praxisorientierte Zusammenarbeit beispielsweise mit den Stadtwerken oder Energielieferanten bekommen können.

Das Smart Grid als weltweites Thema erfordert also nicht nur eine zukunftsfähige Strategie der Technologiesysteme, stärkere kommunikative Vernetzung der Netze oder neue Produkte auf Seiten der Elektroversorger und der Industrie, sondern es bietet auch die Möglichkeit für den ambitionierten Elektriker, sein Angebot an Dienstleistungen aufgrund der Regionalisierung der Energieerzeugung vor Ort aus- und umzubauen. Werden unsere Betriebe das bei der momentan guten Auftragslage erkennen und umsetzen können? Werden sie aus dem weltweiten Thema ihre Chancen erkennen? Werden sie rechtzeitig ihre Mitarbeiter aus- und weiterbilden?

Sind Sie fit fürs Grid?


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