Elektromobilität

E-Auto-Boom in China: Der Rest der Welt fährt hinterher

22. Januar 2018, 8:38 Uhr | dpa
Ein Mercedes-Benz Smart Fortwo Elektroauto tankt an einer öffentlichen Ladestation in Hongkong auf.
Ein Mercedes-Benz Smart Fortwo Elektroauto tankt an einer öffentlichen Ladestation in Hongkong auf.
© Ym Yik/EPA/dpa

Doppelt so viele Elektroautos verkauft wie vor einem Jahr - ist das der Durchbruch der E-Mobilität in Deutschland? Eher nicht, denn der Boom findet anderswo statt, vor allem in China. Ein europäisches Land steht allerdings an der Spitze.

China hängt den Rest der Welt beim Absatz von Elektroautos immer deutlicher ab. Der Abstand zu den USA wuchs laut einer Studie des Brancheninstituts Center of Automotive Management (CAM) deutlich – insgesamt wurden im vergangenen Jahr im Reich der Mitte 777.000 E-Autos abgesetzt, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. In den USA stieg die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos lediglich um 24 Prozent auf rund 194.000 Stück.

 

China als Taktgeber der Elektromobilität

»China setzt seine Rolle als globaler Taktgeber der E-Mobilität unbeirrt  fort«, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Centers of Automotive Management, am Freitag. Dabei gehe es weniger um Luftreinhaltung, sondern um den Wunsch nach größerer Unabhängigkeit von Ölimporten sowie um die Elektrokompetenz chinesischer Autobauer. Auch in Deutschland trieb die Diskussion über mögliche Fahrverbote für schmutzige Diesel den E-Auto-Absatz in die Höhe. Trotzdem hinken Deutschland – und Europe – hinterher.

Grafik: Absatztrends bei E-Autos
E-Autos boomen in China, Europa hinkt hinterher.
© Center of Automotive Management (CAM)

Das zeigt sich am Anteil der E-Autos an den Zulassungen: In China stieg der Marktanteil der Stromer 2017 von 1,8 auf 2,7 Prozent, vor allem rein elektrisch betriebene Fahrzeuge waren mit 652.000 Stück gefragt. In Deutschland verdoppelte sich der Marktanteil von 0,8 auf 1,6 Prozent, auch in Frankreich und Großbritannien wurden mehr E-Autos verkauft. In den Niederlanden gab es wegen der 2016 ausgelaufenen Förderung für Hybride einen Einbruch um 60 Prozent.

Eine Sonderrolle spielt Norwegen: Dort stieg der Marktanteil an den Neuzulassungen von 29,1 auf 39,3 Prozent. Allein 2017 wurden mehr als 62.000 Elektroautos neu zugelassen, was einen Anstieg um 39 Prozent bedeutet.Dass die Elektroautos in Norwegen so beliebt sind, liegt an finanziellen Vorteilen: Mehrwertsteuer, Importsteuer und Kfz-Steuer fallen weg.

 

Verbrennungsmotor behält Oberhand

Ab 2020 rechnet das Institut mit einem starken Anstieg des E-Auto-Absatzes auf den wichtigen Automärkten. Die derzeit geringen Marktanteile sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein »massiver Umbruch der Antriebstechnologien« in den nächsten 10 bis 15 Jahren bevorstehe.

Bis 2020 sei mit einem Anteil der E-Autos an den globalen Neuzulassungen von 2,5 bis 6 Prozent zu rechnen, 2025 könnten es dann schon 12 bis 25 Prozent sein, 2030 sogar 25 bis 40 Prozent. Das bedeutet aber auch, dass der Verbrennungsmotor noch lange die Oberhand behält.


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