Alles legal?

Klare Rechtslage bei gebrauchter Software

15. März 2017, 15:11 Uhr | Cornelia Meier
Viele Betriebe nutzen Sparmöglichkeiten nicht, die sich durch gebrauchte Software ergeben.
Viele Betriebe nutzen Sparmöglichkeiten nicht, die sich durch gebrauchte Software ergeben.
© Soft & Cloud AG

Einsparungen von bis zu 50 Prozent, gleiche Leistung und das alles vollkommen legal: Die Vorteile von gebrauchter Software sprechen eigentlich für sich. Trotzdem scheuen immer noch viele Betriebe vor dem Thema zurück.

Eigentlich ist die Rechnung ziemlich einfach. Der Käufer ersteht ein neuwertiges Produkt, spart aber rund die Hälfte gegenüber dem Kauf von Neuware. »Das ist doch ein gutes Geschäft, bei dem ein Kaufmann nicht lange überlegen muss«, sagt Michael Helms. Bei dem Thema gebrauchter Software verhält es sich aber nicht so, beklagt der Vorstand der Soft & Cloud AG, die sich auf den Handel mit Lizenzen aus zweiter Hand spezialisiert hat. Viele Unternehmen aus dem Elektrohandwerk nutzen die sich bietenden Sparpotenziale nicht und nehmen stattdessen unnötige Mehrkosten in Kauf.

Dabei kommen die Produkte von Microsoft auch in dieser Branche häufig zum Einsatz. An vielen Stellen in der Verwaltung, im Projektmanagement und in der Planung laufen Desktop-PCs oder Laptops mit dem Betriebssystem MS Windows. Office-Programme wie MS Excel, MS Project und MS Word werden ebenfalls rege genutzt; in größeren Unternehmen der Branche gelegentlich auch das Datenbankmanagementsystem Microsoft SQL-Server.

Vollwertige Alternativen

In allen Fällen gilt: Mit gebrauchter Software ist eine vollwertige Alternative am Markt verfügbar. Denn sämtliche Leistungen, die in der Originallizenz enthalten waren, behalten auch beim Wechsel des Besitzers ihre Gültigkeit. Die auf dem Markt befindlichen Nutzungsrechte stammen zumeist aus Insolvenzen oder von Unternehmen, die einen Überschuss wegen Umstrukturierungen, dem Abbau von Arbeitsplätzen oder Systemumstellungen haben und diese dann verkaufen.

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Michael Helms ist Vorstand der Soft & Cloud AG.
Michael Helms ist Vorstand der Soft & Cloud AG.
© Soft & Cloud AG

Die Gebrauchtsoftwarehändler bieten aktuelle Programmversionen wie MS Office 2016 schon wenige Monate nach dem Release an – nur eben deutlich günstiger als beim Originalhersteller oder dessen Vertriebspartnern. Ein besonderer Fall tritt beispielsweise dann ein, wenn ein Unternehmen aus technischen Gründen MS Office 2013 anstelle der aktuellen Version 2016 nutzen möchte. Wer hier gebrauchte Software nicht in Betracht zieht, muss in den sauren Apfel beißen und die neuste, zugleich deutlich teurere Variante erwerben. Im Nachhinein kann dann ein »Downgrade« durchgeführt werden. Die Hersteller bieten ältere Versionen ihrer Anwendungen schlichtweg nicht mehr zum Verkauf an, kritisiert Helms: »Dieses Geschäfts­gebaren nach dem Motto ›Friss oder stirb‹ bedeutet für den Käufer deutliche Nachteile.«

Lizenzen aus zweiter Hand

Doch viele potenzielle Kunden schrecken bislang aus Unwissenheit über die Rechtslage und aus Furcht vor juristischen Komplikationen vor dem Kauf zurück. Hier sei der Abwehrkampf der Softwarehersteller bislang erfolgreich gewesen, sagt Helms. Sie führten in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche Gerichtsprozesse um die Fragestellung, ob und unter welchen Bedingungen der Weiterverkauf von gebrauchter Software zulässig ist.

Inzwischen aber haben der Europäische Gerichtshof (2012) und der Bundesgerichtshof (2014) bestätigt, dass die Nutzung von und der Handel mit Lizenzen aus zweiter Hand legal sind. »Der Weiterverkauf von Lizenzen ohne die Zustimmung des Herstellers ist erlaubt«, bestätigt auch die auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwältin Dr. Laura Kubach. Hier gelte der Erschöpfungsgrundsatz des Urheberrechtsgesetzes, der besagt, dass ein Hersteller die Weiterverbreitung seines Produktes nicht mehr verbieten kann, sobald es erstmals mit seiner Zustimmung in Verkehr gebracht worden ist. Es sei in diesem Zusammenhang unwesentlich, was die Softwarehersteller in den Lizenzbedingungen bzw. -verträgen schreiben.

Bei den auf dem Vormarsch befindlichen Cloud- und Mietmodelllösungen können die Händler von gebrauchter Software nicht weiterhelfen. Hier sind die Nutzer an die Hersteller gebunden. Helms empfiehlt einen Kostenvergleich: »Wir haben sehr viele Interessenten überrascht, wie teuer ein dreijähriges Abonnement im Vergleich zu einem Kaufmodell auf dem Gebrauchtsoftware-Markt ist.«


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